In der Flücht­lings­kri­se ist Schnel­lig­keit ge­fragt

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MAR­TIN KESS­LER

Wenn die Kanz­le­rin et­was nicht mag, dann ist es, un­ter enor­mem Zeit­druck han­deln zu müs­sen. Sie kann dann nicht ih­re Stär­ke aus­spie­len, die in der gründ­li­chen Ana­ly­se und in der Aus­wahl des rich­ti­gen Zeit­punkts liegt. Doch es gibt auch Aus­nah­men: die Si­che­rung der Spar­ein­la­gen und die Ener­gie­wen­de. Hier han­del­te Mer­kel ent­schlos­sen, oh­ne vor­her al­le Fol­gen durch­den­ken zu kön­nen.

In der Flücht­lings­kri­se, in der sie mu­tig der hu­ma­ni­tä­ren Lö­sung den Vor­rang ein­räumt, ist jetzt die glei­che Kon­se­quenz ge­fragt. Mer­kel muss das Pro­blem des un­kon­trol­lier­ten Zu­zugs lö­sen, oh­ne die Gren­zen mit St­a­chel­draht zu schlie­ßen. Da­für sind kla­re Si­gna­le an die Men­schen nö­tig, die zur Flucht ent­schlos­sen sind. Es muss deut­lich wer­den, dass nur je­ne blei­ben kön­nen, die von Tod, Ver­trei­bung oder Miss­hand­lung be­droht sind. In al­len an­de­ren Fäl­len müs­sen die Be­hör­den rasch ab­schie­ben, so nach­voll­zieh­bar die Flucht­grün­de auch sind.

Zu­dem sind grenz­na­he Auf­nah­me­zen­tren not­wen­dig, in de­nen schnell über die Asyl­an­trä­ge ent­schie­den wer­den kann. Wenn sich her­um­spricht, dass nicht je­der blei­ben kann, wer­den die Flücht­lings­strö­me schwä­cher. Nur so kann Mer­kel es schaf­fen. BE­RICHT

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