Ärz­te sol­len Be­glei­tung Ster­ben­der ler­nen

Rheinische Post Goch - - PANORAMA -

Die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit tod­kran­ken Pa­ti­en­ten ist ei­ne im­men­se Be­las­tungs­pro­be für die Me­di­zi­ner.

DÜSSELDORF (dpa) Ei­nem schwer­kran­ken Pa­ti­en­ten die Dia­gno­se zu über­brin­gen, dass er nicht mehr lan­ge zu le­ben hat, ist ei­ne der schwers­ten Auf­ga­ben für Me­di­zi­ner. In ei­nem Pi­lot­pro­jekt am Nie­der­rhein sol­len Ärz­te, Pfle­gen­de und Pra­xis­kräf­te be­rufs­über­grei­fend in der Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ster­ben­den Men­schen ge­schult wer­den. Eben­so wich­tig wie die mo­der­ne Pal­lia­tiv­me­di­zin sei ei­ne „Kul­tur der mensch­li­chen Zu­wen­dung“, sag­te der Prä­si­dent der Ärz­te­kam­mer Nord­rhein, Ru­dolf Hen­ke.

Trotz des Aus­baus der Pal­lia­tiv­ver­sor­gung re­de­ten vie­le Ärz­te „im­mer noch nicht mit den Pa­ti­en­ten oder ein­fach zu kurz“, sag­te Pro­fes­sor Lu­kas Rad­bruch, Prä­si­dent der Deut­schen Ge­sell­schaft für Pal­lia­tiv­me­di­zin. „Da geht man sel­te­ner ins Zim­mer und nicht mehr al­lein, son­dern nur noch in Grüpp­chen, da­mit man nicht mehr mit den Men­schen di­rekt re­den muss.“Vie­le Me­di­zi­ner hiel­ten es auch nicht aus, wenn in ei­nem Ge­spräch „mal 30 Se­kun­den Pau­se sind“und lie­ßen Pa­ti­en­ten nicht ge­nug Zeit, um schwer­wie­gen­de Dia­gno­sen zu ver- ar­bei­ten. Die meis­ten re­de­ten in die Pau­se hin­ein. Da­bei müs­se man es aber „auch mal aus­hal­ten, wenn je­mand weint“.

An dem von der Ro­bert Bosch Stif­tung ge­för­der­ten Pro­jekt sind un­ter an­de­rem die Ärz­te­kam­mer Nord­rhein, die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung (KV), der Pfle­gerat NRW, der Ver­band me­di­zi­ni­scher Fach­be­ru­fe und Pal­lia­tiv­me­di­zi­ner be­tei­ligt. Es soll nach Ab­schluss auch auf an­de­re Re­gio­nen Deutsch­lands über­tra­gen wer­den kön­nen. 2014 wur­den in Nord­rhein nach KV-An­ga­ben mehr als 30.000 Pa­ti­en­ten pal­lia­tiv be­treut. Nur 15 bis 16 Pro­zent der Schwer­kran­ken ster­ben im Kran­ken­haus, die meis­ten im häus­li­chen Um­feld.

Das auf ein­ein­halb Jah­re an­ge­leg­te Fort­bil­dungs­pro­jekt soll nach An­ga­ben des In­sti­tuts für Qua­li­tät im Ge­sund­heits­we­sen Nord­rhein in der Re­gi­on Net­te­tal be­gin­nen und dann auf an­de­re Re­gio­nen aus­ge­wei­tet wer­den. Be­tei­ligt sind zu­nächst ein Kran­ken­haus, fünf Haus­arzt­pra­xen und de­ren An­ge­stell­te, ein am­bu­lan­ter Pfle­ge­dienst und ein Pfle­ge­heim.

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