Ur­teil stärkt Gas­ver­sor­ger

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON KA­TRIN HAAS, LUD­WIG KRAU­SE UND SI­NA ZEHRFELD

Ver­brau­cher dür­fen Preis­er­hö­hun­gen an­fech­ten, hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den. Aber nur, wenn Gr­und­ver­sor­ger die Auf­schlä­ge aus Pro­fit­grün­den er­he­ben.

KARLS­RU­HE/GEL­DERN Stei­gen­de Ener­gie­prei­se sind für Ver­brau­cher ein Är­ger­nis. Aber nicht in je­dem Fall muss sie der Kun­de hin­neh­men. Das hat der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in Karls­ru­he ent­schie­den. Wir be­ant­wor­ten die wich­tigs­ten Fra­gen. Wer hat sich ge­strit­ten? Zwei Pri­vat­leu­te mit den Stadt­wer­ken Hamm und Gel­dern. Die Kun­den hat­ten Preis­er­hö­hun­gen mo­niert, die die Un­ter­neh­men zwi­schen 2004 und 2008 im Rah­men ei­nes Gr­und­ver­sor­gungs­ver­trags vor­ge­nom­men hat­ten. Ein sol­cher Ver­trag kommt dann mit dem ört­li­chen An­bie­ter zu­stan­de, wenn die Kun­den nicht nach güns­ti­ge­ren Al­ter­na­ti­ven su­chen. Die Ver­brau­cher wei­ger­ten sich, die Preis­auf­schlä­ge zu zah­len, und die Ver­sor­ger zo­gen vor Ge­richt. Beim Ober­lan­des­ge­richt Düsseldorf be­ka­men die Un­ter­neh­men 2011 Recht, das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren ging an den Bun­des­ge­richts­hof, der den Fall zu­nächst an den Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof wei­ter­reich­te. Was hat der EuGH ent­schie­den? Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof ur­teil­te, dass Ver­brau­cher recht­zei­tig über An­lass, Vor­aus­set­zun­gen und Um­fang von Preis­än­de­run­gen in­for­miert sein müs­sen. Bis­her hat­te

Stadt­wer­ke Düsseldorf**

Stadt­wer­ke Ha­an**

Stadt­wer­ke Jü­lich

Ener­gie­ver­sor­gung Le­ver­ku­sen

Stadt­wer­ke So­lin­gen

Stadt­wer­ke Dins­la­ken

Stadt­wer­ke Rees**

Gas­ge­sell­schaft Kerken-Wachtendonk

Stadt­wer­ke Düsseldorf AG

wbm Wirtschaftsbetriebe Meer­busch

E.ON Ener­gie ***

GWG Gre­ven­broich

NEW Nie­der­rhein Ener­gie und Was­ser

NEW Tö­nis­vorst Gm­bH

NEW Vier­sen Gm­bH das deut­sche Recht nur ei­ne In­for­ma­ti­on des Ver­brau­chers fest­ge­legt – nicht aber, wor­über ge­nau der Kun­de in­for­miert wer­den muss. Schon zü­gig nach dem Ur­teil pass­te der deut­sche Ge­setz­ge­ber die Vor­schrif­ten an die An­for­de­run­gen des EuGH an. Der BGH muss­te jetzt das Lu­xem­bur­ger Ur­teil auf die kon­kre­ten Fäl­le an­wen­den.

(lokales An­ge­bot) Preis vor Än­de­rung

1589 €

1466 €

1551 €

1368 €

1496 €

1535 €

1437 €

1440 €

1409 €

1319 €

1409 €

1378 €

1276 €

1297 €

1271 €

1148 €

1255 €

956 €

956 €

956 €

956 € Preis nach Än­de­rung

1638 €

1516 €

1471 €

1416 €

1402 €

1402 €

1389 €

1356 €

1347 €

1339 €

1327 €

1319 €

1254 €

1227 €

1223 €

1222 €

1219 €

947 €

947 €

947 €

947 € Was hat der BGH ent­schie­den? Ta­rif­kun­den in Haus­hal­ten mit Gas­grund­ver­sor­gung ha­ben An­spruch auf Rück­zah­lung von er­höh­ten Gas­prei­sen, wenn sie nicht aus­rei­chend von ih­ren An­bie­tern in­for­miert wur­den. Die Ver­sor­ger durf­ten den Kun­den nur ei­ge­ne Kos­ten­er­hö­hun­gen be­rech­nen. Was sie aus Pro­fit­grün­den auf­ge­schla­gen ha­ben, müs­sen sie zu­rück­er­stat­ten. In dem kon­kre­ten Fall gab das Ge­richt aber den kla­gen­den Stadt­wer­ken Recht. Die Ver­sor­ger hät­ten vor Ge­richt be­wei­sen kön­nen, dass sie nur ih­re ei­ge­nen Kos­ten­stei­ge­run­gen wei­ter­ge­ge­ben hät­ten. Die Gel­der­ner Stadt­wer­ke se­hen sich dem­nach auch als Sie­ger auf gan­zer Li­nie. „Wir ha­ben den Rechts­streit auf al- „Der Ta­rif in der Gr­und­ver­sor­gung ist in der Re­gel der teu­ers­te“, sagt Flo­ri­an Krüger vom In­ter­net­ver­gleich­spor­tal Ve­ri­vox. Kun­den mit solch ei­nem Ver­trag soll­ten über ei­nen Wech­sel nach­den­ken. „Ent­we­der in ei­nen an­de­ren Ta­rif beim Gr­und­ver­sor­ger oder zu ei­nem kom­plett neu­en An­bie­ter.“Im­mer­hin ein Vier­tel der Ver­brau­cher ist Ta­rif­kun­de mit Gr­und­ver­sor­gungs­ver­trag. Da­bei kann sich Wech­seln loh­nen: Für ein Ein­fa­mi­li­en­haus mit 20.000 Ki­lo­watt­stun­den schlägt sich der Wech­sel in den güns­tigs­ten vor Ort mög­li­chen Ta­rif mit bis zu 600 Eu­ro im Jahr nie­der.

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