Kle­ver Händ­ler wol­len Klein­geld ver­ban­nen

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON MAR­CEL ROMAHN

Die Kle­ver Ein­zel­händ­ler dis­ku­tie­ren dar­über, künf­tig im Ge­schäft auf Ein- und Zwei-Cent Mün­zen zu ver­zich­ten. Grund da­für sind zu­sätz­li­che Kos­ten, die von den Ban­ken bei Ein­zah­lung und Aus­ga­be des Klein­gel­des er­ho­ben wer­den.

KLE­VE Vol­le Kas­sen sind im Ein­zel­han­del ein Se­gen, je­doch nicht, wenn es sich da­bei um Klein­geld han­delt. Im Ge­gen­teil: Ins­be­son­de­re die Ein- und Zwei Cent-Mün­zen stel­len für vie­le Händ­ler ei­nen er­heb­li­chen Kos­ten­fak­tor dar. Mün­zen, die bei den Ban­ken ab­ge­holt oder ein­ge­zahlt wer­den, schla­gen teu­er zu Bu­che. Des­halb er­wä­gen ei­ni­ge Kle­ver Händ­ler jetzt, das nie­der­län­di­sche Zah­lungs­mo­dell zu

Frank Ro­sar über­neh­men. Heißt: Cent-Be­trä­ge auf- oder ab­run­den. Soll­te sich der Ein­zel­han­del ge­schlos­sen da­für aus­spre­chen, wä­re Kle­ve bun­des­weit die ers­te Stadt, die auf das Klein­geld ver­zich­tet.

Ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung gä­be es al­ler­dings nicht. „Bis­lang ist es nur ein Vor­schlag“, sagt Ute-Schul­zeHei­ming vom Kle­ver Stadt­mar­ke­ting. Die Händ­ler wür­den die Be­trä­ge ent­we­der zu­guns­ten des Kun­den ab­run­den oder sich auf ei­nen auf­ge­run­de­ten Preis ver­stän­di­gen – aus Sicht von Schul­ze-Hei­ming ei­ne prak­ti­ka­ble Lö­sung. Denn: „Der Wert der Mün­zen steht in kei­nem Ver­hält­nis zu dem Auf­wand, den sie ver­ur­sa­chen.“

Bei Metz­ger Lothar Quar­tier, der im Kle­ver­land meh­re­re Fi­lia­len be­treibt, fin­det die Idee Zu­stim­mung. „Die Bei­trä­ge zu run­den, hät­te vie­le Vor­tei­le“, sagt er. „Das Porte­mon­naie des Kun­den wä­re leich­ter, der Ein­kauf gin­ge zü­gi­ger vor­an und wir müss­ten nicht stän­dig für ei­nen Vor­rat an Klein­geld sor­gen.“Der Groß­teil sei­ner Kund­schaft wür­de die­se Re­ge­lung si­cher­lich mit­tra­gen. Der Händ­ler meint: „Und da wir 30 Cent pro Münz­rol­le bei der Bank be­zah­len – selbst wenn sie nur 50 Cent wert ist – dürf­te sich das auch für uns rech­nen.“

Bä­cker Gerd Derks be­treibt sechs Fi­lia­len in der Re­gi­on, drei wei­te­re in den Nie­der­lan­den. „Al­lein un­se­re Fi­lia­len in Deutsch­land wer­fen täg­lich et­wa 300 bis 500 Mün­zen ab“, sagt er. „Da­durch ent­ste­hen bei der Bank enor­me Kos­ten.“Der Ver­zicht auf Klein­geld, der sich in sei­nen Ge­schäf­ten im Nach­bar­land längst be­währt ha­be, wür­de sei­ne Ar­beit ver­ein­fa­chen. „Selbst wenn ich bei ei­nem Stück­preis von 31 Cent für ein Bröt­chen ab­run­den müss­te, wür­de sich das noch mit den ent­fal­len­den Ge­büh­ren aus­glei­chen“, so Derks.

Rund 14 Mil­lio­nen Mün­zen er­rei­chen al­lein die Spar­kas­se Kle­ve jähr­lich. Rund die Hälf­te da­von sind Ein- und Zwei-Cent Mün­zen. „Neue Vor­schrif­ten zwin­gen uns, nicht nur Geld­schei­ne, son­dern auch Mün­zen auf ih­re Echt­heit zu über­prü­fen“, sagt Spar­kas­sen-Spre­cher Lud­ger Braam. Auch die Um­lauf­fä- hig­keit der Mün­ze müs­se si­cher­ge­stellt sein. „Die Mün­ze darf nicht be­schä­digt sein“, sagt Braam. „Da­zu müs­sen Au­to­ma­ten nach­ge­rüs­tet und Per­so­nal ge­schult wer­den. Das ist mit er­heb­li­chen Mehr­kos­ten ver­bun­den.“Ab 1. De­zem­ber ver­langt die Spar­kas­se Kle­ve da­her für Ein­zah­lun­gen am Münz­zäh­ler – so­bald es sich um mehr als 50 Mün­zen han­delt – ei­nen Cent pro Mün­ze. Klei­ne Ein­zah­lun­gen bis zu 50 Mün­zen sind kos­ten­los. Die Ab­ga­be von Münz­rol­len wer­den schon seit län­ge­rem mit 30 Cent pro Rol­le ab­ge­rech­net. Kin­der, Ju­gend­li­che, Ver­ei­ne und Kir­chen zah­len nichts.

Bei der Volks­bank Kle­ver­land ist die Ab­ho­lung und Ein­zah­lung eben­falls kos­ten­pflich­tig. Auf je­de Münz­rol­le ent­fällt ei­ne Ge­bühr von 50 Cent, un­ab­hän­gig von der Münz­grö­ße. „Der Auf­wand für Ein- und Zwei-Cent-Mün­zen ist mitt­ler­wei­le ab­surd hoch“, sagt Volks­bank-Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ter Frank Ro­sar. „Die Si­che­rung der Münz­qua­li­tät muss­ten wir an ein ex­ter­nes Part­ner­un­ter­neh­men ab­ge­ben. Das er­zeugt ho­he Kos­ten, die sich na­tür­lich auch in den Be­ar­bei­tungs­ge­büh­ren wi­der­spie­geln.“Auch die Volks­bank be­für­wor­te die Idee. „Die Men­ge an Klein­geld, die im Um­lauf ist, muss re­du­ziert wer­den.“

Wäh­rend des Weih­nachts­ge­schäf­tes wer­de man die­sen Vor­schlag zu­nächst nicht wei­ter ver­fol­gen, sagt Ute-Schul­ze-Hei­ming. „An­schlie­ßend wer­den wir je­doch Kun­den und Händ­ler be­fra­gen.“Oh­ne­hin sei Auf- und Ab­run­den im Ge­schäft für den Kun­den rein frei­wil­lig. „Die Cen­tmün­zen blei­ben wei­ter­hin in Deutsch­land ein ge­setz­li­ches Zah­lungs­mit­tel.“

„Der Auf­wand für die­se Mün­zen ist mitt­ler­wei­le

ab­surd hoch“

Volks­bank Kle­ver­land

RP-FOTO: MAR­KUS VAN OFFERN

Bä­cker Gerd Derks und Metz­ger Lothar Quar­tier (v.l.) wä­ren er­leich­tert, wenn das Klein­geld aus ih­ren Ge­schäf­ten ver­schwin­den wür­de. Die Cent-Mün­zen ver­ur­sa­chen in ih­ren Be­trie­ben er­heb­li­che Kos­ten.

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