Flachs­markt pro­fi­tiert von Traum-Wet­ter

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON AN­JA SETT­NIK

Rich­tig voll war die Go­cher In­nen­stadt ges­tern beim ers­ten Flachs­markt 2015. Präch­ti­ger Son­nen­schein mach­te den Bum­mel durchs Frei­luft-Kauf­haus zu ei­nem be­son­ders schö­nen Er­leb­nis.

GOCH Ge­mü­se­ho­bel war ges­tern – in der heu­ti­gen mo­der­nen Kü­che ist der „Ni­cer Di­cer“im Ein­satz. Der ho­belt, hackt und ras­pelt al­les, was im Gar­ten wächst und in die Fin­ger der Haus­frau ge­rät. Nur 30 Eu­ro kos­tet das gu­te Stück Plas­tik mit Edel­stahl, im Klein­for­mat so­gar nur 15 Eu­ro. Nicht ge­nug Ba­res da­bei – kein Pro­blem. Der Händ­ler ak­zep­tiert auch Kar­ten­zah­lung. Zum ers­ten Flachs­markt in die­sem Jahr wa­ren tau­sen­de Be­su­cher in der Go­cher In­nen­stadt un­ter­wegs und er­freu­ten sich nicht nur am ori­gi­nel­len An­ge­bot, son­dern eben­so sehr am präch­ti­gen Herbst­wet­ter, das den Bum­mel erst so rich­tig schön mach­te.

Zeit muss­te al­ler­dings mit­brin­gen, wer et­was von dem Rund­gang ha­ben woll­te, denn es herrsch­te er­heb­li­che En­ge. Wie im­mer park­ten die Gäs­te aus den Nach­bar­or­ten und so­gar aus wei­ter ge­le­ge­nen Städ­ten recht weit drau­ßen in den Wohn­ge­bie­ten und mar­schier­ten dann vom frü­hen Mor­gen an stern­för­mig auf das gro­ße Frei­luft­kauf­haus zu. Kaum je­mand dürf­te mit lee­ren Ta­schen zu­rück­ge­kehrt sein, denn ir­gend et­was aus dem reich­hal­ti­gen Flachs­markt-Sam­mel­su­ri­um kann je­der ge­brau­chen. Wenn nicht Putz­mit­tel, dann vi­el­leicht ab­wasch­ba­re Tisch­de­cken, wenn nicht war­me So­cken, dann doch be­stimmt ei­nen neu­en Le­der­gür­tel. Die Be­schi­cker – vie­le im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ech­te Markt­schrei­er – sor­gen schon da­für, dass Nach­fra­ge ent­steht.

Der viel­be­lä­chel­te Flachs­markt­klas­si­ker: die haut­far­be­ne, manch­mal auch wei­ße, in je­dem Fall ge­räu­mi­ge Leib­wä­sche. „Mein Gott, was für Lie­bes­tö­ter“, raun­te ein Mann sei­ner Be­glei­te­rin er­schreckt zu. Die ge­schätzt 50-Jäh­ri­ge war aber of­fen­bar kei­ne po­ten­zi­el­le Kun­din, eben­so we­nig wie man­che deut­lich rei­fe­re Da­me, die sich aus der Dis­tanz ver­stoh­len die Ha­ken, Gum­mi­lit­zen und Syn­the­tik­stof­fe an­schau­te. „So et­was hat mei­ne Oma vor 40 Jah­ren vom Markt mit­ge­bracht“, stell­te ei­ne der Frau­en fest, die in­zwi­schen ver­mut­lich selbst Oma ist. Aber an Kund­schaft fehl­te es den­noch nicht: So wan­der­ten sie in die Tü­ten, die Bauch straf­fen­den und Brust he­ben­den Tex­ti­li­en. Und so man­cher Gat­te wird in sei­ner Wä­sche­schub­la­de nun eben­falls et­was War­mes für Dar­un­ter vor­fin­den. Auch Back­for­men und Über­koch­schutz­de­ckel ka­men sehr gut an, wäh­rend der Schuh­put­zer sich mäch­tig ins Zeug le­gen muss­te: „Wer hier nicht ste­hen bleibt, der läuft auch Run­den durch den Kreis­ver­kehr.“Bunt und mit bim­meln­den Glöck­chen aus­ge­stat­tet wie Mo­zarts Vo­gel­händ­ler ge­hört der Schuh­put­zer zum Flachs­markt un­be­dingt da­zu und gibt ihm ge­nau das Ko­lo­rit, das die Be­su­cher er­war­ten. Aber auch die Halb­li­ter­fla­sche Ja­pa­ni­sches Heil­kräu­t­e­r­öl („hält neun Jah­re“) und die Holz­löf­fel sind un­ver­zicht­bar.

Wie im­mer wur­de viel ge­lacht und ge­schmun­zelt auf dem ganz be­son­de­ren Go­cher Markt. Und or­dent­lich ein­ge­kauft.

Bei der zwei­ten Auf­la­ge in vier Wo­chen kom­men dann noch die ad­vent­li­chen und weih­nacht­li­chen Wa­ren da­zu. Und dann ist es ver­mut­lich auch nicht mehr 16 Grad warm.

Das Frei­luft-Kauf­haus sorg­te wie im­mer für vol­le Stra­ßen im Go­cher Zen­trum.

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