Ba­de­ku­geln aus dem Koch­topf

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON JES­SI­CA KUSCHNIK

Wer wis­sen will, was drin ist, macht es ein­fach selbst – das gilt in­zwi­schen nicht nur für Le­bens­mit­tel, son­dern auch für Kos­me­tik­pro­duk­te. Der Trend hat be­reits Do-it-yours­elf-Sets für Sham­poo und Sei­fe so­wie TV-Shows her­vor­ge­bracht.

DÜSSELDORF Die Re­vo­lu­ti­on des Je­an Pütz er­lebt ih­ren zwei­ten Früh­ling: Vor 40 Jah­ren traf der Mo­de­ra­tor ei­nen Nerv, als er in sei­ner Fern­seh­sen­dung „Hob­by­thek“( WDR) nicht nur Män­ner da­zu ani­mier­te, hand­werk­lich tä­tig zu wer­den, son­dern auch Frau­en, Sham­poos und Cre­mes selbst an­zu­rüh­ren. Che­mi­sche In­halts­stof­fe er­setz­te er durch na­tür­li­che Al­ter­na­ti­ven – und ge­nau die­ser Trend er­reicht der­zeit wie­der ei­nen Hö­he­punkt. Die be­sorg­te Haus­frau der 70er, die sich vom Mann mit der auf­fäl­li­gen Ge­sichts­be­haa­rung wert­vol­le Tipps ge­ben ließ, ist zur eman­zi­pier­ten Ver­brau­che­rin ge­wor­den, die wis­sen möch­te, was in den Pro­duk­ten steckt, die sie kon­su­miert.

„Na­tur­kos­me­tik sel­ber zu ma­chen, be­deu­tet ein­fach, dass man die kom­plet­te Kon­trol­le dar­über hat, was zum Bei­spiel in Cre­mes drin ist – und was nicht“, sagt Ani­ta Bech­loch. Die Au­to­rin rührt in ih­rer Sen­dung „The Glow“(Sixx) Cre­mes, Ge­sichtspee­lings, Ba­de­ku­geln und Sei­fen selbst an – mit na­tür­li­chen Zu­ta­ten wie Man­deln, Pa­pa­ya, Min­ze, Ko­kos­öl und Ka­kao­but­ter. Was köst­lich klingt, lan­det tat­säch­lich auch im Koch­topf – oder zu­min­dest in der Rühr­schüs­sel. „Kos­me­tik selbst her­zu­stel­len, geht auf je­den Fall schnel­ler als Ko­chen oder Ba­cken“, sagt Bech­loch in ih­rer Sen­dung. „Meist schmilzt man ein­fach et­was wie Bie­nen­wachs oder Ka­kao­but­ter, rei­chert es mit Ölen an und lässt es wie­der aus­här­ten.“

Güns­ti­ger und ver­träg­li­cher soll die selbst ge­mach­te Kos­me­tik sein – das ver­spricht auch das Do-it-yours­elf-Set „Cos­me­tic Kit­chen“der ös­ter­rei­chi­schen Fir­ma Ba­de­meis­te- Mi­schen Sie mit ei­nem Schnee­be­sen zu­erst je ein Tüt­chen Zi­tro­nen­säu­re un­ter, da­nach gibt man

Na­tri­um­bi­c­ar­bo­nat da­zu. rei. Das Set ist in Deutsch­land bei zwei Dro­ge­rie- und Par­fü­me­rie­ket­ten er­hält­lich – und hat­te sei­nen ers­ten gro­ßen Auf­tritt vor zwei Wo­chen in der Sen­dung „Die Höh­le der Lö­wen“(Vox). Dort wer­den neue, in­no­va­ti­ve Pro­duk­te vor­ge­stellt. Das Dusch­gel-Selbst­mach-Set für Ein­stei­ger et­wa be­inhal­tet ei­nen Sha­ker, ei­ne ve­ga­ne Dusch­gel-Ba­sis, zwei ver­schie­de­ne Duft­sor­ten und zwei Far­ben. „In­ner­halb we­ni­ger Se­kun­den hat man so ein fer­ti­ges Dusch­gel, das man mit Ing­wer­tee, fri­scher Min­ze oder an­de­ren Zu­ta­ten ver­fei­nern kann“, sagt Jens Gu­ter­mann von der Ba­de­meis­te­rei. Al­le Pro­duk­te sind ve­gan und tier­ver­suchs­frei – „das war für uns ex­trem wich­tig“, sagt Gu­ter­mann. Mit dem „Koch­buch“, das rund 100 Re­zep­te ent­hält, las­sen sich Ba­de­ku­gel, Dusch­gel und Co. in­di­vi­dua­li­sie­ren.

Wer al­les von Grund auf selbst ma­chen möch­te, der muss sich vor­her ei­nen Grund­stock ver­schie­de­ner In­halts­stof­fe zu­le­gen, er­klärt Ani­ta Bech­loch. Das sei am An­fang et­was teu­rer, un­term Strich spa­re man aber mit den selbst ge­mach­ten Pro­duk­ten. „Das ist wie der Un­ter­schied, ob man sel­ber kocht oder ins Re­stau­rant geht“, sagt sie auf Sixx. Al­le wei­te­ren Zu­ta­ten wie Früch­te, Kräu­ter oder Ho­nig be­kom­me man bei­spiels­wei­se auf dem Markt.

Re­zep­te für Kos­me­tik­pro­duk­te gibt es aber nicht nur von Ani­ta Bech­loch, Je­an Pütz oder der Ba­de­meis­te­rei. Das In­ter­net ist voll von An­lei­tun­gen – mit de­nen man je­doch vor­sich­tig sein soll­te, sagt Klaus-Wer­ner Schul­te, Fach­arzt für Der­ma­to­lo­gie an der Kli­nik am Kai­ser­teich in Düsseldorf. „Es gibt si­cher­lich gu­te Pro­duk­te, aber auch viel Müll. Für den Lai­en ist wich­tig: Je we­ni­ger In­halts­stof­fe, des­to bes­ser.“Im Schnitt kom­me man über sei­ne Kos­me­tik­pro­duk­te täg­lich mit mehr als 100 Che­mi­ka­li­en in Kon­takt, heißt es bei „The Glow“– und tat­säch­lich sind die In­halts­lis­ten auf den Rück­sei­ten vie­ler Pfle­ge­pro­duk­te ziem­lich lang.

Vor­sicht ist aber auch bei na­tür­li­chen Zu­ta­ten wie pflanz­li­chen Be­stand­tei­len ge­bo­ten, sagt Schul­te. So ent­hiel­ten Ka­mil­le und Rin­gel­blu­me oft All­er­ge­ne. Men­schen mit be­kann­ten All­er­gi­en soll­ten da­her vor dem Ge­brauch Rück­spra­che hal­ten mit ei­nem Haut­arzt oder dem Her­stel­ler. Auch bei der Halt­bar­keit gel­te es ei­ni­ges zu be­ach­ten, sagt Schul­te: „Die Fra­ge ist: Wie lan­ge kann ich das Pro­dukt be­nut­zen, wie sau­ber ha­be ich selbst ge­ar­bei­tet?“Ani­ta Bech­loch er­klärt, dass es bei der Halt­bar­keit gro­ße Un­ter­schie­de ge­be. Im Schnitt sei­en die Pro­duk­te, die mit ih­ren Re­zep­ten her­ge­stellt wer­den, sechs Mo­na­te halt­bar. „Wenn kein Was­ser und kei­ne fri­schen Zu­ta­ten drin sind, hal­ten sie bis zu ei­nem Jahr.“Bei Cre­mes und Sei­fen, die Früch­te oder Kräu­ter ent­hal­ten, sei es wie mit Le­bens­mit­teln: Sie soll­ten schnellst­mög­lich ver­braucht wer­den.

Al­les in al­lem ver­hält es sich mit dem Ko­chen von Sham­poos und Dusch­gels wie mit dem Ko­chen von Le­bens­mit­teln: Kau­fen oder selbst ma­chen – es ist ei­ne Fra­ge der Ein­stel­lung. Und wer wis­sen will, was drin ist, macht es selbst.

„Kos­me­tik selbst her­zu

stel­len, geht schnel­ler als Ko­chen oder Ba­cken“

Ani­ta Bech­loch

Au­to­rin „The Glow“

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