Bun­des­re­gie­rung will Gi­ro­kon­to für je­den Bür­ger

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON JAN DREBES UND BIR­GIT MARSCHALL

BERLIN Die Bun­des­re­gie­rung bringt ih­ren Ge­setz­ent­wurf zur Ein­füh­rung ei­nes Ba­sis­kon­tos für je­der­mann auf den Weg: Mor­gen soll es das Ka­bi­nett be­schlie­ßen. Zum 1. Ju­ni 2016 soll das Ge­setz in Kraft tre­ten, hieß es in Re­gie­rungs­krei­sen. „Ein In­sti­tut, das Zah­lungs­kon­ten auf dem Markt an­bie­tet (Ver­pflich­te­ter), hat mit ei­nem Be­rech­tig­ten ei­nen Ba­sis­kon­to­ver­trag zu schlie­ßen“, heißt es im Ent­wurf, der un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Be­rech­tig­ter sei je­der Ver­brau­cher mit recht­mä­ßi­gem Auf­ent­halt in der EU, „ein­schließ­lich Per­so­nen oh­ne fes­ten Wohn­sitz und Asyl­su­chen­de so­wie Per­so­nen oh­ne Auf­ent­halts­ti­tel, die aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den nicht ab­ge­scho­ben wer­den kön­nen“. Zur Be­grün­dung füh­ren Fi­nanz- und Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um an, ein ei­ge­nes Kon­to sei „im All­tag des 21. Jahr­hun­dert für al­le Bür­ger von es­sen­ti­el­ler Be­deu­tung.“

Laut EU ha­ben 670.000 Men­schen in Deutsch­land kein Gi­ro­kon­to, dar­un­ter Ob­dach­lo­se, Stu­den­ten, Sai­son­ar­bei­ter oder Asyl­be­wer­ber. Sie dürf­ten be­son­ders pro­fi­tie­ren, weil deut­sche Äm­ter Asyl­leis­tun­gen et­wa nicht bar aus­zah­len dür­fen. Ver­brau­cher­schüt­zer kri­ti­sie­ren, dass die frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tung der Kre­dit­wirt­schaft von 1995 nicht je­dem Bür­ger den Kon­to­zu- gang er­mög­lich­te. Bis­her kön­nen Ban­ken ei­nen An­trag­stel­ler zu­rück­wei­sen, wenn sie An­halts­punk­te da­für ha­ben, dass die­ser an­fal­len­de Kon­to­ge­büh­ren nicht zah­len kann.

„Dass das Gi­ro­kon­to für je­der­mann kommt, ist ein Mei­len­stein für Ver­brau­cher“, sag­te der Chef des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­ban­des, Klaus Müller. Al­le Ver­brau­cher müss­ten Zu­gang zu ei­nem Ba­sis­kon­to ha­ben, auch fi­nan­zi­ell schwa­che, Men­schen oh­ne fes­ten Wohn­sitz oder Flücht­lin­ge. „Da­mit die­se Men­schen aber vom Ba­sis­kon­to pro­fi­tie­ren, muss es be­zahl­bar sein. Hier braucht es ei­ne kla­re ge­setz­li­che Re­ge­lung“, so Müller.

Der Ge­setz­ent­wurf sieht zu­dem Ver­ein­fa­chun­gen beim Kon­to­wech­sel vor. Ver­brau­cher sol­len ih­re neue Bank auch be­auf­tra­gen kön­nen, Dau­er­auf­trä­ge des al­ten Kon­tos zu über­neh­men. Und Ban­ken müs­sen Ge­büh­ren in ei­ner Bro­schü­re deut­li­cher als bis­her sicht­bar ma­chen.

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