Die ra­san­te Di­gi­ta­li­sie­rung und der nied­ri­ge Zins ver­än­dern das Ge­schäft der Spar­kas­se. Die Kos­ten stei­gen, die Er­trä­ge sin­ken. Mehr als die Hälf­te der In­sti­tu­te schlie­ßen nicht aus, dass wei­te­re Fi­lia­len weg­fal­len.

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT DIE SPARKASSEN IM RHEINLAND SCHRUMPFEN -

VON CAROLIN SKIBA DÜSSELDORF Das dich­te Fi­li­al­netz der Spar­kas­sen wird in den kom­men­den Jah­ren schrump­fen. Ne­ben der ak­tu­el­len und vor­aus­sicht­lich noch län­ger an­dau­ern­den Nied­rig­zins­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, die für ge­rin­ge Er­trä­ge sorgt, spielt vor al­lem die ra­sant fort­schrei­ten­de Di­gi­ta­li­sie­rung ei­ne gro­ße Rol­le: Na­he­zu al­les kann heu­te über ein Ta­blet, das Smart­pho­ne oder den Com­pu­ter ge­re­gelt wer­den.

Auch in NRW ha­ben die Spar­kas­sen be­reits da­mit be­gon­nen, Fi­lia­len zu schlie­ßen, zu ver­klei­nern oder in Ser­vice­punk­te um­zu­wan­deln. Al­lein durch Fu­sio­nen sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le frü­her selbst­stän­di­ge Spar­kas­sen ver­schwun­den. Ein paar Bei­spie­le: 2004 fu­sio­nier­ten die Spar­kas­sen in Mo­ers, Neu­kir­chen-Vluyn, Rheinberg und Xan­ten, ein Jahr spä­ter schlos­sen sich die Spar­kas­sen in Köln und Bonn zu­sam­men (nach­dem ein Bünd­nis Köln-Düsseldorf ge­schei­tert war), 2006 über­nahm die Spar­kas­se Neuss je­ne in Kaarst-Bütt­gen (nach­dem sie schon die In­sti­tu­te in Gre­ven­broich und Kor­schen­broich ge­schluckt hat­te), und 2007 wur­de die Spar­kas­se Gel­dern bei der Spar­kas­se Kre­feld an­ge­dockt, die sich in den Jah­ren da­vor schon Spar­kas­sen un­ter an­de­rem in Tö­nis­vorst, Vier­sen und Net­te­tal ein­ver­leibt hat­te. Le­dig­lich zwei Spar­kas­sen, Aa­chen und Mön­chen-

3 Fi­lia­len glad­bach, wol­len ihr Netz aus­bau­en. Nur drei Stand­or­te, Ha­an, Wuppertal und Strae­len, kön­nen aus­schlie­ßen, in den kom­men­den fünf Jah­ren Fi­lia­len zu schlie­ßen. In Strae­len liegt das dar­an, dass es ne­ben der Haupt­stel­le im Ort nur noch ei­ne wei­te­re Fi­lia­le in He­ron­gen gibt.

Al­le an­de­ren der 34 Spar­kas­sen im Rhein­land hal­ten sich die Mög­lich­keit of­fen, in den kom­men­den fünf Jah­ren ihr Fi­li­al­netz zu ver­klei­nern. Der Groß­teil der an­ge­frag­ten Spar­kas­sen be­tont aber, dass der­zeit kei­ne Schlie­ßung ge­plant sei. Dass ein Um­bruch statt­fin­det, ist aber schwer zu leug­nen. Der Ge­schäfts­füh­rer des Rhei­ni­schen Spar­kas­sen- und Gi­ro­ver­ban­des, Hel­mut Schif­fer, spricht kla­re Wor­te zur Fi­li­al­ent­wick­lung. „Die Spar­kas­sen im Rhein­land set­zen auf die Nä­he zu ih­ren Kun­den, aber die­se Nä­he muss si­cher­lich auf­grund des ge­än­der­ten Nut­zungs­ver­hal­tens teil­wei­se neu de­fi­niert wer­den. Na­he­zu die Häl­fe der Kun­den führt die Bank­ge­schäf­te vom hei­mi­schen Com­pu­ter aus oder un­ter­wegs per Ta­blet oder Smart­pho­ne.“Kun­den ge­hen nach Aus­sa­ge des Spar­kas­sen­ver­ban­des durch­schnitt­lich zwei­mal im Mo­nat zum Geld­au­to­ma­ten. Ein­mal im Jahr kom­men sie zu ei­nem aus­führ­li­chen Be­ra­tungs­ge­spräch in die Fi­lia­le. Die Spar­kas­sen-App wer­de aber von ih­ren Nut­zern im Durch­schnitt fast 200 Mal und das On­li­ne­Ban­king-Por­tal gut 100 Mal pro Jahr auf­ge­ru­fen.

Die Spar­kas­se Duis­burg hat be­reits re­agiert und ein neu­es Stra­te­gie- und Ver­triebs­kon­zept ent­wi­ckelt, das im Jahr 2017 be­gin­nen und bis zum Jahr 2022 um­ge­setzt wer­den soll. „Die Ver­triebs­ak­ti­vi­tä­ten müs­sen un­se­ren Kun­den­wün­schen fol­gen, und die Kos­ten des Ver­triebs­net­zes müs­sen dau­er­haft ver­dient wer­den“, heißt es. Das Ge­schäfts­stel­len­netz der Spar­kas­se Duis­burg ent­spre­che der­zeit in wei­ten Tei­len dem Netz der 80er Jah­re. Die in den Jah­ren 2017 bis 2022 aus­lau­fen­den Miet­ver­trä­ge bö­ten die Mög­lich­keit, die Stand­or­te, die teil­wei­se seit 40 Jah­ren un­ver­än­dert be­stün­den, zu über­den­ken

51 Fi­lia­len und den ver­än­der­ten Ge­wohn­hei­ten der Kun­den an­zu­pas­sen. Da­bei sei­en Stand­or­te mit ge­rin­ger Mit­ar­bei­ter­zahl nicht mehr sinn­voll, weil die Viel­falt und Kom­ple­xi­tät der Pro­duk­te den Ein­satz von Spe­zia­lis­ten er­for­de­re. Gro­ße Ge­schäfts­stel­len sol­len er­hal­ten blei­ben und si­cher­stel­len, dass auch wei­ter­hin ei­ne fach­ge­rech­te Be­ra­tung ge­bo­ten wer­den kann. Als wei­te­re Grün­de für ei­ne drin­gend not­wen­di­ge Um­struk­tu­rie­rung nennt die Spar­kas­se Duis­burg ei­nen im­mer wei­ter stei­gen­den re­gu­la­to­ri­schen Auf­wand, der ver­bun­den ist mit er­höh­ten Per­so­nal- und Pro­zess­kos­ten.

Auch die Spar­kas­se Köln-Bonn hat die Not­wen­dig­keit ei­ner Um­struk­tu­rie­rung er­kannt. Sie hat im ver­gan­ge­nen Jahr be­gon­nen, ei­nen Struk­tur­wan­del in ih­rem Pri­vat­kun­den­ge­schäft in die We­ge zu lei­ten. Sie tra­ge da­mit den ver­än­der­ten, viel­fäl­ti­ge­ren An­sprü­chen ih­rer Kun­den Rech­nung, meint Nor­bert Min­we­gen, Lei­ter des Zen­tral­be­reichs Un­ter­neh­mens­kom­mu­ni­ka­ti­on der Spar­kas­se Köln-Bonn. „Die Kun­den wün­schen die Wahl zwi­schen te­le­fo­ni­scher Be­ra­tung, ei­nem 24-St­un­den-Di­rekt­ser­vice, mo­bi­ler Be­ra­tung au­ßer­halb der Fi­lia­le und per­sön­li­cher Be­ra­tung dort, aber zu ver­län­ger­ten Öff­nungs­zei­ten so­wie um­fang­rei­chem On­li­ne-Ban­king und Mo­bi­le-Ban­king-An­wen­dun­gen.“

In Köln ist die Stadt­spar­kas­se im Jahr 2014 test­wei­se mit zwei neu­en Fi­li­al­di­rek­tio­nen ge­star­tet. Sie ste­hen dort auch an­de­ren Fi­lia­len per Vi­deo-Chat zur Ver­fü­gung oder kom­men zu den Kun­den oder in die Nach­barFi­lia­le. Die Fi­li­al­di­rek­tio­nen ha­ben län­ger ge­öff­net, Be­ra­tun­gen sind dort bis 20 Uhr mög­lich. Au­ßer­dem wur­de die te­le­fo­ni­sche Di­rekt­be­ra­tung aus­ge­dehnt. „Die Test­pha­se für die Neue­run­gen wur­de An­fang die­ses Jah­res er­folg­reich ab­ge­schlos­sen. 13 wei­te­re Fi­li­al­di­rek­tio­nen in Köln und Bonn wer­den ih­re Ar­beit auf­neh­men“, heißt es von der Spar­kas­se Köln-Bonn.

Ge­schäfts­füh­rer Schif­fer vom Spar­kas­sen- und Gi­ro­ver­band sagt: „Die Spar­kas­sen wer­den auch wei­ter­hin in

16 Fi­lia­len der Flä­che prä­sent blei­ben. Die Fi­lia­len wer­den aber spe­zia­li­sier­ter ar­bei­ten, sich durch ei­ne hö­he­re Kom­pe­tenz­ab­de­ckung aus­zeich­nen und zu Be­ra­tungs­cen­tern wei­ter­ent­wi­ckeln.“Gleich­zei­tig wer­de die In­ter­net-Fi­lia­le ak­tu­ell grund­le­gend über­ar­bei­tet und den stei­gen­den Kun­den­an­sprü­chen an­ge­passt. Schif­fer be­tont aber: „Die per­sön­li­che Kon­takt­auf­nah­me und Be­ra­tung bei kom­ple­xe­ren oder wich­ti­gen The­men muss je­der­zeit mög­lich sein – on­li­ne, aber wei­ter­hin auch in der Fi­lia­le.“Ge­ra­de die Spar­kas­sen könn­ten bei­des er­leb­bar ma­chen, wenn sie die Ver­zah­nung der di­gi­ta­len mit der rea­len Welt bei Pro­duk­ten und Pro­zes­sen ge­eig­net aus­bau­ten. Schif­fer: „Der An­spruch muss sein: Die Be­ra­tung der Spar­kas­se hat im­mer ein Ge­sicht, egal auf wel­chem Ka­nal.“

Klar ist, dass die Spar­kas­se ihr Fi­li­al­netz auf Dau­er ver­klei­nern muss, da die Kos­ten sonst nicht zu tra­gen sind und ein An­ge­bot be­steht, das nicht dem Nut­zungs­ver­hal­ten der Kun­den ent­spricht. Das, was bei der Spar­kas­se Köln-Bonn und in Duis­burg be­reits in Gang ge­bracht wur­de, wird vor­aus­sicht­lich noch wei­te­re Spar­kas­sen er­ei­len. Ob von den der­zeit 31.721 Mit­ar­bei­tern (Stand: De­zem­ber 2014) ei­ni­ge ih­re Jobs ver­lie­ren, ist frag­lich, da die Aus­gangs­si­tua­ti­on der Spar­kas­sen auf­grund ei­ner gu­ten Ei­gen­ka­pi­tal­aus­stat­tung kom­for­ta­bel ist. Die Um­struk­tu­rie­rung kann al­so lang­sam er­fol­gen, so dass der na­tür­li­che, al­ters­be­ding­te Stel­len­ab­bau um­struk­tu­rie­rungs­be­ding­ten Kün­di­gun­gen vor­beu­gen könn­te.

Stadt­spar­kas­se Bad Hon­nef

Stadt­spar­kas­se Heinsberg

Stadt­spar­kas­se Le­ver­ku­sen

Stadt­spar­kas­se So­lin­gen

16 Fi­lia­len

Fi­li­al-Schlie­ßun­gen mög­lich

2 Fi­lia­len

80 Mit­ar­bei­ter

kei­ne Fi­li­al-Schlie­ßun­gen

6 Fi­lia­len

130Mit­ar­bei­ter

607 Mit­ar­bei­ter

Stadt­spar­kas­se Strae­len

Stadt­spar­kas­se Wer­mels­kir­chen

Fi­li­al-Schlie­ßun­gen mög­lich

Stadt­spar­kas­se Wuppertal

34 Fi­lia­len

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.