Ban­ken müs­sen „Kon­ten für je­der­mann“ein­rich­ten

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

In­sti­tu­te ha­ben künf­tig we­ni­ger Mög­lich­kei­ten, Kun­den ein Kon­to zu ver­weh­ren. Auch der Kon­to­wech­sel wird ein­fa­cher.

BERLIN (mar) Die deut­schen Kre­dit­in­sti­tu­te müs­sen von Mit­te 2016 an je­dem, der sich recht­mä­ßig in der EU auf­hält, ein Ba­sis­kon­to ein­rich­ten. Das sieht ein Ge­setz­ent­wurf des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums vor, den das Ka­bi­nett ges­tern ge­bil­ligt hat. Mit dem Ge­setz wird es Ban­ken nur noch in sel­te­nen Aus­nah­me­fäl­len mög­lich sein, Men­schen ein Kon­to zu ver­weh­ren. Von der Neu­re­ge­lung dürf­ten vor al­lem auch Flücht­lin­ge und Asyl­be­wer­ber in Deutsch­land pro­fi­tie­ren.

Das neue „Kon­to für Je­der­mann“soll Asyl­be­wer­bern, Ob­dach­lo­sen, Stu­den­ten und an­de­ren Ba­sis­dienst­leis­tun­gen wie Über­wei­sun­gen, Ein- und Aus­zah­lun­gen, Last­schrif­ten und Kar­ten­zah­lung er­mög­li­chen. Da­mit wer­de der „so­zi­al­po­li­ti­schen Ro­si­nen­pi­cke­rei“der Bran­che ein En­de ge­setzt, hieß es in der Re­gie­rung. Au­ßer­dem müs­sen die In­sti­tu­te ih­re Kun­den künf­tig trans­pa­ren­ter über ih­re Ge­büh­ren in­for­mie­ren. Zu­dem soll für al­le Kun­den der Kon­to­wech­sel ein­fa- cher ge­macht wer­den. Er soll künf­tig in­ner­halb von nur zwölf Ge­schäfts­ta­gen ab­ge­wi­ckelt wer­den.

Die EU-Kom­mis­si­on schätzt, dass die Zahl der Men­schen oh­ne Zah­lungs- oder Gi­ro­kon­to in Deutsch­land im obe­ren sechs­stel­li­gen Be­reich liegt. In der Bun­des­re­gie­rung hieß es, mit dem enor­men Zustrom von Flücht­lin­gen könn­ten es auch über ei­ne Mil­li­on sein. An­spruch auf ein Ba­sis­kon­to sol­len ne­ben Woh­nungs­lo­sen al­le ha­ben, die un­ter den Schutz der Gen­fer Flücht­lings- kon­ven­ti­on fal­len. Dies gilt für Asyl­su­chen­de, aber auch für Ge­dul­de­te. Weil Flücht­lin­ge und Ob­dach­lo­se häu­fig Pro­ble­me mit der Vor­la­ge von Pass­do­ku­men­ten ha­ben, wer­den für sie die Stan­dards ge­senkt. Sie kön­nen auch an­de­re Do­ku­men­te vor­le­gen, et­wa der Asyl­be­hör­de. Die Bank hat zehn Ta­ge Zeit, das Kon­to ein­zu­rich­ten. Kommt sie die­ser Pflicht nicht nach, kann sie von der Ban­ken­auf­sicht Ba­fin da­zu ver­pflich­tet wer­den. Die Stan­dards ge­gen Geld­wä­sche blei­ben un­be­rührt. In der Re­gie­rung hieß es, es ge­be kei­ne Hin­wei­se auf er­höh­te Geld­wä­sche­pro­ble­me bei Flücht­lin­gen.

Gra­tis müs­sen Ban­ken das künf­ti­ge Ba­sis­kon­to nicht an­bie­ten, ih­re Ge­büh­ren da­für müs­sen sich aber im Rah­men des Üb­li­chen am Markt be­we­gen. Ei­ne schlech­te Bo­ni­tät ei­nes An­trag­stel­lers soll zur Ab­leh­nung des Kon­to­an­trags nicht mehr aus­rei­chen. Da­zu müs­sen ge­wich­ti­ge­re Grün­den vor­lie­gen wie ein be­reits vor­han­de­nes Ba­sis­kon­to oder ein vor­he­ri­ger Kon­to­be­trug.

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