Alp­traum oder Sar­tres Höl­le

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - JOA­CHIM HEY­DER

Dar­über soll­ten wir mal be­rich­ten? Sa­gen Sie es uns!

Ich hat­te ei­nen Alp­traum. Ich saß al­lein mit mei­nem schwie­ri­gen Chef vis-a-vis in ei­nem Raum, der so nied­rig war, dass man nicht auf­ste­hen konn­te. Wir muss­ten es dort fünf end­lo­se St­un­den mit­ein­an­der aus­hal­ten.

Ich schreck­te hoch, aber es ge­lang mir, wie­der ein­zu­schla­fen. Nur – der Traum kam wie­der. Jetzt wa­ren es un­ge­bär­di­ge, quen­geli­ge Kin­der, mit de­nen ich acht St­un­den lang ein­ge­pfercht war. Es war die Si­tua­ti­on, für die Sart­re den Satz ge­prägt hat­te: „Die Höl­le, das sind die an­de­ren.“

Am Mor­gen ging mir ein Licht auf: Ich hat­te am Tag vor­her ei­ne Wer­bung für au­to­no­me Au­tos stu­diert. Als lei­den­schaft­li­cher Au­to­fah­rer soll ich mit dem Rü­cken zum Ge­sche­hen in ei­nem Kä­fig sit­zen, hilf­los ge­stress­ten Mit­men­schen aus­ge­lie­fert. Das ist Sar­tres Höl­le!

Doch so schlimm wird es nicht. Mein Chef wird sich hin­ter sei­nem Lap­top ver­ste­cken, die Kin­der ha­ben ih­re Smart­pho­nes, und ich kann mir ja ein E-Book zu­le­gen…

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