Mensch ge­gen Ma­schi­ne: Wer legt Geld bes­ser an?

Rheinische Post Goch - - EXTRA UNABHÄNGIGE - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Die un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter dis­ku­tier­ten beim RP Fi­nanz­fo­rum in Düsseldorf die ak­tu­el­len Markt­ent­wick­lun­gen. Ein wich­ti­ges The­ma: die Her­aus­for­de­rung durch so­ge­nann­te Fin-Techs, Soft­wareFi­nanz­dienst­leis­ter aus dem In­ter­net. In­di­vi­du­el­le Be­ra­tung kön­nen sie aber nicht er­set­zen.

Frei­tag­mor­gen, die Re­dak­ti­on hat Kaf­fee ge­kocht. An Steh­ti­schen fin­den be­reits ers­te Ge­sprä­che statt. In lo­cke­rem Rah­men. Small­talk mischt sich mit News aus der Bran­che. Die Pflan­ze ne­ben dem Ein­gang in der Re­dak­ti­on wirkt noch et­was mü­de. Die an­we­sen­den Ver­mö­gens­ver­wal­ter sind je­doch hell­wach. Wie wach, das zeigt sich we­ni­ge Mi­nu­ten nach Be­ginn der Dis­kus­si­on am run­den Tisch. Kei­ne un­nö­ti­gen Höf­lich­keits­flos­keln, kei­ne PR-Phra­sen. Man kommt auf den Punkt.

Schnell sind die ge­la­de­nen Gäs­te aus der Fi­nanz­bran­che bei den wich­ti­gen The­men. Das ist kein Zu­fall: Das RP-Fi­nanz­fo­rum hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu ei­nem ve­ri­ta­blen Bran­chen­treff für die Un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter ent­wi­ckelt. Das Cre­do der Ver­an­stal­tung lau­tet: Nehmt kein Blatt vor den Mund! Re­det Ta­che­les! Die­se Auf­for­de­rung neh­men die an­we­sen­den Ver­mö­gens­ver­wal­ter ernst.

Of­fen dis­ku­tier­ten die 27 An­la­ge­pro­fis die Ent­wick­lun­gen in der Bran­che. Schnell kom­men die ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen auf den Tisch: zum Bei­spiel das The­ma Wachs­tum. Kön­nen klei­ne­re Ver­mö­gens­ver­wal­ter auf Dau­er be­ste­hen? Das ist ei­ne Fra­ge, die kon­tro­vers dis­ku­tiert wird. „Ver­mö­gens­ver­wal­ter, die nicht ei­ne ge­wis­se Er­trags­grö­ße er­rei­chen, kön­nen sich in Zu­kunft im­mer schwe­rer be­haup­ten“, er­klärt Kath­rin Eichler von Eichler & Meh­lert Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen.

Denn die stren­ge­re Re­gu­lie­rung der Bran­che be­deu­tet für die Fi­nanz­dienst­leis­ter neue ad­mi­nis­tra­ti­ve Her­aus­for­de­run­gen. Die kos­ten Zeit, Per­so­nal und In­ves­ti­tio­nen in die In­fra­struk­tur. Nicht je­der Kos­ten­block wächst oder schrumpft par­al­lel zum Um­satz, son­dern ist un­ab­hän­gig da­von ein­fach da. Für klei­ne­re Ver­mö­gens­ver­wal­ter ist das von Nach­teil. „Es ist ab­seh­bar, dass es in der Bran­che des­halb zu­neh­mend Über­nah­men ge­ben wird. Man braucht ei­ne ge­wis­se Grö­ße, um mit­spie­len zu kön­nen“, so Eichler, die selbst erst kürz­lich ei­nen Kon­kur­ren­ten über­nom­men hat.

Doch Grö­ße al­lein ist mit Si­cher­heit nicht das wich­tigs­te Kri­te­ri­um für den Er­folg. Das be­wei­sen ge­ra­de die aus ei­ner klei­nen Ni­sche des Fi­nanz­Busi­ness kom­men­den neu­en Kon­kur­ren­ten: Die so­ge­nann­ten Fin-Techs rol­len die Fi­nanz­bran­che auf. Ge­meint sind ver­gleichs­wei­se schlank auf­ge­stell­te Fi­nanz­dienst­leis­ter, die ih­re Kun­den aus­schließ­lich über In­ter­net und Smart­pho­ne er­rei­chen. Geld­an­la­ge und Kre­di­te gibt es per Maus­klick, Be­ra­tung im klas­si­schen Sin­ne fin­det kaum noch statt.

Ge­ra­de hier se­hen die an­we­sen­den Ver­mö­gens­ver­wal­ter ih­re Chan­ce, um sich mit ih­ren Stär­ken zu po­si­tio­nie­ren. „Wenn es um Geld­an­la­ge geht, zählt nicht nur die kurz­fris­tig er­ziel­ba­re Ren­di­te, son­dern ein lang­fris­tig an­ge­leg­tes Kon­zept, das zu den je­wei­li­gen Kun­den passt. Und da kommt uns als Ver­mö­gens­ver­wal­tern ei­ne be­son­de­re Rol­le zu. Denn wir ken­nen un­se­re Kun­den per­sön­lich. Wir ken­nen je­des Ge­sicht hin­ter je­dem De­pot, das wir ver­wal­ten“er­klärt Ott­mar Hei­nen von La­cu­na. „An­ony­mi­tät ist in un­se­rem Ge­schäft kein The­ma. Denn das Port­fo­lio ei­nes Kun­den ist nicht ein­fach nur ei­ne Geld­an­la­ge. Die Zu­sam­men­set­zung ei­nes De­pots spie­gelt auch die Per­sön­lich­keit des je­wei­li­gen An­le­gers wi­der. Des­halb ist es uns so wich­tig, un­se­re Kun­den nicht nur zu ken­nen, son­dern wirk­lich ken­nen­zu­ler­nen“, so Hei­nen.

Phil­ipp Len­nertz (Len­nertz & Co.) sieht die Fin-Techs den­noch als Weck­ruf für die Bran­che. „Fin-Techs sind für die Ban­ken­land­schaft das, was Tes­la für die Au­to­mo­bil­in­dus­trie ist. Es sind Pio­nie­re, de­nen man sich nicht ver­schlie­ßen soll­te“, sagt Len­nertz.

Dass die Fin-Techs schnell da­zu­ler­nen, ist je­doch un­be­strit­ten. „Es ist ein Denk­feh­ler, dass die Kun­den für die In­ter­net-Di­enst­leis­ter an­ony­me Ge­schäfts­part­ner sind“, er­klärt Pro­fes­sor Tho­mas Druy­en, der an der Sig­mund Freud Pri­vat­uni­ver­si­tät in Wi­en ver­glei­chen­de Ver­mö­gens­kul­tur lehrt. „Ge­nau das Ge­gen­teil ist der Fall. Di­gi­ta­li­sie­rung hat den Zweck, al­le Bio­gra­fi­en der Kun­den zu ken­nen. Soft­wareUn­ter­neh­men, die die Da­ten ih­rer Kun­den ge­nau ana­ly­sie­ren, kön­nen schließ­lich schnell ei­ne Art Nä­he si­mu­lie­ren“, so Druy­en.

Doch Si­mu­la­ti­on ist eben nicht wirk­li­che Nä­he. „Bei al­ler Tech­nik­ver­liebt­heit wird oft un­ter­schätzt, dass Kun­den manch­mal gern ein ein­fach zu ver­ste­hen­des Do­ku­ment in Hän­den hal­ten möch­ten. Und es will sich auch nicht je­der Kun­de die gan­ze Zeit on­li­ne mit sei­nem Ver­mö­gen be­schäf­ti­gen“, wen­det Ju­lia Mei­er von Au­ri­cos As­set & Port­fo­lio Ma­nage­ment ein. „Un­se­re Kun­den sind glück­lich, wenn wir sie nach ih­ren per­sön­li­chen Wün­schen und Zie­len fra­gen und ih­nen mit ein­fa­chen Wor­ten er­klä­ren, was wir tun, um ge­nau die­se Zie­le zu er­rei­chen“, so Mei­er. Da­zu ge­hö­re manch­mal auch, zu er­klä­ren, war­um man be­stimm­te Din­ge nicht tue – ein­fach, weil die ei­ne oder an­de­re An­la­ge nicht zum per­sön­li­chen Ri­si­ko­pro­fil oder zum Ge­samt­kon­zept des Ver­mö­gens pas­se, so Mei­er.

„Die Ro­bo­ter be­zie­hungs­wei­se die com­pu­ter­ge­steu­er­ten An­la­ge­stra­te­gi­en kön­nen mit Geld nur so gut um­ge­hen, wie sie vom Men­schen mit Da­ten und Pro­gram­men ge­nährt wer­den“, er­gänzt Tho­mas Hü­ni­cke von der gleich­na­mi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­tung. „Die­se künst­li­che Be­ra­tungs­in­tel­li­genz wird auf ein be­grenz­tes Fi­nanz­wis­sen der Pri­vat­an­le­ger und Selbst­ent­schei­der tref­fen.“

Es ist denk­bar, dass sich die Fin-Tech-Bran­che und die auf per­sön­li­che An­spra­che set­zen­den An­la­ge­pro­fis ein­mal an­nä­hern wer­den. „Auch als Ver­mö­gens­ver­wal­ter kön­nen wir und un­se­re Kun­den von neu­en Soft­ware­lö­sun­gen pro­fi­tie­ren. Ar­beits­tei­lung ist nicht ver­bo­ten. Das ist auch ei­ne Chan­ce für un­se­re Bran­che“, sagt Fe­lix Brem von BN & Part­ners. Ei­nen Wer­be­spruch, der er­klärt, dass „an­de­re An­le­ger, die die­ses An­la­ge­pro­dukt ge­kauft ha­ben, auch fol­gen­de Fonds in­ter­es­sant fin­den“, wird es bei den Un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­tern je­doch in ab­seh­ba­rer Zeit eher nicht ge­ben.

FOTO: A. MÜLLER

Die Fin-Tech-Bran­che for­dert die Ver­mö­gens­ver­wal­ter her­aus. Chan­ce oder Be­dro­hung? Die Mei­nun­gen ge­hen aus­ein­an­der.

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