Erst 28!

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON JES­SI­CA BALLEER

Ab Ju­li 2016 ist Ju­li­an Na­gels­mann der jüngs­te Bun­des­li­ga­trai­ner al­ler Zei­ten.

ZU­ZEN­HAU­SEN/DÜSSELDORF Ei­gent­lich war die Fuß­ball-Kar­rie­re von Ju­li­an Na­gels­mann schon vor­bei, be­vor sie rich­tig an­fan­gen konn­te. Me­nis­kus­scha­den, zwei Knie­ope­ra­tio­nen, ei­ne dro­hen­de Ar­thro­se. Als 20-Jäh­ri­ger wird er auf dem Sprung zum Pro­fi von der schwe­ren Ver­let­zung ge­stoppt. Das da­ma­li­ge U-19Ta­lent des TSV 1860 München muss sei­ne Kar­rie­re als ak­ti­ver Spie­ler früh­zei­tig be­en­den. Doch Na­gels­mann steckt nicht auf. Un­ter Tho­mas Tu­chel (heu­te Bo­rus­sia Dortmund) be­ginnt er sei­ne Trai­ner­kar­rie­re beim FC Augs­burg. Es ist sein per­sön­li­cher Wen­de­punkt, der im Ju­li 2016 dar­in gip­felt, dass Na­gel­mann jüngs­ter Bun­des­li­ga-Trai­ner al­ler Zei­ten wird. Ob der im ober­baye­ri­schen Lands­berg am Lech ge­bo­re­ne Nach­wuchs­trai­ner die Pro­fis der TSG Hof­fen­heim in der ers­ten oder zwei­ten Bun­des­li­ga an­lei­ten wird, liegt aber nicht in sei­ner Hand.

Nach der Ent­las­sung von Trai­ner Mar­kus Gis­dol ist mit Huub Ste­vens ein al­ter Be­kann­ter des Bun­des­li­gaTrai­ner­ka­rus­sells zu­rück­ge­kehrt. Er soll die bis­her er­folg­lo­se Hof­fen­hei­mer Elf vor dem Ab­stieg ret­ten. In Gestalt des 61-Jäh­ri­gen „Knur­rers aus Kerk­ra­de“hat der Leh­rer sei­nen Schü­ler er­setzt, denn Gis­dol war wäh­rend Ste­vens’ Zeit beim FC Schal­ke 04 sein Co-Trai­ner. Doch die Amts­zeit von Ste­vens en­det mit die­ser Sai­son. Er ist ge­kom­men, um zu ge­hen.

Und gin­ge es nach sei­nem 28-jäh­ri­gen Nach­fol­ger, der sich selbst als „Per­fek­tio­nist“be­zeich­net, wä­re der Nicht-Ab­stieg ei­ne selbst­ver­ständ­li­che Pflicht. In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren hat Na­gels­mann be­wie­sen, wie gut er das Stre­ben nach Per­fek­ti­on be­herrscht: Sei­ne A-Li­zenz hat er mit der No­te 1,0 be­stan­den. Im ver­gan­ge­nen Jahr ge­wann Na­gels­mann mit den Ju­nio­ren der TSG die deut­sche Meis­ter­schaft und in die­sem Jahr be­stä­tig­te er den Er­folg, als er mit sei­nem Team er­neut das Fi­na­le er­reich­te. Der­zeit trai­niert Na­gels­mann die U-19 der Hof­fen­hei­mer und ab­sol­viert par­al­lel da­zu sei­ne Aus­bil­dung zum Fuß­ball­leh­rer. Dass er die­se recht­zei­tig vor der kom­men­den Spiel­zeit be­en­den wird, passt in die Plä­ne, die er und die TSG Hof­fen­heim ge­mein­sam ge­schmie­det ha­ben. Nicht nur die Er­fol­ge an der Sei­ten­li­nie zeich­nen ein Bild von Ju­li­an Na­gels­mann.

Als er ge­ra­de in die zwei­te Mann­schaft des FC Augs­burg ge­wech­selt war und das gro­ße Geld des Pro­fi­ge­schäf­tes wink­te, be­hielt er ei­nen küh­len Kopf. Er mach­te sein Fach­ab­itur und be­gann ein BWL-Stu­di­um. Nicht nur die TSG-Ver­eins­füh­rung weiß aus den jüngs­ten Er­fol­gen um das Ta­lent von Na­gels­mann. Auch Bay­ern München woll­te ihn zu­letzt als Trai­ner für die U17 ver­pflich­ten. Ex-Na­tio­nal­spie­ler Meh­met Scholl, des­sen Sohn in Hof­fen­heim kickt, lob­te den 28-jäh­ri­gen Ober­bay­ern in den höchs­ten Tö­nen.

Die TSG hat sich sei­ne Di­ens­te ge­si­chert. „Wir wol­len in der Nach­wuchs­ar­beit Maß­stä­be set­zen, das gilt auch für un­se­re Trai­ner“, sag­te TSG-Mä­zen Diet­mar Hopp. Na­gels­mann, der Va­ter ei­nes Soh­nes ist, hält sich bis­her zu­rück. Er freue sich auf die reiz­vol­le Auf­ga­be und be­dan­ke sich für das Ver­trau­en. Zwi­schen U-19 und Pro­fi­ge­schäft lie­gen zwar Wel­ten, doch er be­kommt die Chan­ce, sich zu be­wei­sen. Um den Drei­jah­res­ver­trag zu er­fül­len, müss­te es nur per­fekt lau­fen.

FOTO: IMAGO

Na­gels­mann hat ei­nen Ver­trag bis 2019 bei Hof­fen­heim.

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