Mit der Li­zenz zu gren­zen­lo­ser Ac­tion

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON JO­CHEN WITTMANN

„Spect­re“heißt der neue 007-Thril­ler. Der 24. Ja­mes-Bond-Film kommt am 5. No­vem­ber in die deut­schen Ki­nos.

LONDON Man soll­te nicht zu spät kom­men. Weil noch vor dem Ti­tel­song und den Cre­dits be­ginnt „Spect­re“mit ei­ner bril­lan­ten Er­öff­nungs­sze­ne. In ei­ner mi­nu­ten­lan­gen, un­ge­schnit­te­nen Ka­me­ra­fahrt wird der Zu­schau­er Hals über Kopf in den Film hin­ein­ge­zo­gen. Me­xi­koS­tadt, Tag der To­ten: Ja­mes Bond, selbst un­ter ei­ner To­ten­kopf­mas­ke nicht zu ver­ken­nen, kämpft sich durch die Men­schen­men­ge, folgt ei­ner Schö­nen aufs Ho­tel­zim­mer, klet­tert aufs Dach und macht sich an die Ar­beit: Der Bö­se­wicht Mar­co Sciar­ra muss er­le­digt wer­den. Was folgt, ist ei­ner der spek­ta­ku­lärs­ten St­unts der neue­ren Film­ge­schich­te und klas­si­sche 007-Ac­tion, aber im

„Ich bin der Meis­ter all dei­ner Schmer­zen.“

Chris­toph Waltz kampf im Spei­se­wa­gen, bei der die ed­le Holz­ver­tä­fe­lung lei­det. Da ret­tet sich 007 aus der Fol­ter­kam­mer von Bl­ofeld mit Hil­fe ei­ner ex­plo­die­ren­den Uhr. Und schließ­lich wird auch noch das ehe­ma­li­ge Haupt­quar­tier des Aus­lands­ge­heim­diens­tes „MI6“an der Them­se in Schutt und Asche ge­legt – bom­bas­ti­scher geht es kaum.

So opu­lent und über­wäl­ti­gend der Film da­her­kommt, hät­te er doch auch lang­wie­rig ge­ra­ten kön­nen, denn der nerv­li­chen Über­rei­zung der Zu­schau­er sind Gren­zen ge­setzt. Men­des steu­ert ge­gen mit stil­len, gran­dio­sen Land­schafts­pan­ora­men: win­ter­li­che Al­pen­sze­ne­rie mit See, ma­rok­ka­ni­sche Wüs­te mit Me­teor­kra­ter, Rund­blick auf London bei Nacht. Da­zu kom­men psy­cho­lo­gisch dich­te Sze­nen, wenn zum Bei­spiel Bond den ster­ben­den Mr. Whi­te trifft und ihm ver­spricht, des­sen Toch­ter zu ret­ten. Auch an Witz fehlt es nicht. Wenn 007 den Quar­tier­meis­ter Q (Ben Wis­haw) über­re­den will, et­was zu tun, was nicht ganz mit den Di­enst­vor­schrif­ten zu ver­ein­ba­ren ist, wehrt der ent­setzt ab: „Ich ha­be ein Haus ab­zu­be­zah­len und bin für zwei Kat­zen ver­ant­wort­lich.“So ganz der coo­le Agen­tenTyp.

Oder als Bond über­rascht ist und ein we­nig pi­kiert tut, als Miss Mo­ney­pen­ny ei­nen Boy­fri­end im Bett hat, sagt sie ihm tro­cken: „Das nennt man Le­ben.“Auch hat man dies­mal wie­der ei­nen ve­ri­ta­blen An­t­ago­nis­ten ge­fun­den. Der zwei­fa­che Os­car-Prei­trä­ger Chris­toph Waltz spielt den Erz­ha­lun­ken Franz Ober­hau­ser, der sich als der­je­ni­ge Ge­gen­spie­ler ent­puppt, den Bond schon im­mer zu be­kämp­fen hat­te: „Ich bin der Meis­ter all dei­ner Schmer­zen.“ nien, Ka­na­da, Aus­tra­li­en und Neu­see­land. Der Film be­zieht hier ein­deu­tig Po­si­ti­on ge­gen den Über­wa­chungs­wahn Or­well­scher Her­kunft.

Und schließ­lich hat man die Haupt­fi­gur Bond in­ter­es­san­ter ge­macht. Nach­dem schon „Sky­fall“ein we­nig über Bonds Her­kunft ver­riet, geht „Spect­re“ei­ni­ge Schrit­te wei­ter und ent­hüllt, wie er auf­wuchs und in welch bio­gra­fi­scher Ver­schrän­kung er mit Bl­ofeld ver­bun­den ist. Craig macht Bond da­mit zu ei­ner viel­schich­ti­ge­ren Fi­gur als ei­nem blo­ßen Ac­tion­hel­den. Ob er auch in der nächs­ten Fol­ge den Agen­ten spie­len wird? Craig hat sich in In­ter­views da­zu viel­deu­tig ge­äu­ßert. Ei­ne mög­li­che Ant­wort gibt der Film selbst. Zum Schluss wirft 007 sei­ne Schuss­waf­fe weg und ver­ab­schie­det sich mit dem Bond-Girl, die klar­ge­macht hat­te, dass sie ihn nur oh­ne sei­nen Job will. Ein Omen?

FOTO: SO­NY PIC­TU­RES

Ja­mes Bond (Da­ni­el Craig) ein­mal mehr vor den Scher­ben sei­ner ab­wechs­lungs­rei­chen Agen­ten-Tä­tig­keit.

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