Ge­heim­nis­krä­me­rei um ei­ne So­fort­pen­si­on

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Er­in­nern Sie sich noch an die Em­pö­rung über den da­ma­li­gen Düs­sel­dor­fer Ober­bür­ger­meis­ter Dirk El­bers? Der CDUPo­li­ti­ker hat­te im Kom­mu­nal­wahl­kampf 2014 er­klärt, er wol­le im Ruhr­ge­biet „nicht mal tot überm Zaun hän­gen“. Das war ei­ne ziem­lich miss­lun­ge­ne For­mu­lie­rung, für die er zu Recht kri­ti­siert wur­de. Nicht min­der groß war die Auf­re­gung, als be­kannt wur­de, dass El­bers nach sei­ner Ab­wahl ei­ne So­fort­pen­si­on be­an­spruch­te.

Für ei­ne Min­dest­pen­si­on von 35 Pro­zent der letz­ten Be­zü­ge – bei El­bers wa­ren das rund 4200 Eu­ro brut­to im Mo­nat – muss man nach NRW-Recht in al­ler Re­gel ei­ne Di­enst­zeit von acht Jah­ren nach­wei­sen und min­des­tens 45 Jah­re alt sein. El­bers (55) war nur sechs Jah­re OB ge­we­sen. Er poch­te je­doch dar­auf, dass ihm sei­ne frü­he­re Tä­tig­keit in der Im­mo­bi­li­en­bran­che als OB zu­gu­te ge­kom­men sei. Des­halb müs­se sie bei der Fest­stel­lung sei­nes

Rein­hard Paß (SPD) war nur sechs Jah­re Ober­bür­ger­meis­ter von Es­sen. Rund 4200 Eu­ro pro Mo­nat So­fort­pen­si­on stün­den ihm ei­gent­lich erst nach acht Jah­ren zu. Ei­gent­lich.

Pen­si­ons­an­spruchs be­rück­sich­tigt wer­den. Der Rat der Stadt folg­te die­ser Ar­gu­men­ti­on und gab den Weg frei für El­bers’ So­fort­pen­si­on.

Was in Düsseldorf die Ge­mü­ter er­hitz­te, scheint in Es­sen merk­wür­di­ger­wei­se kein The­ma zu sein. Dort ist der So­zi­al­de­mo­krat Rein­hard Paß nicht als OB wie­der­ge­wählt wor­den, und auch er will ei­ne So­fort­pen­si­on, ob­wohl er wie El­bers nur sechs Jah­re im Amt war.

Wo­mit Rein­hard Paß sei­nen An­spruch auf 4200 Eu­ro be­grün­det, ist un­klar. Sind es sei­ne drei Jah­re (2006 bis 2009) als Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der bei der Fir­ma „Deut­sche Mon­tan-Tech­no­lo­gie“? Wir wis­sen es nicht, und die Es­se­ner Stadt­ver­wal­tung, die den Vor­gang ge­prüft ha­ben will, sagt nichts da­zu. Nur so viel er­fährt man auf An­fra­ge: „Wir sind ein­hel­lig der Auf­fas­sung, dass wir mit Blick auf die Per­sön­lich­keits­rech­te von Herrn Paß kei­ne Ein­zel­hei­ten der Prü­fung öf­fent­lich ma­chen kön­nen.“

Wie bit­te? Hier geht es um Tau­sen­de Eu­ro, die der Steu­er­zah­ler auf­zu­brin­gen hat. Er darf nicht er­fah­ren, wor­auf die Pen­si­ons­zah­lung fußt? Das darf doch wohl nicht wahr sein. In Düsseldorf wur­de al­les hin und her ge­wen­det, bis schließ­lich der Rat sei­ne Ent­schei­dung traf. Und in Es­sen re­gelt das die Ver­wal­tung im Al­lein­gang?

Sol­che Ge­heim­nis­krä­me­rei ist nicht ak­zep­ta­bel. Das The­ma muss im Rat der Stadt zur Spra­che kom­men. Und man darf ge­spannt sein, wie sich Es­sens neu­er Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Ku­fen (CDU) da­zu stellt. Er hat ja ge­sagt, er „bren­ne für die Stadt“. Jetzt kann er da­für sor­gen, dass in Sa­chen OB-Ge­halt nichts an­brennt. Im Üb­ri­gen wird es höchs­te Zeit, dass das Land die Pen­si­ons­zah­lun­gen an das kom­mu­na­le Spit­zen­per­so­nal ver­nünf­tig und nach­voll­zieh­bar neu re­gelt.

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