Hö­he­re Kri­mi­na­li­tät durch Flücht­lin­ge? Po­li­zei un­eins

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON LAU­RA SAND­GATHE

Beim Fuß­ball ge­be es mehr Schlä­ge­rei­en als in Asyl­hei­men, heißt es in Duis­burg. Braun­schweig mel­det mehr Ein­brü­che und Dieb­stäh­le.

DÜSSELDORF Dass die Zehn­tau­sen­de Flücht­lin­ge, die Tag für Tag bei uns an­kom­men, Deutsch­land un­si­che­rer ma­chen, ist ei­ne ver­brei­te­te Angst in der Be­völ­ke­rung. In NRW ist die Po­li­zei zu­rück­hal­tend, was die Ant­wort auf die­se Sor­ge an­geht: „Wir ha­ben nicht be­ob­ach­tet, dass die Kri­mi­na­li­täts­ra­te in Duis­burg seit der An­kunft der Flücht­lin­ge ge­stie­gen ist“, sagt ein Spre­cher der dor­ti­gen Po­li­zei. Al­ler­dings ge­be es noch kei­ne ak­tu­el­len Zah­len: „Da müss­te man noch et­wa drei Mo­na­te war­ten.“Zwar ge­be es im­mer wie­der Rei­be­rei­en in den Un­ter­künf­ten, hieß es wei­ter: „Aber es ist nicht so, dass wir das je­den Tag hät­ten. Da hau­en sie sich beim Fuß­ball­spiel öf­ter die Köp­fe ein.“

Die Düs­sel­dor­fer Po­li­zei un­ter­schei­det nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers nicht zwi­schen Tä­tern mit und oh­ne Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Wür­de man Kri­mi­na­li­tät bei Flücht­lin­gen ge­son­dert be­trach­ten, gren­ze das an Stig­ma­ti­sie­rung: „Da müss­te ja erst mal je­mand die The­se auf- stel­len, dass Flücht­lin­ge stär­ker oder an­ders kri­mi­nell sind.“Da­von ge­he man grund­sätz­lich nicht aus.

Ob Flücht­lin­ge häu­fi­ger kri­mi­nell sind als an­de­re Bür­ger, kön­ne die Po­li­zei sta­tis­tisch nicht fest­stel­len, sagt ein Spre­cher des NRW-In­nen­mi­nis­te­ri­ums. „Die Po­li­zei er­fasst den aus­län­der­recht­li­chen Sta­tus der Tä­ter nicht. Es wird le­dig­lich un­ter­schie­den zwi­schen Deut­schen und Nicht­deut­schen.“Zu­dem ge­be es Straf­ta­ten, die Bun­des­bür­ger gar nicht be­ge­hen könn­ten, et­wa Ver­stö­ße ge­gen das Auf­ent­halts­recht.

An­de­re Tö­ne sind aus Braun­schweig zu hö­ren. Die dor­ti­ge Po­li­zei hat­te im Au­gust ei­ne Son­der­kom­mis­si­on ein­ge­rich­tet, die sich mit Kri­mi­na­li­tät durch Flücht­lin­ge be­schäf­tigt. Die „So­ko Zerm“(„Zen­tra­le Er­mitt­lun­gen“) soll Kri­mi­na­li­tät im Um­feld von Flücht­lings­un­ter­künf­ten be­kämp­fen. „Wir müs­sen die Be­völ­ke­rung schüt­zen“, sag­te der Lei­ter der Kri­mi­nal­po­li­zei, Ulf Küch, bei der Ein­rich­tung. Zu­nächst hat­te die Kom­mis­si­on „Asyl“ge­hei­ßen. Nach Pro­tes­ten aus der Be­völ­ke­rung wur­de sie um­be­nannt.

Ges­tern zog die Braun­schwei­ger Po­li­zei ei­ne ers­te Bi­lanz: Seit Be­ginn des Jah­res ha­be man ei­nen „si­gni­fi­kan­ten An­stieg“von Straf­ta­ten wie La­den­dieb­stahl, Ta­schen­dieb­stahl und Ein­bruch­dieb­stahl fest­ge­stellt. Den Be­am­ten sei auf­ge­fal­len, dass es sich bei den Tä­tern häu­fig um Per­so­nen han­del­te, die als Asyl­be­wer­ber in der Braun­schwei­ger Erst­auf­nah­me­ein­rich­tung re­gis­triert wa­ren. Nach An­ga­ben der Po­li­zei ist nur ein „ge­rin­ger An­teil der Asyl­su­chen­den straf­fäl­lig“ge­wor­den – die­se aber wie­der­holt.

Ins­ge­samt sei die Zahl der Straf­ta­ten in Braun­schweig in den ers­ten drei Quar­ta­len des Jah­res im Ver­gleich zum Vor­jahr um rund 4,6 Pro­zent ge­sun­ken, sag­te die Lei­te­rin der Po­li­zei­in­spek­ti­on Braun­schweig, Cor­du­la Müller. Im Stadt­teil Kra­len­rie­de, in dem in ei­nem Heim zeit­wei­se so vie­le Flücht­lin­ge le­ben, wie der Stadt­teil Ein­woh­ner hat, ist die Zahl der Dieb­stäh­le und Ein­brü­che da­ge­gen ge­stie­gen. Ent­ge­gen dem Braun­schwei­ger Trend ver­drei­fach­te sich hier die Zahl der La­den­dieb­stäh­le von 48 auf 135.

QU­EL­LE: SONN­TAGS­FRA­GE EM­NID, 27.10.15: IN­SA | FO­TOS: IMAGO | GRAFIKGRAFIK: FERL, RADOWSKI

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