Glad­bach setzt Auf­hol­jagd fort

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Ein bö­ses Foul des Schal­kers Geis, der da­für Rot sieht, über­schat­tet den 3:1-Sieg im West-Der­by.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Eng­li­sche Wo­chen sind ge­wöhn­lich die Zeit der Ro­ta­ti­on. Nicht bei An­dré Schu­bert. Der Über­gangs­trai­ner der Bo­rus­sen hat ein Kor­sett ge­bas­telt, das er na­he­zu un­be­rührt lässt, seit er den Job des ab­ge­wan­der­ten Lu­ci­en Fav­re über­nom­men hat. Ge­gen Schal­ke gab es im­mer­hin ei­ne Ve­rän­de­rung. Weil der Spa­nier Al­va­ro Do­m­in­guez ei­ne schwe­re Un­ter­schen­kel­prel­lung von der Cham­pi­ons-Le­agueRei­se nach Tu­rin mit­ge­bracht hat, spiel­te To­ny Jantsch­ke in der In­nen­ver­tei­di­gung ne­ben Andre­as Chris­ten­sen. Sonst war das Team, das in den ver­gan­ge­nen Wo­chen un­ter Schu­berts An­lei­tung bes­tes Kri­sen­ma­nage­ment be­trie­ben hat, ak­tiv.

Es war ein West-Schla­ger am­bi­tio­nier­ter Teams: Glad­bach woll­te das Heim­spiel nut­zen, um sich nach dem Fehl­start in die obe­re Ta­bel­len­hälf­te zu schie­ben, Schal­ke woll­te dran­blie­ben am Re­vier-Ri­va­len Dortmund. Am En­de wa­ren es die Glad­ba­cher die mit dem 3:1-Sieg ih­re Auf­hol­jagd fort­setz­ten. Da­mit geht die ver­blüf­fen­de Ge­schich­te des In­te­rims­trai­ners Schu­bert, der nicht Chef wer­den darf, der aber nun ein wei­te­res Ar­gu­ment lie­fer­te, wei­ter. Fünf Bun­des­li­ga­sie­ge in Se­rie gab es in sei­ner Amts­zeit, und das Glad­ba­cher Team ist mit nun 15 Punk­ten schon auf Platz sie­ben an­ge­kom­men. „Das war ein su­per Spiel. Wir kom­men lang­sam da­hin, wo wir hin­wol­len – nach oben“, sag­te Glad­bachs Os­car Wendt.

Schu­berts Spie­ler stell­ten das ak­ti­ve­re Team. Die ers­te gro­ße Chan­ce bot sich Rechts­ver­tei­di­ger Ju­li­an Korb, aber Ralf Fähr­mann re­gier­te glän­zend (8.). Das tat der Tor­wart auch nach 32 Mi­nu­ten, als sich Lars St­indl im Elf­me­ter­schuss ver­such­te (De­nis Ao­go hat­te Korb ge­legt), doch der Glad­ba­cher durf­te den ab­ge­wehr­ten Ball noch ins Tor köp­feln. Die Bo­rus­sen ver­dien­ten sich den Tref­fer mit viel Spiel­freu­de. Bo- rus­sia hat die Sta­bi­li­tät wie­der­ge­fun­den, die of­fen­si­ven Au­to­ma­tis­men grei­fen, es wird fröh­lich kom­bi­niert – wie zu bes­ten Fav­re-Zei­ten. Hin­zu kommt Schu­berts Cre­do: Der Ball ist un­ser – und wenn wir ihn ver­lie­ren, ho­len wir ihn so fix wie mög­lich zu­rück. Pres­sing und be­harr­li­ches Nach­set­zen sind die Werk­zeu­ge da­zu – und die schme­cken ei­nem Geg­ner sel­ten.

Doch Brei­ten­rei­ters Ent­wurf von Schal­ke 04 be­inhal­tet ei­ne ho­he Wi­der­stands­fä­hig­keit und ei­ne bru­ta­le Ef­fek­ti­vi­tät. Das be­kam Glad­bach kurz vor der Pau­se zu spü­ren. Der Ball prall­te zu Max Mey­er, des­sen Her­ein­ga­be lenk­te Chris­ten­sen ins ei­ge­ne Tor. Nun war es an den Bo­rus­sen, nach­zu­wei­sen, dass sie Rück­schlä­ge auf­ar­bei­ten kön­nen. St­indl hat­te zwei Mög­lich­kei­ten zum 2:1. Erst ver­fehl­te sein Schuss knapp das Tor, dann wur­de sein Kopf­ball auf der Li­nie ab­ge­wehrt.

Aber auch die Schal­ker hat­ten Ge­fal­len an der Par­tie. Im­mer wie­der ver­hin­der­te Bo­rus­si­as Tor­wart Yann Som­mer, der er­neut mit sei­ner Ge­sichts­mas­ke spiel­te, ei­nen Rück­stand, so beim Kopf­ball von Franco di San­to ( 65.). Es ent­wi­ckel­te sich ein leb­haf­tes Spiel, in dem bei­de Teams die Ent­schei­dung such­ten.

Fün­dig wur­den die Bo­rus­sen. Oder bes­ser Raf­fa­el. Der Ex-Schal­ker zir­kel­te ei­nen Frei­stoß aus 18 Me­tern in den Win­kel (70.). Es war der äs­the­ti­sche Hö­he­punkt ei­nes un­ter­halt­sa­men Abends. Der Tief­punkt war das Foul von Jo­han­nes Geis an An­dré Hahn. Mit ge­streck­tem Bein ging der Schal­ker den Geg­ner an. „Das war ei­ne ganz fie­se An­ge­le­gen­heit. Ich be­fürch­te, And­re wird län­ge­re Zeit nicht mehr spie­len kön­nen“, sag­te Glad­bachs Sport­di­rek­tor Max Eberl. Ein Dia­gno­se steht noch aus. Den sport­li­chen Schluss­punkt setz­te Ju­li­an Korb mit sei­nem ers­ten Bun­des­li­ga-Tor das 3:1.

FOTO: DPA

Drei­kampf um ei­nen Ball: Die Schal­ker Be­ne­dikt Hö­we­des (links) und Jo­han­nes Geis neh­men den Glad­ba­cher Tor­schüt­zen Lars St­indl in die Man­gel.

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