Po­len ist nicht ver­lo­ren

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MAT­THI­AS BEERMANN

Die Po­len ha­ben am Sonn­tag nicht nur ih­re bis­he­ri­ge Re­gie­rung in die Wüs­te ge­schickt, sie ha­ben wo­mög­lich auch den Weg frei ge­macht für ei­ne tief­grei­fen­de Um­ge­stal­tung ih­res Lan­des. Wahl­sie­ger Ja­roslaw Kac­zyn­ski hat sei­nem Traum nie ab­ge­schwo­ren, ei­ne „neue Re­pu­blik“zu be­grün­den. Die Blau­pau­se da­für ist Un­garn, wo der au­to­kra­tisch auf­tre­ten­de Vik­tor Or­bán er­folg­reich an den na­tio­nal-re­li­giö­sen Stolz sei­ner Lands­leu­te ap­pel­lier­te, um sei­ne Po­li­tik durch­zu­set­zen.

Wird War­schau al­so ein zwei­tes Bu­da­pest? Das ist längst nicht aus­ge­macht, denn Po­len hat ei­ne tief ver­wur­zel­te li­be­ra­le Tra­di­ti­on, die in der Bür­ger­ge­sell­schaft wei­ter­lebt, auch wenn ih­re po­li­ti­schen Ver­tre­ter jetzt an den Ur­nen bru­tal ab­ge­straft wur­den. Po­len ist noch nicht ver­lo­ren an ei­nen eng­stir­ni­gen Na­tio­na­lis­mus, zu­mal vie­le un­se­rer Nach­barn bei die­ser Wahl ihr Kreuz­chen eher aus Pro­test ge­gen die so­zia­le Käl­te im Land ge­macht ha­ben, als aus Be­geis­te­rung für Kac­zyns­kis pa­trio­ti­sche Er­we­ckungs­ly­rik. Mit deut­scher Über­heb­lich­keit soll­ten wir je­den­falls nicht re­agie­ren auf die­ses Wah­l­er­geb­nis. BE­RICHT

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