„Lu­ther ist als zwie­späl­ti­ge Fi­gur dis­kus­si­ons­wür­dig“

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON SASKIA NOTHOFER

IN­TER­VIEW DIE­TER FALK

Das neue Pop-Ora­to­ri­um von Die­ter Falk über den Re­for­ma­tor fei­ert jetzt Urauf­füh­rung. Mar­got Käß­mann ist die Pa­tin des Pro­jekts.

DÜSSELDORF Zwölf Mu­si­cal-Darstel­ler, ein 40-köp­fi­ges Sym­pho­nie-Orches­ter, ei­ne Band mit sechs Mu­si­kern und ein 3000 Sän­ger star­ker Chor sind für das Pop-Ora­to­ri­um „Lu­ther“zu­sam­men­ge­kom­men. Ge­schrie­ben wur­de das Stück von dem Düs­sel­dor­fer Pro­du­zen­ten und Mu­sik­pro­fes­sor Die­ter Falk so­wie dem Li­bret­tis­ten Micha­el Kun­ze. Im In­ter­view er­zählt Falk, wie ak­tu­ell das The­ma Lu­ther für ihn noch im­mer ist. Rund 3000 Men­schen wer­den am Sams­tag auf der Büh­ne ste­hen und sin­gen. War es nicht an­stren­gend, mit so vie­len Leu­ten zu pro­ben? DIE­TER FALK Was heißt an­stren­gend. Wenn es den an­de­ren Spaß macht, macht es mir auch Spaß, und die An­stren­gung fällt von ei­nem ab. Und un­se­re Sän­ger hat­ten al­le gro­ße Freu­de dar­an, die 20 Songs zu er­ar­bei­ten. Sie ha­ben viel En­ga­ge­ment ge­zeigt, ha­ben ein Drei­vier­tel­jahr ge­probt. Und wir ha­ben es ge­schafft, drei Ge­ne­ra­tio­nen aus ganz Nord­rhein-West­fa­len un­ter ei­nen Hut zu be­kom­men. Von wel­cher Al­ters­span­ne spre­chen wir da? FALK Un­se­re jüngs­te Stim­me ist neun Jah­re alt. Und un­se­re äl­tes­ten Sän­ger sind zwei 83-jäh­ri­ge Da­men. Ei­ne gu­te Mi­schung? FALK Ab­so­lut. Vor al­lem weil wir bei die­ser Pro­duk­ti­on – an­ders als noch bei „10 Ge­bo­te“– zum Glück auch vie­le Stu­den­ten be­zie­hungs­wei­se Men­schen in ih­ren Zwan­zi­gern da­bei ha­ben. Sin­gen wird in die­sem Al­ter oft als un­se­xy be­trach­tet – doch bei „Lu­ther“scheint das kein Pro­blem zu sein. Was darf der Zu­schau­er von dem Stück er­war­ten? FALK Es wird ei­ne rie­si­ge Show mit Pop, Gos­pel und Jazz. Es han­delt sich um gro­ßes Mu­sik­ki­no, nicht um ein ver­staub­tes Ko­s­tüm­spek­ta­kel. „Lu­ther“ist mo­dern in­sze­niert – man kann es mit ei­nem mo­der­nen, kon­zer­tan­ten Broad­way-Stück ver­glei­chen. Aber ist das The­ma da­für nicht zu ernst? FALK Wir wol­len kei­ne Hel­den­ver­eh­rung, son­dern Lu­ther als ei­nen Men­schen mit Ecken und Kan­ten zei­gen. Das hat erns­te, nach­denk­li­che, aber auch lus­ti­ge Mo­men­te, wenn wir zum Bei­spiel die Fug­gerBan­ker be­han­deln.

Was ist in­halt­lich zu er­war­ten? FALK Im Mit­tel­punkt der Hand­lung steht der Reichs­tag von Worms. Dort wur­de Mar­tin Lu­ther auf­ge­for­dert, sei­ne kir­chen­kri­ti­schen Aus­sa­gen zu wi­der­ru­fen. Es geht um sei­nen Kampf ge­gen Ob­rig­keit und Kir­che. Wür­de ich dem In­halt ei­ne Über­schrift ge­ben, lau­te­te sie: Sel­ber den­ken. Und die­se Auf­for­de­rung ist na­tür­lich auf heu­te über­trag­bar. Wie bei­spiels­wei­se auch die da­ma­li­ge Auf­for­de­rung von Papst und Kai­ser: ,Die Deut­schen sol­len zah­len.’ War es ein Auf­trags­werk? FALK Ja, die Stif­tung Crea­ti­ve Kir­che hat das Pro­jekt an­ge­sto­ßen. Un­ter­stützt wur­de es zu­dem von der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land und der Bun­des­re­gie­rung. Ha­ben Sie denn, be­vor es an die Pro­duk­ti­on des Stü­ckes ging, mit ei­nem Theo­lo­gen Rück­spra­che ge­nom­men? FALK Ja na­tür­lich, ich ken­ne Mar­got Käß­mann sehr gut und ha­be sie ge­mein­sam mit Micha­el Kun­ze mehr­fach ge­trof­fen. Sie ist auch die Pa­tin des Pro­jekts, hat uns aber al­le künst­le­ri­sche Frei­heit ge­las­sen. Ich ha­be ge­ne­rell viel mit in­ter­es­sier­ten Leu­ten über das Pro­jekt ge­spro­chen, denn Lu­ther ist als zwie­späl­ti­ge Fi­gur dis­kus­si­ons­wür­dig. Sie ha­ben „Lu­ther“als ih­re auf­wen­digs­te Mu­sik­pro­duk­ti­on der ver­gan­ge­nen 20 Jah­re be­zeich­net. Was be­deu­tet das Stück da­durch für Sie? FALK Nach 18 Mo­na­ten Ar­beit an „Lu­ther“liegt es jetzt nicht mehr in mei­ner Hand: Das Pu­bli­kum ent­schei­det, wie es an­kommt. Toll ist, dass sich jetzt schon sehr vie­le Sän­ger für die Tour­nee 2017 an­mel­den. Un­ter an­de­rem auch im Düs­sel­dor­fer ISS-Do­me. Es dürf­te auch an­ge­sichts des be­vor­ste­hen­den Ju­bi­lä­ums voll wer­den ... FALK Ja, das ist Wahn­sinn. Oh­ne viel Wer­bung sind die bei­den Sams­ta­gShows mit 16.000 Be­su­chern fast aus­ver­kauft. Für den Nach­mit­tag gibt es noch 500 Kar­ten. In­fo Die Vor­stel­lun­gen fin­den am Sams­tag, 31. Ok­to­ber, 14 und 19 Uhr, in der West­fa­len­hal­le in Dortmund statt. In­for­ma­tio­nen zum Ti­cket­kauf auf www.lu­ther-ora­to­ri­um.de oder un­ter Te­le­fon 0201 8046060. Ti­ckets kos­ten ab 21,90 Eu­ro. Ab 2017 geht das Stück auf Tour durch Deutsch­land.

FOTO: MARION KAELL

Der Düsseldorf Kom­po­nist und Pro­du­zent Die­ter Falk.

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