Lab­beck steht im Zen­trum ei­nes Kri­mis

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE – REGIONAL - VON DIRK MÖWIUS

Für sein neu­es Buch „Ver­dammt lang tot“nahm Er­win Kohl aus Gin­de­rich den Cam­ping­platz Kerst­gens­hof als Vor­bild. Dort lebt der sus­pen­dier­te Po­li­zist Lu­kas Born, der den Tod des Pfand­fla­schen­samm­lers „Wol­le“auf­klärt.

NIE­DER­RHEIN Der Cam­ping­platz in Lab­beck ist sein Zu­hau­se ge­wor­den. Lu­kas Born, der Po­li­zist, der vom Di­enst sus­pen­diert wur­de, weil er ge­gen ei­nen Kin­der­schän­der hand­greif­lich wur­de, um ein ent­führ­tes Kind zu ret­ten. Und plötz­lich steckt er wie­der mit­ten in Mor­der­mitt­lun­gen. Denn der Tod von „Wol­le“, dem Pfand­fla­schen­samm­ler, in ei­nem Bag­ger­see bei Uedem war kein Selbst­mord. Un­ter­stützt von den Mit­be­woh­nern des Cam­ping­plat­zes er­mit­telt Born in der Sport­welt der frü­he­ren DDR, in der Do­ping an der Ta­ges­ord­nung war. Wel­che Rol­le spielt da­bei ein ehe­ma­li­ger Xan­te-

Er­win Kohl ner Bür­ger­meis­ter, der mit Hil­fe ei­ner Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aus Dins­la­ken an ei­nen Job in Berlin ge­kom­men ist?

Viel mehr soll­te man vor der Pre­mie­ren­le­sung am Frei­tag, 20. No­vem­ber, nicht ver­ra­ten über „Ver­dammt lang tot“, den neu­en Kri­mi aus der Fe­der von Er­win Kohl. Das neue Buch stellt der Au­tor von mitt­ler­wei­le elf Bü­chern und freie Jour­na­list, der auch re­gel­mä­ßig für die Rhei­ni­sche Post über das Ge­sche­hen in der Re­gi­on be­rich­tet, auf dem Cam­ping­platz Kerst­gens­hof in Lab­beck vor. Gen­au­ser ge­sagt im Bis­tro. Kein Zu­fall, denn die­ser Platz dien­te als Vor­bild für den Ro­man. Ge­ra­de das Bis­tro ist ei­ner der wich­tigs­ten Or­te. Die Ei­gen­tü­mer Bir­git und Leo In­gen­l­ath wa­ren auch die Ers­ten, die das Ma­nu­skript le­sen durf­ten.

„Ich war ei­gent­lich si­cher, die sa­gen auf kei­nen Fall oder strei­chen mir viel raus“, be­rich­tet Er­win Kohl. Schließ­lich ha­be er die ei­ne oder an­de­re Ne­ben­fi­gur „leicht“über­zeich­net. Aber im Ge­gen­teil: „Ge­nau­so sind die Men­schen hier“, lau­tet das Ur­teil der Cam­ping­platz-Be­trei­ber. „Über­trei­bung ge­hört dann na­tür­lich da­zu“, sagt Leo In­gen­l­ath, selbst gro­ßer Kri­mi-Fan.

Den Cam­ping­platz als Schau­platz für die neue Se­rie – das nächs­te Aben­teu­er von Lu­kas Born ist be­reits in der Ma­che – hat Kohl aus meh­re­ren Grün­den ge­wählt. Für ein sus­pen­dier­ten und chro­nisch klam- men Po­li­zis­ten, der heim­lich Heiz­öl in sei­nen Ur­alt-Mer­ce­des „Em­ma“tankt, passt der Platz als Wohn­ort. Vor al­lem bie­tet er dem Au­tor aber bei­na­he un­be­grenz­te Mög­lich­kei­ten bei der Wahl der Fi­gu­ren. Zu­dem bie­ten Sonsbeck und das Dorf Lab­beck den idea­len Back­ground für ei­nen Re­gio­nal­kri­mi. Kohl: „Ein Mord sticht nun mal da her­vor, wo man ihn am we­nigs­ten ver­mu­tet.“

Ein Jahr Schreib­pau­se hat­te der Gin­de­ri­cher sich ge­gönnt, be­vor er mit dem neu­en Kri­mi an­fing, der im re­nom­mier­ten Köl­ner Bas­tei-Lüb­be-Ver­lag er­scheint. Zum ers­ten Mal schreibt er ei­ne Ge­schich­te im Prä­sens und aus der Sicht der Haupt­fi­gur. Kohl: „Das war ei­ne rie­si­ge Um­stel­lung. Die ers­ten 100 Sei­ten muss­te ich vor al­lem we­gen der Zeit­form im­mer wie­der kor­ri­gie­ren. Hin­zu kam, dass mir Stil­mit­tel wie der Wech­sel der Per­spek­ti­ve oder die Stim­me des Er­zäh­lers nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­hen. Be­reut ha­be ich das aber nie, denn mit der Ge­gen­warts­form lässt sich ein viel hö­he­res Er­zähl­tem­po er­rei­chen.“

Klar war aber, dass die Fi­gur „Lu­kas Born“stim­men muss­te, um den Le­ser zu fes­seln. Da er durch die Er­in­ne­rung an den Ent­füh­rungs­fall den Blues hat, hol­te sich Er­win Kohl so­gar psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe. „Ich ha­be sel­ber we­nig Ah­nung von Trau­ma­ta. Al­so leg­te ich Born bei Mar­ti­na Op­gen­orth aus Mil­lin­gen qua­si auf die Couch“Die Di­plom-

„Die ers­ten 100 Sei­ten muss­te ich vor al­lem we­gen der Zeit­form im­mer

wie­der kor­ri­gie­ren“

Kri­mi­au­tor

„Die Fi­gur Lu­kas Born leg­te ich bei Mar­ti­na Op­gen­orth aus Mil­lin­gen qua­si auf die Couch“

Er­win Kohl

über die Re­cher­che­ar­beit

Psy­cho­the­ra­peu­tin half, ei­ne höchs­te Au­then­ti­zi­tät zu er­rei­chen. So viel sei ver­ra­ten: Im Lau­fe des Buchs wird Born ge­heilt. Kohl: „Mit dem Trau­ma woll­te ich die Fi­gur zwar er­klä­ren, ih­ren Blues aber nicht durch al­le Fol­ge­bän­de schlep­pen.“

Sons­becks Bür­ger­meis­ter Hei­ko Schmidt freut sich, dass sei­ne Ge­mein­de nun zur Kri­mi­stadt wird. Und aus sei­nem ei­ge­nen Po­li­zei­leben weiß er zu be­rich­ten, dass es tat­säch­lich ei­nen Haupt­kom­mis­sar gab, der in fi­nan­zi­el­le Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten war und auf ei­nem Cam­ping­platz leb­te. Dass die Rea­li­tät oft noch den Ro­man ein­holt, wuss­ten dann auch Bir­git und Leo In­gen­l­ath zu be­rich­ten. Denn der Fall von Er­win Kohls de­men­ten frü­he­ren Ta­xi-Be­trei­ber, dem der Sohn ei­ne Funk­zen­tra­le in sei­nem Wohn­wa­gen ein­rich­tet und bei dem die Mit­be­woh­ner mit­spie­len, wenn er im Bis­tro brüllt, das Ta­xi ist da, ist durch­aus nach­voll­zieh­bar. Bir­git In­gen­dahl: „Wir hat­ten ei­nen Stamm­gast, der we­gen sei­ner Alz­hei­me­rEr­kran­kung fast nicht mehr kom­men konn­te. Doch die Nach­barn ha­ben da­für ge­sorgt, dass er mit sei­ner Frau noch ei­ne Zeit lang an­reis­te, und be­hiel­ten ihn bei sei­nen Aus­flü­gen gut im Au­ge.“Da­mit sich aber Rea­li­tät und Fik­ti­on nicht zu sehr mi­schen: Er­win Kohl hat den In­gen­l­aths ver­spro­chen, dass in kei­nem sei­ner Bü­cher ei­ner ih­rer Gäs­te ums Le­ben kom­men wird.

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