Der reichs­te Nerd der Welt

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

Mi­cro­soft-Grün­der Bill Ga­tes wird 60 Jah­re alt. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren mach­te er sich als Wohl­tä­ter ei­nen Na­men.

REDMOND (dpa) Er gilt als Mann der lei­sen Tö­ne, der öf­fent­li­che Auf­trit­te eher scheut. Auch heu­te hält sich Bill Ga­tes gern im Hin­ter­grund, soll­te er ein­mal ge­mein­sam mit sei­ner Frau Me­lin­da auf­tre­ten. Das ame­ri­ka­ni­sche Ma­ga­zin „For­bes“lis­tet Wil­li­am „Bill“Hen­ry Ga­tes III. ak­tu­ell als reichs­ten Mann der Welt. Zu ver­dan­ken hat Ga­tes das vor al­lem dem Er­folg von Mi­cro­soft. Heu­te wird der Soft­ware-Ar­chi­tekt und Phil­an­throp 60 Jah­re alt.

An­ders als der cha­ris­ma­tisch auf­tre­ten­de App­le-Grün­der Ste­ve Jobs galt Ga­tes stets eher als zu­rück­hal­ten­der Com­pu­ter-Nerd. Doch sei­ne gro­ße Vi­si­on hat er zu­min­dest in wei­ten Tei­len der Welt rea­li­siert: Ein PC steht heu­te in na­he­zu je­dem Haus­halt – vor 40 Jah­ren war die­se Vi­si­on noch ein sehr ehr­gei­zi­ges Ziel. Bei der mo­bi­len Re­vo­lu­ti­on muss­ten Ga­tes und sei­ne Mit­strei­ter je­doch dem Erz­ri­va­len App­le und dem iPho­ne hin­ter­her lau­fen, ob­wohl Ga­tes schon vor Ste­ve Jobs mo­bi­le Ta­schen­com­pu­ter und Smart­pho­nes mit Win­dows im Pro­gramm hat­te.

Bill Ga­tes wur­de 1955 in der Nä­he von Se­at­tle im Bun­des­staat Wa­shing­ton ge­bo­ren. Schon in der Schu­le lern­te er den et­was äl­te­ren Paul Al­len, den spä­te­ren Mit­be­grün­der von Mi­cro­soft, ken­nen und ver­brach­te mit ihm je­de freie Mi­nu­te mit Com­pu­tern, auf de­nen man sich da­mals noch Re­chen­leis­tung mie­ten konn­te. 1975 brach Ga­tes sein Stu­di­um ab, um sich mehr sei­ner klei­nen Fir­ma Mi­cro-Soft zu wid­men. Mit der Fir­men­grün­dung eb­ne­te Ga­tes maß­geb­lich den Weg in das di­gi­ta­le Zeit­al­ter.

Sei­ne Kar­rie­re be­gann Ga­tes mit ei­nem Groß­auf­trag von IBM. So soll­te er für de­ren PC ein Be­triebs­sys­tem lie­fern. Ga­tes nahm den Auf­trag an und kauf­te für rund 50.000 Dol­lar die Rech­te an dem Sys­tem QDOS (Quick and Dir­ty OS), ent­wi­ckel­te es wei­ter und be­nann­te es in MS-DOS (Mi­cro­soft Disc Ope­ra­ting Sys­tem) um. Da­mit be­gann das PCZeit­al­ter. Zum Welt­kon­zern stieg Mi­cro­soft mit dem Be­triebs­sys­tem Win­dows auf. Als An­füh­rer der Mi­cro­soft-Trup­pen im „Brow­serK­rieg“ge­gen Net­scape, stand Ga­tes auch im­mer wie­der in der Kri­tik. Letzt­lich setz­te er sich aber durch. Auf dem Hö­he­punkt sei­nes Er­folgs trat Ga­tes An­fang 2000 den Rück­zug an. Erst gab er die Po­si­ti­on als Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer an sei­nen lang­jäh­ri­gen Freund Ste­ve Ball­mer ab. Of­fi­zi­ell ver­ab­schie­de­te er sich im Sep­tem­ber 2007, im Ju­ni 2008 zog sich der da­mals 53-Jäh­ri­ge dann fast ganz aus dem Soft­ware-Kon­zern zu­rück. Seit­her nimmt er nur noch als Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der Ein­fluss.

Das Le­ben von Bill Ga­tes dreht sich in­zwi­schen nicht mehr vor­ran­gig um PCs und Soft­ware: Er wid­met sich fast aus­schließ­lich wohl­tä­ti­gen Zwe­cken. Ga­tes zählt zu den Men­schen mit der größ­ten Spen­den­be­reit­schaft der Welt. 1,3 Mil­li­ar­den Dol­lar gab er laut „For­bes“ge­mein­sam mit sei­ner Frau Me­lin­da im Jahr 2014 für ge­mein­nüt­zi­ge Zwe­cke ab. Der 60-Jäh­ri­ge lebt mit sei­ner Frau und drei Kin­dern in ei­nem An­we­sen in der Nä­he von Se­at­tle. Trotz des gro­ßen Reich­tums kön­nen die Kin­der je­doch nicht auf ein gro­ßes Er­be hof­fen. Der Groß­teil soll der Ge­sell­schaft zu­gu­te­kom­men.

FOTO: DPA

Die bei­den Mi­cro­soft-Grün­der Bill Ga­tes (rechts) und Paul Al­len, auf­ge­nom­men im Jahr 1981.

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