KURZKRITIKEN

Rheinische Post Goch - - KULTUR KUNST IM HERBST -

Jür­gen Klau­ke stellt in Mon­schau aus Bei Je­an Si­be­li­us da­heim in Ai­no­la Jo Nes­bø schickt ei­nen Auf­trags­kil­ler

Fo­to­aus­stel­lung Man kann sich nur wun­dern, was der ver­träum­te Tou­ris­ten­ort für Ide­en ent­wi­ckelt, um in der Kunst ein Mit­spra­che­recht zu re­kla­mie­ren. Je­der, der hier zu Gast ist, kann sich auf be­rühm­te Vor­gän­ger be­ru­fen. So­gar Chris­to war einst im Fach­werk­städt­chen an der Rur und hat be­herzt ver­packt, vor al­lem die his­to­ri­sche Burg. Jetzt ist Jür­gen Klau­ke da, der zu den be­deu­tends­ten deut­schen (Foto)Künst­lern der Ge­gen­wart zählt. Sei­ne Ar­bei­ten ge­nie­ßen welt­weit Auf­merk­sam­keit. Sein The­ma ist die ge­schlecht­li­che Iden­ti­tät des Men­schen, da­ne­ben fasst er in sei­nem spek­ta­ku­lä­ren Werk das The­ma Zeit und ihr Ver­rin­nen. Klau­ke ist im­mer ei­nen Aus­flug wert, be­son­ders im Herbst, wenn der Ei­fel­wald die See­le be­rührt. (Bis 20.12. im KuK Mon­schau, Au­stra­ße 9. Ge­öffn.: Di - Fr, 14 - 17 Uhr, Sa + So, 11 - 17 Uhr. )

An­net­te Bo­set­ti Klas­sik-CD Der Kom­po­nist Je­an Si­be­li­us ist un­be­strit­ten der Bron­to­sau­rus Rex der fin­ni­schen Mu­sik. Das Geis­tes­le­ben des nord­eu­ro­päi­schen Lan­des wird von sei­nem über­di­men­sio­na­len Schat­ten be­herrscht, und jün­ge­re Kom­po­nis­ten ha­ben es im­mer schwer ge­habt, sich von die­ser drü­cken­den Last zu be­frei­en. Wo im­mer sie in der Welt auf­tau­chen und von ih­rer Hei­mat spre­chen, heißt es: „Aaah, Finn­land. Si­be­li­us!“

In die­sem Jahr be­herrscht der Alt­meis­ter die Sze­ne al­ler­dings mit ho­her Be­rech­ti­gung: Vor 150 Jah­ren wur­de der Kom­po­nist in Hä­me­en­lin­na ge­bo­ren, und über­all in dem klei­nen Land mit den vie­len Se­en wird Si­be­li­us ge­spielt. Und man er­in­nert sich auch, das der wuch­ti­ge Sym­pho­ni­ker mit sei­nem me­lo­di­schen Pa­thos, sei­ner ei­gen­wil­li­gen Rhyth­mik, sei­nen un­ge­wohn­ten Ent­wick­lungs­for­men, sei­nem re­pe­ti­ti­ven, sich ein­boh­ren­den Ges­tus mit­nich­ten ein Son­der­ling war, der fern der mit­tel­eu­ro­päi­schen Sze­ne an ei­nem Pri­vat­weg bas­tel­te. Si­be­li­us war ein wirk­li­cher Er­neue­rer, der auf dem Bo­den der ro­man­ti­schen To­na­li­tät nach in­di­vi­du­el­len Sprach­for­men such­te.

Pri­vat lieb­te Si­be­li­us es wie al­le Fin­nen be­schau­lich. Er ließ sich ein Häu­schen am See bau­en, das al­ler- Thril­ler Olav hat ein Pro­blem – nicht, wie man mei­nen könn­te, mit sei­nem Job als Auf­trags­kil­ler, son­dern mit sei­ner neu­en Auf­ga­be: Er soll ei­ne Frau tö­ten. Co­ri­na ist mit sei­nem Chef ver­hei­ra­tet und lei­der zu­gleich Olavs Traum­frau. In „Blood on Snow – Der Auf­trag“schickt der nor­we­gi­sche Best­sel­ler-Au­tor Jo Nes­bø sei­nen Prot­ago­nis­ten in ei­nen gro­ßen Kon­flikt und auf ei­ne dra­ma­ti­sche Rei­se durch Os­los kri­mi­nel­le Schat­ten­welt, in der sonst der Po­li­zist Har­ry Ho­le er­mit­telt. Die Kom­po­nen­ten, die die Fas­zi­na­ti­on der Ho­le-Rei­he aus­ma­chen, fin­den sich auch in die­sem neu­en Thril­ler. „Der Auf­trag“ist der Auf­takt ei­ner neu­en Se­rie, die zwar in­halt­lich nicht eng zu­sam­men­hängt, aber in de­ren Zen­trum im­mer Män­ner in ei­nem Ge­wis­sens­kon­flikt ste­hen. Im Früh­jahr folgt der zwei­te Teil „Das Ver­steck“. Was Span­nung und über­ra­schen­de Vol­ten an­geht, ist Jo Nes­bø zur­zeit die un­um­strit­te­ne Num­mer eins – nicht nur im Nor­den.

Mar­ti­na Stöcker

Jo Nes­bø, dings die Aus­ma­ße ei­ner Vil­la be­sitzt. Nach sei­ner Frau Ai­no nann­te er es Ai­no­la, und wer die­ses Re­fu­gi­um im Be­zirk der Stadt Jär­ven­pää am Tuusu­la-See be­sucht, der be­kommt so­fort ei­nen Ein­druck von Hei­me­lig­keit. Mehr als 60 Jah­re lang blieb das An­we­sen sei­ne Hei­mat. Hier fand er im Jah­re 1957 sei­ne letz­te Ru­he. Seit 1974 ist Ai­no­la ein staat­li­ches Mu­se­um. Die Räu­me sind wie zu Si­be­li­us’ Ta­gen ein­ge­rich­tet, man sieht den Sa­lon mit dem Flü­gel, das Ar­beits­zim­mer mit dem Schreib­tisch, an dem vie­le sei­ner Wer­ke ent­stan­den.

Der Pia­nist Fol­ke Gräs­beck hat Si­be­li­us und den Be­din­gun­gen in Ai­no­la jetzt mit ei­ner neu­en CD beim La­bel BIS ein wun­der­voll klin­gen­des Denk­mal ge­setzt. Auf je­nem Flü­gel spielt er ei­nen köst­lich-kost­ba­ren Hau­fen von Si­be­li­us’ Kla­vier­mu­sik, klei­ne Ra­ri­tä­ten, doch auch Ent­wür­fe für Grö­ße­res. Man er­lebt so­gar ei­ne dräu­en­de Kla­vier­fas­sung sei­ner ge­hei­men Staats­hym­ne „Fin­lan­dia“. Wolf­ram Go­ertz

FOTO: KLAU­KE

Jür­gen Klau­ke: Äs­the­ti­sche Pa­ra­noia.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.