Mög­li­cher Bom­ben­fund be­droht Flug­ver­kehr

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON INA SCHWERDTFEGER UND CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

Ab Sonn­tag­abend will der Kampf­mit­tel­räum­dienst ei­ne Wo­che lang auf dem Düs­sel­dor­fer Air­port Blind­gän­ger auf­spü­ren. Soll­ten Spreng­sät­ze ge­fun­den wer­den, wird der Flug­be­trieb für die Dau­er der Ent­schär­fung ein­ge­stellt.

DÜSSELDORF Die Bo­eing mit der Flug­num­mer X3 2115 von Gran Ca­na­ria kom­mend wird am spä­ten Sonn­tag­abend die letz­te Ma­schi­ne des Ta­ges sein, die am Düs­sel­dor­fer Flug­ha­fen lan­det. Die Ver­ant­wort­li­chen des Air­ports hof­fen, dass das Pas­sa­gier­flug­zeug pünkt­lich um 23 Uhr auf der Lan­de­bahn auf­setzt und nicht ver­spä­tet ein­trifft. Denn ge­nau ei­ne St­un­de vor Mit­ter­nacht, so se­hen es die Pla­nun­gen vor, soll der Kampf­mit­tel­räum­dienst am Roll­feld da­mit be­gin­nen, nach Blind­gän­gern aus dem Zwei­ten Welt­krieg zu su­chen. Ei­ne zeit­li­che Ver­schie­bung der Bom­ben­su­che nach hin­ten könn­te zu er­heb­li­chen Be­ein­träch­ti­gun­gen im Flug­ver­kehr füh­ren.

Auf dem Flug­feld des Air­port Düsseldorf wird ab kom­men­den Sonn­tag­abend in vier Näch­ten ( 1., 3., 5. und 9. No­vem­ber) je­weils ab 23 Uhr nach mög­li­chen Flie­ger­bom­ben ge­gra­ben, die man in vier Me­tern Tie­fe ver­mu­tet. Da­bei wird zu­nächst mit dem Bag­ger, spä­ter von Hand aus­ge­schach­tet. Da­für sind bis zu acht St­un­den ein­kal­ku­liert. „Bei der Un­ter­su­chung von Luft­bil­dern hat man fünf ver­däch­ti­ge Stel­len aus­fin­dig ge­macht, an de­nen Bom­ben lie­gen könn­ten“, er­klärt ein Spre­cher der Düs­sel­dor­fer Feu­er­wehr. Soll­ten ge­fähr­li­che Spreng­kör­per im Bo­den lie­gen, müs­sen Be­rei­che im und rund um den Flug­ha­fen für die Ent­schär­fung ge­sperrt wer­den. Auch der Flug­be­trieb muss dann ein­ge­stellt wer­den. Bis zu 1700 An-

Fünf-Zent­ner-Bom­be

Wird ei­ne sol­che Bom­be ge­fun­den, so blei­ben die Aus­wir­kun­gen ver­hält­nis­mä­ßig ge­ring: Die Fund­stel­le

wird dann im Ra­di­us von 500 Me­tern ab­ge­sperrt. Soll­te ein Blind­gän­ger am Düs­sel­dor­fer Air­port ge­fun­den wer­den, ruht der Flug­ver­kehr wäh­rend der Ent­schär­fung. woh­ner kön­nen be­trof­fen sein. Für sie wird es ei­ne An­lauf­stel­le in ei­nem na­he ge­le­ge­nen Gym­na­si­um ge­ben.

Vor­ge­se­hen ist für die Ent­schär­fung ein Zeit­fens­ter von ei­ner St­un­de – im­mer von 11 bis 12 Uhr. „Wir ha­ben uns be­wusst für die­se Uhr­zeit ent­schie­den, weil es die ver­kehrs­ärms­te Zeit ist“, er­klärt Flug­ha­fen­spre­cher Tho­mas Köt­ter. Die Aus­wir­kun­gen auf den Flug­be­trieb sei­en da­her ge­ring. Durch­schnitt­lich gibt es zu die­ser Ta­ges­zeit um die 20 Starts und Lan­dun­gen.

Zehn-Zent­ner-Bom­be Han­deltt es sich um ei­ne sol­che Bom­be,Bom­be müss­ten An­woh­ne­rer im 1000-Me­ter-Ra­di­us wäh­rend der

Ent­schär­fun­gär­fung in ih­ren HäuHäu­sern blei­ben.

Die Vor­be­rei­tun­gen für mög­li­che Bom­ben­ent­schär­fun­gen und die Eva­ku­ie­rung des Ge­län­des lau­fen seit Ta­gen auf Hoch­tou­ren. Heu­te wer­de man sich mit den be­trof­fe­nen Air­lines zu­sam­men­set­zen und wei­te­re Maß­nah­men be­spre­chen, sagt Köt­ter. „Es gibt un­ter­schied­li­che Sze­na­ri­en“, er­klärt er. Al­les hän­ge da­von ab, was ge­fun­den wird und um wel­chen Bom­ben­typ es sich han­delt. Wird bei ei­nem Blind­gän­ger et­wa ein Lang­zeit­zün­der ent­deckt, muss die Bom­be um­ge­hend ent­schärft wer­den. Han­delt es sich um ei­ne Zehn­z­ent­ner­bom­be, dann sind in ei­nem Ra­di­us von 1000 Me­tern An­woh­ner be­trof­fen. Ge­fähr­det wä­re dann auch ei­ne zen­tra­le Ver­kehrs­ach­se, die Dan­zi­ger Stra­ße (B 8), die am Flug­ha­fen in Rich­tung Duis­burg vor­bei­führt, so­wie die Stadt­bahn­li­nie U79, die zwi­schen Düsseldorf und Duis­burg ver­kehrt.

An­fra­gen von be­sorg­ten Flug­gäs­ten ge­be es nach An­ga­ben des Flug­ha­fens bis­lang we­ni­ge. Pas­sa­gie­re, die am Mon­tag bis mit­tags zum Flug­ha­fen an- oder ab­rei­sen, soll­ten sich zu­vor bei ih­rer Flug­ge­sell­schaft über mög­li­che Ver­zö­ge­run­gen oder Än­de­run­gen im Flug­be­trieb in­for­mie­ren, rät Köt­ter.

Im­mer wie­der müs­sen die Män­ner der Kampf­mit­tel­be­sei­ti­gung in Nord­rhein-West­fa­len aus­rü­cken, um Bom­ben aus dem Zwei­ten Welt­krieg zu ent­schär­fen. Die Re­gi­on um Düsseldorf ist ne­ben dem Ruhr­ge­biet und der Stadt Köln be­son­ders häu­fig von Fun­den be­trof­fen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den lan­des­weit 927 Bom­ben ent­deckt und un­schäd­lich ge­macht. Am Flug­ha­fen ist es je­doch seit zwölf Jah­ren das ers­te Mal, dass wie­der nach Blind­gän­gern ge­sucht wird. In der di­rek­ten Nach­bar­schaft des Air­ports wer­den je­doch im­mer wie­der Blind­gän­ger ge­fun­den, de­ren Ent­schär­fun­gen den Flug­be­trieb be­ein­flus­sen. Zu­letzt war im ver­gan­ge­nen De­zem­ber ei­ne Zehn-Zent­ner-Bom­be in Flug­ha­fen­nä­he ent­deckt wor­den. Die Au­to­bahn 44 war des­halb ge­sperrt, der Flug­ha­fen stell­te da­mals kurz­fris­tig den Be­trieb in den Abend­stun­den ein.

Dass die Bom­ben­su­cher nach 2003 nun wie­der an den Start- und Lan­de­bah­nen nach Spreng­kör­pern su­chen, hängt mit dem PFT-Skan­dal um ver­gif­te­tes Grund­was­ser zu­sam­men, das auf dem Flug­ha­fen­ge­län­de im Bo­den ver­si­cker­te. Das Erd­reich wur­de groß­flä­chig kon­ta­mi­niert. Die krebs­er­re­gen­de Che­mi­ka­lie steck­te in Schäu­men, mit der die Flug­ha­fen­feu­er­wehr jah­re­lang Brän­de lösch­te. Im Zu­ge der Sa­nie­rungs­ar­bei­ten wur­den nun Luft­bild­auf­nah­men aus­ge­wer­tet. Auf die­sen ent­deck­te man dann die mög­li­chen Blind­gän­ger.

FO­TOS: DPA, ANDRE­AS ENDERMANN | GRAFIK: WE­BER

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