Frank­reichs neue Kreuz­rit­ter

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON CHRIS­TI­NE LON­GIN

Was tun ge­gen den IS? Et­li­che Fran­zo­sen grün­den in­zwi­schen Frei­wil­li­gen-Grup­pen, um et­wa den ira­ki­schen Kur­den oder den christ­li­chen As­sy­rern zu hel­fen. Gut mög­lich, dass sie sich im Kriegs­ge­biet Lands­leu­ten ge­gen­über­se­hen.

PA­RIS „Gek­ko“hat vie­le Ge­walt­vi­de­os des Is­la­mi­schen Staats ge­se­hen. Hin­ge­rich­te­te Män­ner, ver­ge­wal­tig­te Frau­en, ge­tö­te­te Kin­der. „Ich konn­te nicht wei­ter mit den Hän­den im Schoß da­sit­zen“, sagt der ehe­ma­li­ge fran­zö­si­sche Sol­dat in In­ter­views. Der 25-Jäh­ri­ge spricht mit ei­nem Freund dar­über, sich Kämp­fern ge­gen die Ex­tre­mis­ten an­zu­schlie­ßen. Der ist be­geis­tert, und zu­sam­men grün­den sie die „Task­force La­f­ay­et­te“, ei­ne Ein­heit ehe­ma­li­ger Sol­da­ten, die die kur­di­schen Pe­schmer­ga im Nord­irak ge­gen den IS aus­bil­den will. Der Na­me be­zieht sich auf den Mar­quis de la Fay­et­te, der mit ei­ner Trup­pe Frei­wil­li­ger im ame­ri­ka­ni­schen Un­ab­hän­gig­keits­krieg (1775–1783) ge­gen die Bri­ten kämpf­te.

Die fran­zö­si­sche Ar­mee un­ter­stützt die Kur­den be­reits mit Waf­fen­lie­fe­run­gen und fliegt Luft­an­grif­fe auf Stel­lun­gen des IS im Irak und in Sy­ri­en. Doch das reicht der Grup­pe um „Gek­ko“nach der is­la­mis­ti­schen An­schlags­se­rie im Ja­nu­ar mit 17 To­ten nicht. „Sie ha­ben Frank­reich den Krieg er­klärt. Ich ver­ste­he nicht, war­um wir so pas­siv sind“, kri­ti­siert „Ach“, ein wei­te­rer Kämp­fer, im Ra­dio­sen­der Fran­ce In­fo: „Nur vor Ort kann ich mich nütz­lich füh­len.“Im De­zem­ber soll es los­ge­hen – auch für sei­ne Freun­din „Cass“. Sie war als Ein­zi­ge der rund 15-köp­fi­gen Trup­pe nicht bei der Ar­mee, kann aber als Kfz-Mecha­ni­ke­rin Fahr­zeu­ge re­pa­rie­ren.

In der Nä­he der nord­ira­ki­schen Stadt Kir­kuk sol­len die Kämp­fer un­ter­kom­men, die für ih­re Aus­rüs­tung be­reits 35.000 Eu­ro an Spen­den zu- sam­men­be­kom­men ha­ben. Auf Face­book zeigt die Task­force, die sich auf die „Bri­ga­de La­f­ay­et­te“der fran­zö­si­schen Ar­mee in Af­gha­nis­tan be­ruft, be­reit­wil­lig ih­re Vor­be­rei­tun­gen – ein­schließ­lich der Aus­stat­tung von Spreng­stoffspür­hund Fid­ji.

Als „un­po­li­tisch und nicht re­li­gi­ös“be­zeich­nen sich die Ex-Sol­da­ten, die viel Zu­lauf be­kom­men. „Wir sind kei­ne rechts­ex­tre­me Grup­pe, wir sind kei­ne Kreuz­rit­ter. Die Mus­li­me ge­hö­ren zu der Be­völ­ke­rung, der wir hel­fen wol­len“, sagt „Ach“. Da­mit un­ter­schei­det sich die „Task­force La­f­ay­et­te“deut­lich von ei­ner an­de­ren fran­zö­si­schen Ein­heit, die eben­falls den IS be­kämp­fen will: dem „Ba­tail­lon Be­aufort“. Die aus­drück­lich christ­li­che Grup­pie­rung, auch als „As­sy­risch-Fran­zö­si­sche Le­gi­on“be­kannt, nennt sich in­zwi­schen auch „Dwekh Naw­sha“, was auf Ara­mä­isch „Künf­ti­ge Mär­ty­rer“heißt. „Grup­pe christ­li­cher Fran­zo­sen, die be­reit ist, den IS zu be­kämp­fen“, steht auf ih­rer Face­book-Sei­te. Die Par­tei der pa­trio­ti­schen As­sy­rer hat­te „Dwekh Naw­sha“2014 zum Schutz der Chris­ten ge­grün­det, die vom IS bru­tal ver­folgt wer­den.

„Man braucht Frei­wil­li­ge, um die­se Be­völ­ke­rung zu schüt­zen“, sag­te ein 42-jäh­ri­ger Frei­wil­li­ger aus Süd­frank­reich der Zei­tung „Le Fi­ga­ro“. „Dwekh Naw­sha“hat nicht nur Dut­zen­de Fran­zo­sen in ih­ren Rei­hen, son­dern auch Frei­wil­li­ge aus Groß­bri­tan­ni­en oder den USA.

Wie die Fran­zo­sen hat auch der ehe­ma­li­ge US-Ma­ri­ne­in­fan­te­rist Lou­is sei­nen Flug in die Kriegs­re­gi­on selbst be­zahlt. Geld für ih­ren Ein­satz be­kom­men die Mi­li­zio­nä­re nicht, was sie von Söld­nern un­ter­schei­det. Da­her se­hen sich die mo- der­nen Kreuz­rit­ter auch nicht im Un­recht: Das Söld­ner­ge­setz von 2003 ver­bie­tet zwar be­zahl­te Ope­ra­tio­nen in Kon­flikt­re­gio­nen, spricht aber nicht von un­be­zahl­ten Frei­wil­li­gen. Wie die fran­zö­si­schen Be­hör­den die An­ti-IS-Kämp­fer be­ur­tei­len, ist un­klar, da sie bis­her kei­nen Kom­men­tar da­zu ab­ge­ge­ben ha­ben.

Klar ist, dass die An­ti-Ter­ror-Maß­nah­men der Re­gie­rung „Gek­ko“und Co. kaum be­tref­fen. Denn nur wer das Land zu ter­ro­ris­ti­schen Zwe­cken ver­lässt, kann an der Aus­rei­se ge­hin­dert wer­den. Rund 500 Fran­zo­sen kämp­fen laut In­nen­mi­nis­te­ri­um der­zeit in Sy­ri­en und im Irak an der Sei­te des IS. De­nen könn­ten sich die neu­en An­ti-IS-Ein­hei­ten bald ge­gen­über­se­hen. Die Ex­per­tin My­ri­am Ben­raad sieht bei bei­den ei­ne ideo­lo­gi­sche Mo­ti­va­ti­on: „Es gibt auf bei­den Sei­ten ei­ne Sa­kra­li­sie­rung des Kamp­fes“, sag­te die Pro­fes­so­rin der Uni­ver­si­tät Sci­en­ces Po der Zei­tung „Le Pa­ri­si­en“.

FOTO: DPA

Kämp­fer für die christ­li­chen Glau­bens­brü­der: Mit­glie­der der „As­sy­risch-Fran­zö­si­schen Le­gi­on“, al­le­samt Ex-Sol­da­ten, po­sie­ren in Süd­frank­reich.

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