An­wer­be­ab­kom­men mit der Tür­kei

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Es war ei­ne prag­ma­ti­sche, an wirt­schaft­li­chen Fra­gen ori­en­tier­te Lö­sung, die die Bun­des­re­pu­blik am 30. Ok­to­ber 1961 un­ter­zeich­ne­te. Das An­wer­be­ab­kom­men zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei soll­te die Ant­wort auf den Ar­beits­kräf­te­man­gel sein. Der wirt­schaft­li­che Auf­schwung in Deutsch­land schaff­te al­ler­or­ten Ar­beits­plät­ze, gleich­zei­tig gin­gen die Men­schen frü­her in Ren­te, ar­bei­te­ten nur noch 40 statt wie frü­her 48 St­un­den in der Wo­che und wur­den zu­dem von der neu auf­ge­bau­ten Bun­des­wehr ab­ge­wor­ben. Klei­ne wie grö­ße­re Be­trie­be muss­ten um Mit­ar­bei­ter wett­ei­fern. In der Tür­kei hin­ge­gen über­stieg das Be­völ­ke­rungs­wachs­tum das Wirt­schafts­wachs­tum, die Ar­beits­lo­sig­keit war hoch. Da prä­sen­tier­ten die Re­gie­run­gen bei­der Län­der das An­wer­be­ab­kom­men. Zu­vor wa­ren ähn­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit Ita­li­en (1955), Spa­ni­en (1960) und Grie­chen­land (1960) ge­schlos­sen wor­den, Ver­trä­ge mit Ma­rok­ko, Por­tu­gal, Tu­ne­si­en und Ju­go­sla­wi­en folg­ten. In Deutsch­land nann­te man die Ar­beits­mi­gran­ten „Gas­t­ar­bei­ter“(Foto) und rech­ne­te da­mit, dass sie nach ei­ni­gen Jah­ren wie­der in ih­re Hei­mat zu­rück­keh­ren wür­den. Doch die neu­en Mit­bür­ger blie­ben, sie ar­bei­te­ten mit am so ge­nann­ten Wirt­schafts­wun­der und präg­ten das Land auf ih­re ei­ge­ne Wei­se. 1973 wur­de das An­wer­be­kom­men wäh­rend der Öl­kri­se aus­ge­setzt. Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren be­reits mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen tür­ki­scher Her­kunft in Deutsch­land.

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