At­hen will Ra­batt we­gen Flücht­lin­gen

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON GERD HÖH­LER

Grie­chen­land bleibt Re­for­men schul­dig. Gläu­bi­ger hal­ten Hil­fen zu­rück.

AT­HEN Die für Ok­to­ber ge­plan­te Aus­zah­lung neu­er Hilfs­gel­der an Grie­chen­land ver­zö­gert sich. Die Geld­ge­ber hal­ten die Ra­te von zwei Mil­li­ar­den Eu­ro zu­rück, weil die Re­gie­rung um Al­exis Tsi­pras mit der Um­set­zung der ver­spro­che­nen Re­form- und Spar­maß­nah­men in Ver­zug ge­ra­ten ist. Das Geld soll nun im No­vem­ber aus­ge­zahlt wer­den – so­fern Tsi­pras bis da­hin lie­fert.

Die De­le­ga­ti­ons­chefs der Gläu­bi­ger – der EU-Kom­mis­si­on, der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds und des Eu­ro-Ret­tungs­fonds – ha­ben sich in der ver­gan­ge­nen Wo­che in At­hen in Ge­sprä­chen mit Fi­nanz­mi­nis­ter Eu­klid Tsaka­lo­tos ein Bild von den bis­he­ri­gen Re­for­men ge­macht. Die In­spek­teu­re stell­ten Fort­schrit­te, aber auch Ver­zö­ge­run­gen fest. Bis zum 15. Ok­to­ber soll­te Grie­chen­land 48 Schrit­te um­ge­setzt ha­ben, so sah es die im Au­gust mit den Gläu­bi­gern ge­schlos­se­ne Ver­ein­ba­rung vor. Da­von wur­den aber bis­her nur 16 ab­ge­hakt. Zu den un­er­le­dig­ten Auf­ga­ben ge­hö­ren die Öff­nung des Ener­gie­mark­tes, Maß­nah­men zur Be­kämp­fung von Steu­er­hin­ter­zie­hung und Schmug­gel, die Pri­va­ti­sie­rung grie­chi­scher Re­gio­nal­flug­hä­fen und die Kon­so­li­die­rung not­lei­den­der Bank­kre­di­te.

Be­son­ders der letz­te Punkt sorgt für Rei­be­rei­en. Die grie­chi­sche Re­gie­rung möch­te Fa­mi­li­en, die Kre­di­te für ih­re selbst ge­nutz­ten Erst­woh­nun­gen nicht mehr be­die­nen, vor Zwangs­ver­stei­ge­run­gen schüt­zen. Die Gläu­bi­ger for­dern da­ge­gen, sol­che Zwangs­ver­stei­ge­run­gen zu er­leich­tern. In Grie­chen­land wird fast je­der drit­te Hy­po­the­ken­kre­dit nicht mehr be­dient.

Tsi­pras sucht nun nach We­gen, den Geld­ge­bern ei­nen Re­form-Ra­batt ab­zu­han­deln. Bei sei­nem Tref­fen mit dem EU-Vi­ze Val­dis Dom­brovs­kis hat Tsi­pras vor­ge­schla­gen, we­gen der Flücht­lings­kri­se, die für Grie­chen­land be­son­de­re fi­nan­zi­el­le Be­las­tun­gen mit sich bringt, die Re­form­vor­ga­ben zu lo­ckern. Dom­brovs­kis ha­be dar­auf „äu­ßerst re­ser­viert“re­agiert, hieß es.

FOTO: DPA

Al­exis Tsi­pras will ei­ne Lo­cke­rung der Spar­vor­ga­ben durch­set­zen.

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