Ge­rüs­te und Zu­kunft auf­bau­en

Rheinische Post Goch - - LOKALE WIRTSCHAFT - VON WER­NER STAL­DER

Die zwei Asyl­be­wer­ber Ab­del Ca­ma­ra und Alp­hon­se Mo­ne­mou ab­sol­vie­ren für drei Mo­na­te ein Prak­ti­kum bei der Nüt­ter­de­ner Fir­ma Ge­rüst­bau El­bers. Fir­men­chef Theo El­bers wür­de die bei­den Män­ner ger­ne wei­ter­be­schäf­ti­gen.

KRANENBURG-NÜT­TER­DEN Sie sind ganz stolz in ih­ren ro­ten Mon­ta­ge­an­zü­gen der Fir­ma Ge­rüst­bau El­bers, die bei­den Flücht­lin­ge aus Gui­nea. Durch die Initia­ti­ve des Fir­men­mit­grün­ders Theo El­bers ha­ben sie für drei Mo­na­te ein hin­füh­ren­des Prak­ti­kum er­hal­ten, um in dem seit 1972 be­ste­hen­den Un­ter­neh­men zu ar­bei­ten. Ab­del Ca­ma­ra (18) kommt aus der Haupt­stadt Cona­kry des Staa­tes in West­afri­ka. Alp­hon­se Mo­ne­mou (22) ist in Nzé­ré-

„Deutsch ha­be ich auf der Stra­ße und bei Fir­ma

El­bers ge­lernt“

Alp­hon­se Mo­ne­mou

Flücht­ling aus Gui­nea

ko­re, im Süd­os­ten Gui­ne­as zu­hau­se. Wäh­rend Ab­del das Land als Mos­lem aus po­li­ti­schen Grün­den ver­las­sen muss­te, wa­ren es bei Alp­hon­se als Christ re­li­giö­se Grün­de, die ihn ver­an­lass­ten, aus sei­ner Hei­mat zu flie­hen. Er kam mit dem Boot bis Spa­ni­en, dann über Frank­reich bis Hamburg, von dort nach Dortmund und schließ­lich nach Kranenburg. Ins­ge­samt war er vier Wo­chen in Auf­fang­la­gern.

Ab­del flüch­te­te eben­falls von Gui­nea mit dem Boot nach Spa­ni­en und kam dann über Frank­reich, Aa­chen, Dortmund und Wi­cke­de nach Kranenburg. Er ist seit zehn Mo­na­ten in dem Grenz­städt­chen, wäh­rend sein Kol­le­ge be­reits seit drei Jah­ren und zehn Mo­na­ten in Deutsch­land ist und schon sehr gut Deutsch spricht. „Das ha­be ich auf der Stra­ße und bei Fir­ma El­bers ge­lernt“, lacht er. Ab- del Ca­ma­ra be­sucht den Deutsch­un­ter­richt mon­tags und frei­tags im Train­stop.

Bei­de sind mit der Be­schäf­ti­gung bei Ge­rüst­bau El­bers sehr zu­frie­den, wenn auch die Ar­beit schon um sechs Uhr mor­gens be­ginnt. „Mit den deut­schen Ar­beits­kol­le­gen spre­chen und la­chen wir zu­sam­men“, sagt Alp­hon­se. Ak­tu­ell bil­den 40 Mit­ar­bei­ter ein star­kes und fach­kom­pe­ten­tes Team. Bei­de Vä­ter der Flücht­lin­ge le­ben nicht mehr. Alp­hon­se, Leh­rer für Ma­the­ma­tik und Phy­sik, da­zu als Hob­by Mo­tor­rad­me­cha­ni­ker, hat zwei Brü­der und ei­ne Schwes­ter. Ab­del be­such­te in Gui­nea die Mit­tel­schu­le und ist lei­den­schaft­li­cher Fuß­bal­ler bei TuS Kranenburg. Al­le An­ge­hö­ri­gen le­ben noch in Gui­nea. Nach den drei Mo­na­ten möch­ten die bei­den ger­ne für ein Jahr wei­ter bei El­bers ar­bei­ten. Des­halb hat Theo El­bers beim Aus­län­der­amt ei­nen Ver­län­ge­rungs­an­trag ge­stellt, denn er möch­te den Flücht­lin­gen nach dem Prak­ti­kum ei­ne Aus­bil­dung zum Ge­rüst­bau­er er­mög­li­chen.

Der Asyl­an­trag von Alp­hon­se wur­de nach zwei Jah­ren ab­ge­lehnt. Er hat er­neut ei­nen An­trag ge­stellt. Bei Ab­del wur­de das Asyl­ver­fah­ren po­si­tiv ab­ge­schlos­sen. In der Tig­gel­stra­ße in Kranenburg woh­nen die jun­gen Män­ner zu je­weils vier Leu­ten in ei­nem Zim­mer. Trotz die­ser Um­stän­de ha­ben sie ei­ne po­si­ti­ve Mei­nung über die Ein­hei­mi­schen: „Wir ha­ben gu­te Kon­tak­te und vie­le Freun­de“, sind sie sich ei­nig. Theo El­bers hat­te mit dem Lei­ter des So­zi­al­am­tes der Ge­mein­de Kranenburg, Wil­li Fles­kes, Kon­takt auf­ge­nom­men und In­for­ma­tio­nen über die Be­schäf­ti­gung von Asyl­be­wer­bern er­fragt. An­lauf­stel­len sind die Aus­län­der­be­hör­de und das Ar­beits- amt. Die bei­den Flücht­lin­ge wer­den haupt­säch­lich mit La­ger­ar­bei­ten und leich­ter Mon­ta­ge­tä­tig­keit un­ter An­lei­tung ei­nes Vor­ar­bei­ters auf ver­schie­de­nen ak­tu­el­len Bau­stel­len be­schäf­tigt. „Ich ha­be die Hoff­nung, dass die Ver­län­ge­rung des Prak­ti­kums auf ein Jahr ge­währt wird und die bei­den da­nach in un­se­rem Be­trieb ei­ne Leh­re be­gin­nen kön­nen“, sagt der Un­ter­neh­mer, der zu­gleich Rats­mit­glied in Kranenburg ist. „Für die Asy­lan­ten wä­re es be­dau­er­lich, wenn be­hörd­li­che Hür­den ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung ver­hin­dern wür­den“.

RP-FOTO: KLAUS-DIE­TER STA­DE

Die Flücht­lin­ge Alp­hon­se Mo­ne­mou und Ab­del Ca­ma­ra bei Ge­rüst­bau El­bers in Nüt­ter­den mit Fir­men­chef Theo El­bers (v. l.).

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