NRW: Drei Mil­li­ar­den für Flücht­lin­ge

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON R. KOWALEWSKY UND G. MAYNTZ

Das Land schafft Vor­sor­ge für stei­gen­de Kos­ten 2016. Kom­mu­nal­po­li­ti­ker der Uni­on for­dern ei­ne Schlie­ßung der Gren­zen. In Ober­hau­sen wird erst­mals auch ei­ne Kir­che als Not­un­ter­kunft ge­nutzt.

BERLIN/DÜSSELDORF NRW stellt sich dar­auf ein, dass die Kos­ten für Flücht­lin­ge im kom­men­den Jahr von zwei auf drei Mil­li­ar­den Eu­ro stei­gen wer­den. Um ei­nen grö­ße­ren Spiel­raum zu ge­win­nen, ver­bucht das Land 635 Mil­lio­nen Eu­ro, mit de­nen ei­gent­lich erst 2016 ein Pen­si­ons­fonds für die Be­am­ten fi­nan­ziert wer­den soll­te, be­reits in die­sem Jahr. Als Aus­gleich wer­den im vier­ten Nach­trags­haus­halt 550 Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­se­hen, die aus Steu­er­mehr­ein­nah­men stam­men.

Wie NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) er­läu­ter­te, sind in NRW ein­schließ­lich ei­nes Bun­des­zu­schus­ses von 432 Mil­lio­nen Eu­ro ins­ge­samt zwei Mil­li­ar­den Eu­ro für die Be­treu­ung von Flücht­lin­gen nö­tig. 850 Mil­lio­nen ge­be das Land selbst aus, 1,15 Mil­li­ar­den wür­den an die Kom­mu­nen flie­ßen. Für nächs­tes Jahr rech­net der Mi- nis­ter mit drei Mil­li­ar­den. Das sei „kei­ne un­rea­lis­ti­sche Grö­ße“.

Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent und CSU-Chef Horst See­ho­fer ver­schärft der­weil die Kri­tik an der Po­li­tik von CDU-Che­fin An­ge­la Mer­kel so­wie von Ös­ter­reich. Das Nach­bar­land fah­re un­an­ge­kün­digt Tau­sen­de von Flücht­lin­gen an die grü­ne Gren­ze. Mer­kel müs­se dem drin­gend Ein­halt ge­bie­ten und die Po­li­tik der of­fe­nen Gren­zen be­en­den. See­ho­fer sah da­für nur noch ein sehr klei­nes Zeit­fens­ter bis zum nächs­ten Wo­che­n­en­de. Nach Al­ler­hei­li­gen wer­de Bay­ern be­ur­tei­len kön­nen, „ob Berlin be­reit ist, die baye­ri­sche For­de­rung nach ei­ner Steue­rung und Be­gren­zung der Zu­wan­de­rung zu über­neh­men“. An­sons­ten ge­he es um Maß­nah­men der „Not­wehr“.

Die Bun­des­kanz­le­rin wies das Ul­ti­ma­tum zu­rück: „Wir kön­nen den Schal­ter nicht mit ei­nem Mal um­dre­hen.“Mer­kel lud die Par­tei­chefs der Ko­ali­ti­on, ne­ben See­ho­fer auch Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD), für das Wo­che­n­en­de zu ei­ner Aus­spra­che über die Flücht­lings­po­li­tik ein.

Gleich­zei­tig wuchs der Druck der Par­tei­ba­sis der Uni­on auf Mer­kel. Die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker der Uni­ons­par­tei­en for­dern Me­dien­be­rich- ten zu­fol­ge ei­nen An­trag auf Schlie­ßung der Gren­zen. Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ver­ei­ni­gung (KPV) von CDU und CSU, Ing­bert Lie­bing (CDU), wol­le auf der KPV-Bun­des­ver­tre­ter­ver­samm­lung Mit­te No­vem­ber ei­nen Be­schluss für ei­ne ent­spre­chen­de Auf­for­de­rung an die Bun­des­re­gie­rung her­bei­füh­ren las­sen, hieß es. „Die Kom­mu­nen sind mit ih­ren Ka­pa­zi­tä­ten bald am En­de, die La­ge wird je­den Tag dra­ma­ti­scher“, wur­de Lie­bing zi­tiert. „Fes­te Un­ter­künf­te wer­den knapp, selbst bei Zel­ten gibt es Nach­schub­pro­ble­me. Es dür­fen sich nicht noch mehr Men­schen auf den Weg ma­chen.“

Un­ter­des­sen soll in Ober­hau­sen erst­mals auch ei­ne Kir­che für die Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen ge­nutzt wer­den. Die evan­ge­li­sche Ge­mein­de wird das Ge­bäu­de vor­über­ge­hend der Stadt über­ge­ben.

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