Ge­dan­ken zu Al­ler­hei­li­gen

Rheinische Post Goch - - GOTT UND DIE WELT - WOLF­GANG FELD­MANN, PAS­TO­RAL­RE­FE­RENT ZUR HEI­LI­GEN FA­MI­LIE KLE­VE UND MIT­GLIED DES MAL­TE­SER HO­S­PIZ­DIENS­TES AM NIE­DER­RHEIN

Ster­ben an ei­ner Hand statt ster­ben durch ei­ne Hand!“, so heißt ein Po­si­ti­ons­pa­pier der Mal­te­ser zur Ster­be­be­glei­tung und ge­schäfts­mä­ßig or­ga­ni­sier­ten Bei­hil­fe zum Sui­zid in Deutsch­land. Dar­in heißt es u.a.: „Dem mensch­li­chen Leid mit der Tö­tung des lei­den­den Men­schen zu be­geg­nen, ist nicht ver­tret­bar. Das Ziel muss es sein, Lei­den zu lin­dern und nicht sich der Lei­den­den zu ent­le­di­gen.

Ein Le­ben und Ster­ben in Wür­de set­zen mensch­li­chen Bei­stand so­wie ei­ne um­fas­sen­de ärzt­li­che und pfle­ge­ri­sche Ver­sor­gung vor­aus. Die hu­ma­ne Ge­sell­schaft hat die Pflicht, schwa­che und kran­ke Men­schen zu schüt­zen und ih­nen Si­cher­heit zu ver­mit­teln, so dass die­se bis zu­letzt le­ben kön­nen“. Lang­jäh­ri­ge Er­fah­run­gen der Mal­te­ser in der Ho­s­piz­ar­beit zei­gen, dass die Aus­sa­gen von Be­trof­fe­nen: „Ich will nicht mehr le­ben“in der Re­gel be­deu­tet „ich will SO nicht mehr le­ben“. Es han­delt sich hier­bei al­so um ei­ne Aus­sa­ge über die Le­bens­um­stän­de, die so wie sie ak­tu­ell er­lebt wer­den, nicht trag­bar sind. Die­se Aus­sa­gen wer­den ge­ra­de dann ge­trof­fen, wenn es (noch) kei­ne aus­rei­chen­de Ho­s­pi­zund Pal­lia­tiv­ver­sor­gung gibt. Es darf nicht der Ein­druck ent­ste­hen, dass schwerst­kran­ke und auch de­men­zi­ell er­krank­te, ein­sa­me und/oder al­te Men­schen sich recht­fer­ti­gen müs­sen, dass sie ih­rer ei­ge­nen Krank­heit und ih­rem Ster­be­pro­zess po­si­tiv be­geg­nen und die­sen Weg bis zum na­tür­li­chen Tod ge­mein­sam mit ih­ren An­ge­hö­ri­gen/Ver­trau­ten an­neh­men. Im­mer wie­der hö­ren die Mal­te­ser den Wunsch der schwer­kran­ken Men­schen, nie­man­dem zur Last fal­len zu wol­len. Durch ein ge­setz­li­ches Recht auf as­sis­tier­te Bei­hil­fe zum Sui­zid kann ein ge­sell­schaft­li­ches Kli­ma ent­ste­hen, in dem Schwerst­kran­ke, Ster­ben­de und de­ren An­ge­hö­ri­ge den­ken könn­ten, es sei bes­ser, der Ge­sell­schaft nicht mehr zur Last zu fal­len, weil das Le­ben so kei­nen „Wert“mehr hat. Der Mensch aber hat nicht nur ei­nen Wert, er hat Wür­de. Das Wort Wert stammt aus der Öko­no­mie. Ein Pro­dukt ist et­was wert, hat sei­nen Preis. Man kann die­ses Wort nicht ein­fach auf den Men­schen über­tra­gen.

Gott du hast den Men­schen in sei­ner Wür­de wun­der­bar er­schaf­fen und noch wun­der­ba­rer er­neu­ert.

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