Deut­scher Bank droht Mil­li­ar­den­stra­fe

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

Das Pro­blem liegt in Russ­land. Mit­ar­bei­ter aus der Mos­kau­er Han­dels­ab­tei­lung der Bank sol­len Kun­den bei der Geld­wä­sche ge­hol­fen und Ge­schäf­te mit Kun­den ge­macht ha­ben, ge­gen die EU-Sank­tio­nen ver­hängt wa­ren.

FRANK­FURT/M. Wenn es um Wirt­schafts­sank­tio­nen geht, ist mit den Be­hör­den in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten nicht zu spa­ßen. Das be­kommt ge­ra­de die Deut­sche Bank zu spü­ren, der es be­kannt­lich oh­ne­hin nicht an in­ter­na­tio­na­len Kon­flikt­fel­dern man­gelt. Ihr dro­hen wo­mög­lich neue Mil­li­ar­den­stra­fen in Ame­ri­ka, weil Mit­ar­bei­ter aus der Mos­kau­er Han­dels­ab­tei­lung der Bank nach An­ga­ben der „Fi­nan­ci­al Ti­mes“Geld un­ter an­de­rem für Ver­trau­te des rus­si­schen Prä­si­den­ten Wla­di­mir Pu­tin ge­wa­schen ha­ben sol­len. Und das wä­re ein Ver­stoß ge­gen Sank­tio­nen, die we­gen der Ukrai­ne-Kri­se ver­hängt wur­den.

Der Ver­dacht der Geld­wä­sche be­steht schon seit Ju­ni die­ses Jah­res. Da­mals war die Re­de von sechs Mil­li­ar­den Dol­lar (rund 5,4 Mil­li­ar­den Eu­ro) Schwarz­geld ge­we­sen, die über die Bank ge­wa­schen wor­den sei­en. Das an­geb­li­che Sys­tem da­hin­ter: Kun­den hät­ten im Frei­ver- kehr – al­so nicht über die Bör­se mit ih­ren stren­ge­ren Trans­pa­renz­re­geln – De­ri­va­te ge­kauft und Se­kun­den spä­ter über den Lon­do­ner Frei­ver­kehrs­markt wie­der ver­kauft. So sol­len aus Ru­bel bri­ti­sche Pfund oder Dol­lar ge­wor­den sein – für die rei­chen Rus­sen ei­ne idea­le Ge­le­gen­heit, ihr Geld au­ßer Lan­des zu schaf­fen.

Die Deut­sche Bank teil­te ges­tern mit, die Auf­klä­rung du­bio­ser Ge­schäf­te zwi­schen Mos­kau und London ste­he im Vor­der­grund. Sie ar­bei­te mit den Be­hör­den zu­sam­men, ha­be be­reits dis­zi­pli­na­ri­sche Maß­nah­men ge­trof­fen und wer­de das ge­ge­be­nen­falls wei­ter tun. Zu den dis­zi­pli­na­ri­schen Maß­nah­men ge­hört mit Si­cher­heit die Ent­las­sung meh­re­rer Händ­ler in Mos­kau, über die die Bank schon vor Mo­na­ten in­for­miert hat­te.

Die Hö­he ei­ner mög­li­chen Stra­fe speist sich ver­mut­lich auch dar­aus, dass US-Be­hör­den bei sol­chen An­ge­le­gen­hei­ten sel­ten zim­per­lich vor­ge­hen. Auch da­mit hat die Deut- sche Bank schon ih­re Er­fah­run­gen ge­sam­melt. Zu ei­ner Stra­fe von ins­ge­samt rund 2,5 Mil­li­ar­den Dol­lar (um­ge­rech­net 2,3 Mil­li­ar­den Eu­ro) wur­de die Bank im April ver­don­nert, und im Ge­gen­zug stell­ten ame­ri­ka­ni­sche (und bri­ti­sche) Fi­nanz­auf­se­her ih­re zi­vil­recht­li­chen Er­mitt­lun­gen ein.

Ei­ne von vie­len ju­ris­ti­schen Bau­stel­len, an de­nen die Deut­sche Bank ge­ra­de ar­bei­tet. Mit dem Ver­dacht auf ei­nen Ver­stoß ge­gen die Sank­tio­nen der USA in Sa­chen Russ­land tut sich für den neu­en Kon­zern­chef John Cryan ei­ne wei­te­re auf. Cryan will am Don­ners­tag die Zu­kunfts­stra­te­gie der Deut­schen Bank prä­sen­tie­ren – da­bei wer­den auch De­tails über ei­nen mög­li­chen Stel­len­ab­bau er­war­tet. Und wo­mög­lich auch Aus­sa­gen über die neue Kul­tur und die Sün­den der Ver­gan­gen­heit.

Die ha­ben dies­mal auch für Cryans Vor­gän­ger Ans­hu Jain und den noch am­tie­ren­den Co-Vor­stands­vor­sit­zen­den Jür­gen Fit­schen Be­deu­tung. Denn an­ders als bei­spiels- wei­se der Streit mit den Er­ben von Leo Kirch, der Skan­dal um ma­ni­pu­lier­te Zins­sät­ze oder der Ver­dacht auf Be­trug durch ein­zel­ne Mit­ar­bei­ter im Han­del mit Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten hat der Geld­wä­sche-Ver­dacht sei­nen Ur­sprung nicht in der Ära vor dem Amts­an­tritt von Jain und Fit­schen. Die ers­ten ge­gen Russ­land ver­häng­ten Sank­tio­nen stam­men aus dem Jahr 2014, und da war das frü­he­re Füh­rungs­duo der Bank schon zwei Jah­re im Amt.

Un­ab­hän­gig da­von, schafft das neue Mil­li­ar­den­ri­si­ko wo­mög­lich auch neue Ka­pi­tal­pro­ble­me bei Deutsch­lands größ­ter Bank. Der Fall sei „ein er­heb­li­ches, un­kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko“, hieß es ges­tern an der Bör­se. Schlimms­ten­falls müs­se die Bank des­halb er­neut zu ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung grei­fen. Sol­che Mut­ma­ßun­gen ver­un­si­chern Ak­tio­nä­re, da durch ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung ihr An­teils­be­sitz ver­wäs­sert wer­den könn­te. Sicht­ba­res Zei­chen ges­tern: Die Deut­sche-Bank-Ak­tie ver­lor knapp 1,4 Pro­zent.

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