Gren­zen­lo­se Bay­ern

Rheinische Post Goch - - SPORT -

Die an­ge­se­he­ne Ber­li­ner „Ta­ges­zei­tung“(taz) hat ei­nen be­mer­kens­wer­ten Akt der Ka­pi­tu­la­ti­on voll­zo­gen. Sie ent­fern­te den FC Bay­ern München bis zu sei­ner ers­ten Bun­des­li­ga-Nie­der­la­ge aus der Be­richt­er­stat­tung. Be­grün­dung: Die Bay­ern hät­ten sich aus dem sport­li­chen Wett­be­werb hin­aus­ge­siegt.

Das kann man so se­hen. Im Lan­de gibt es of­fen­bar kei­ne Kon­kur­renz für den Meis­ter, der auf dem Weg zum vier­ten Ti­tel in Fol­ge ist. Er jagt längst nur noch ei­ge­ne Re­kor­de. Die bei­den jüngs­ten wa­ren an die­sem Wo­che­n­en­de fäl­lig. Der zehn­te Sieg im zehn­ten Spiel ist ei­ne neue Best­leis­tung. Und 1000 Bun­des­li­ga-Sie­ge hat auch noch kein Ver­ein ver­bucht. Die Bay­ern sam­meln der­ar­ti­ges Sta­tis­tik­ma­te­ri­al un­ter­wegs ein. Und es sieht nicht aus, als be­kä­men sie ge­nug da­von.

Das mag die eins­ti­gen Mit­be­wer­ber mit Schre­cken er­fül­len, und es scheint je­nen Recht zu ge­ben, die über die schreck­li­che Lan­ge­wei­le der Li­ga jam­mern.

Sie ver­ges­sen dar­über die Ver­diens­te des FC Bay­ern um die Schön­heit des Spiels. Die wird nicht in Zah­len ge­mes­sen, und sie in­ter­es­sier­te die Münch­ner in frü­he­ren Jah­ren auch herz­lich we­nig. Das Image der küh­len Er­folgs­ma­schi­ne, der zy­ni­schen Er­geb­nis­fir­ma, der farb­lo­sen Du­sel-Bay­ern wur­zelt in je­nen Jah­ren, als die Münch­ner zu­ver­läs­sig die bes­ten Ein­zel­spie­ler zu­sam­men­kauf­ten, aber nie ei­nen Fuß­ball spiel­ten, an dem sich auch unabhängige Lieb­ha­ber er­freu­en konn­ten.

Es ist das Ver­dienst des Trai­ners Lou­is van Gaal, dar­an et­was Ent­schei­den­des ge­än­dert zu ha­ben. Er brach­te ei­nen Stil, ei­ne Fuß­ball-Kul­tur in den Klub, die sich nicht mehr am rei­nen Er­geb­nis ori­en­tie­ren. Sei­ne Nach­fol­ger ha­ben die­se Idee ver­fei­nert. Pep Guar­dio­la neu­er­dings mit sei­nem Ver­such, das Spiel­sys­tem in größt­mög­li­che Frei­heit auf­zu­lö­sen, oh­ne ei­ne Ord­nung zu ver­lie­ren. Das ist gro­ße Kunst, die sein En­sem­ble im­mer häu­fi­ger auf­führt. Es macht Spaß, da­bei zu­zu­se­hen. Und das ist doch ein ed­ler Zweck. So ha­ben sich die Bay­ern nicht aus dem Wett­be­werb hin­aus­ge­siegt; sie ha­ben sich über sei­ne Gren­zen hin­weg­ge­siegt. Da­zu in Er­in­ne­rung an Horst Hru­besch „nur ein Wort: vie­len Dank“.

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