Grup­pen­tän­zer sind glück­li­che­re Men­schen

Rheinische Post Goch - - WISSEN -

We­ni­ger Schmer­zen und stär­ke­re Bin­dun­gen: Wer im En­sem­ble tanzt, pro­du­ziert mehr En­dor­phi­ne.

OX­FORD (dpa) Syn­chro­ne Be­we­gun­gen in der Grup­pe kön­nen bei Tän­zern die Schmerz­schwel­le er­hö­hen und so­zia­le Bin­dun­gen ver­stär­ken. Beim Grup­pen­tanz wer­den En­dor­phi­ne aus­ge­schüt­tet, die mehr mit der syn­chro­nen Be­we­gung als der kör­per­li­chen An­stren­gung zu­sam­men­hän­gen, so das Er­geb­nis ei­ner in den „Bio­lo­gy Let­ters“der bri­ti­schen Roy­al So­cie­ty ver­öf­fent­lich­ten Stu­die.

En­dor­phi­ne sind vom Kör­per pro­du­zier­te Opi­oi­de, die un­ter an­de­rem Emp­fin­dun­gen wie Schmerz und Hun­ger re­gu­lie­ren. Sie wer­den mit da­für ver­ant­wort­lich ge­macht, dass be­stimm­te kör­per­li­che An­stren­gun­gen und Schmerz­er­fah­run­gen ein Glücks­emp­fin­den her­vor­ru­fen.

Grup­pen­tanz kommt in al­len mensch­li­chen Kul­tu­ren vor. For­scher neh­men an, dass die­se Form der ko­ope­ra­ti­ven Be­we­gung wich­tig für die evo­lu­tio­nä­re Ent­wick­lung von so­zia­len Bin­dun­gen, Zu­sam­men­ar­beit und so­zia­lem Ver­hal­ten zwi­schen den Mit­glie­dern ei­ner Grup­pe war. Charles Dar­win, Va­ter der Evo­lu­ti­ons­theo­rie, mut­maß­te gar, dass der Tanz – eben­so wie der Ge­sang – zu den mensch­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen ge­hö­ren könn­te, die ei­ne ent­schei­den­de Funk­ti­on für die wech­sel­sei­ti­ge Part­ner­wahl und da- mit schluss­end­lich für die Wei­ter­ga­be der ei­ge­nen Ge­ne er­füll­ten.

Frü­he­re Stu­di­en hat­ten ge­zeigt, dass wohl Neu­ro­hor­mo­ne ei­ne Rol­le spie­len, wenn syn­chron aus­ge­führ­te Be­we­gun­gen men­sch­li­che Bin­dun­gen ver­stär­ken. Nicht un­ter­sucht wur­de bis­lang, ob ein er­höh­tes En­dor­phin-Le­vel eben­falls ei­ne Rol­le spielt.

Die Wis­sen­schaft­ler um Bron­wyn Tarr von der Uni­ver­si­tät Ox­ford un­ter­such­ten nun die Wir­kung syn- chro­ner, ab­ge­stuft an­stren­gen­der Tanz­be­we­gun­gen. Sie ver­teil­ten 264 bra­si­lia­ni­sche Schü­ler in Drei­er­grup­pen auf vier un­ter­schied­li­che Ka­te­go­ri­en: In der ers­ten Grup­pe wur­de syn­chron un­ter gro­ßer An­stren­gung ge­tanzt, in der zwei­ten syn­chron im Sit­zen, in der drit­ten asyn­chron un­ter vol­lem Kör­per­ein­satz und in der letz­ten Ka­te­go­rie asyn­chron im Sit­zen.

Mit ei­ner im­mer mehr auf­ge­pump­ten Blut­druckm­an­schet­te er- fass­ten die For­scher an­schlie­ßend das per­sön­li­che Schmerz­emp­fin­den der Pro­ban­den. Er­fragt wur­de zu­dem die Nä­he, die die Schü­ler zu den an­de­ren in ih­rer Grup­pe so­wie zu nicht teil­neh­men­den Mit­schü­lern emp­fan­den.

Das Er­geb­nis: So­wohl nach gro­ßer An­stren­gung als auch syn­chro­nem Tan­zen war die Schmerz­emp­find­lich­keit deut­lich ver­min­dert, wo­bei bei­de Fak­to­ren un­ab­hän­gig von­ein­an­der wirk­ten. Die hö­he­re Schmerz­schwel­le lässt aus Sicht der For­scher auf ein er­höh­tes En­dor­phin-Le­vel schlie­ßen: Sie ge­hen da­von aus, dass das en­do­ge­ne Opi­a­t­sys­tem (EOS), das kör­per­ei­ge­ne Be­loh­nungs­sys­tem, durch syn­chro­ne Be­we­gun­gen ak­ti­viert wird.

Die Aus­schüt­tung von Neu­ro­hor­mo­nen be­wir­ke ein so­zia­les „High“, das ei­ne po­si­ti­ve Ein­stel­lung ge­gen­über den Men­schen in der ei­ge­nen Um­ge­bung zur Fol­ge ha­be. Ent­spre­chend mach­te syn­chro­ner Grup­pen­tanz die Be­tei­lig­ten so­zia­ler und das bei gro­ßer An­stren­gung ins­be­son­de­re in Be­zug auf die Pro­ban­den der glei­chen Grup­pe. In ei­ner zur Stu­die ver­öf­fent­lich­ten Mit­tei­lung er­klä­ren die Au­to­ren, dass die Schmerz­emp­find­lich­keit be­reits bei ge­rin­ger kör­per­li­cher An­stren­gung sank, wenn gleich­zei­tig syn­chron ge­tanzt wur­de.

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