Als Re­ak­ti­on auf die Fi­nanz­kri­se wur­den Fi­nanz­dienst­leis­ter und Ban­ken neu re­gu­liert. Die Ge­set­ze soll­ten die An­le­ger schüt­zen. Ob das wirk­lich ge­lingt, ist zwei­fel­haft. Die Un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter ha­ben je­den­falls ei­ni­ge An­fra­gen an die Po­li­tik.

Rheinische Post Goch - - EXTRA UNABHÄNGIGE - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

Es sind schwie­ri­ge Zei­ten für An­le­ger. Die Ak­ti­en­märk­te sind schon seit Mo­na­ten hoch vo­la­til. Auch Fest­ver­zins­li­ches lockt kaum zur An­la­ge. Denn die Zin­sen sind welt­weit im Kel­ler. Selbst ru­mä­ni­sche und bul­ga­ri­sche Staats­an­lei­hen mit mitt­le­rer Rest­lauf­zeit brin­gen kaum mehr als zwei Pro­zent Ren­di­te pro Jahr. Un­ter die­sen Um­stän­den ist ein nach­hal­ti­ges Ver­mö­gens-Ma­nage­ment auch für Voll­pro­fis ei­ne Her­aus­for­de­rung.

Die Bran­che der Un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter sieht die Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen Jah­re durch­aus kri­tisch. Denn die Po­li­tik hat mit ih­rer Dok­trin des bil­li­gen Gel­des und im­mer hö­he­rer Ver­schul­dung nicht nur in die Fi­nanz­märk­te mas­siv ein­ge­grif­fen. Ne­ben den Aus­wir­kun­gen der Nied­rig­zins­po­li­tik hat die Bran­che auch mit neu­en Re­gu­la­ri­en zu kämp­fen, die Fi­nanz­dienst­leis­tern seit rund drei Jah­ren das Le­ben schwe­rer ma­chen.

Nicht al­le Ide­en, die Po­li­ti­ker zum Schutz der An­le­ger er­dacht hat­ten, sto­ßen auf Be­geis­te­rung. Das ist auch beim RP-Fi­nanz­fo­rum „Unabhängige Ver­mö­gens­ver­wal­ter“in Düsseldorf zu spü­ren. „Na­tür­lich hat die Re­gu­lie­rung auch Vor­tei­le. Die Kun­den ha­ben das sub­jek­ti­ve Ge­fühl hö­he­rer Si­cher­heit, wenn es um ih­re Geld­an­la­ge geht“, sagt et­wa Joa­chim Paul Schä­fer von der Ver­mö­gens­ver­wal­tung PSM. Doch der Preis für die­ses Si­cher­heits­ge­fühl sei hoch. „Die Re­gu­lie­rung soll­te die Groß­ban­ken, die haupt­säch­lich für die Fi­nanz­kri­se ver­ant­wort­lich wa­ren, an die Ket­te le­gen. Doch die Re­gu­lie­rung bür­det nun auch den Ver­mö­gens­ver­wal­tern ho­he ad­mi­nis­tra­ti­ve Kos­ten auf“, so Schä­fer. Das sei auch nicht im Sin­ne der Kun­den, die ja ei­gent­lich ge­schützt wer­den soll­ten. Denn um die neu­en ge­setz­li­chen Auf­la­gen zu er­fül­len, braucht es neue Tech­nik und Per­so­nal.

Ver­mö­gens­ver­wal­ter, die bei mo­de­rat wach­sen­dem Kun­den­stamm die Kos­ten im Griff be­hal­ten wol­len, müs­sen den Re­chen­schie­ber scharf an­le­gen, das Leis­tungs­spek­trum ein­schrän­ken und/oder die Prei­se er­hö­hen. Der Nut­zen der Ver­ord­nun­gen ist da­bei zum Teil höchst um­strit­ten. Ins­be­son­de­re die Be­ra­tungs­pro­to­kol­le sind höchst um­strit­ten. „Mit den Be­ra­tungs­pro­to­kol­len wird den Kun­den et­was völ­lig Fal­sches sug­ge­riert. Es bringt eher den Be­ra­tern mehr Rechts­si­cher­heit als dem rat­su­chen­den Kun­den“, sagt Wal- ter Som­mer von Gross­bötzl, Schmitz & Part­ner.

Hin­ter­grund: Laut An­le­ger­schutz­ge­setz müs­sen An­la­ge­be­ra­ter seit dem Jahr 2010 je­des Be­ra­tungs­ge­spräch zu Wert­pa­pie­ren mit ei­nem Pro­to­koll do­ku­men­tie­ren und ih­ren Kun­den das Pro­to­koll vor ei­nem Ge­schäfts­ab­schluss aus­hän­di­gen. Die Idee: An­le­ger sol­len kon­trol­lie­ren kön­nen, ob das Be­ra­tungs­ge­spräch kor­rekt wie­der­ge­ge­ben wur­de. Nach­teil: Be­ra­tungs­pro­to­kol­le sind oft­mals so um­fang­reich, dass An­le­ger kaum er­ken­nen kön­nen, ob und was dar­an nicht kor­rekt sein könn­te. Mit dem Pa­pier in der Hand stim­men sie de fac­to zu, gut be­ra­ten wor­den zu sein.

„Bö­se Zun­gen spre­chen hier auch von ei­nem Ent­haf­tungs­pro­to­koll“, sagt Pe­ter Schnei­der von Schnei­der, Wal­ter & Kol­le­gen. Doch auch für die Be­ra­ter loh­ne sich der Auf­wand nicht. Be­ra­tungs­pro­to­kol­le zu er­stel­len und zu ver­wal­ten, kos­tet viel Zeit und Geld. „Wir bie­ten des­halb im­mer we­ni­ger Be­ra­tungs­man- da­te an und set­zen fast aus­schließ­lich auf Ver­mö­gens­ver­wal­tungs-Man­da­te“, sagt Do­mi­ni­kus Wagner von Wagner & Flo­rack.

Der Un­ter­schied: Hier stimmt der Kun­de ein­ma­lig zu, dass der Ver­wal­ter das Ma­nage­ment des Ver­mö­gens über­nimmt. Es muss nicht für je­de ein­zel­ne An­la­ge­ent­schei­dung ein Be­ra­tungs­pro­to­koll er­stellt wer­den. „Was zählt, ist al­lein das Ver­trau­en des Kun­den und der An­la­ge­er­folg des Ver­mö­gens­ver­wal­ters. Das be­deu­tet, dass man mit ei­ner durch­dach­ten Stra­te­gie lang­fris­tig in­ves­tiert und ge­nau dann ein­greift, wenn es not­wen­dig wird. Auf die­ser Ba­sis lässt sich bes­ser und auch er­folg­rei­cher ar­bei­ten, als dem Kun­den stän­dig neue An­la­gen zu emp­feh­len“, er­klärt Uwe Adam­la von der Dr. Jens Ehr­hardt Ver­mö­gens­ver­wal­tung.

Ei­nig sind sich die Ver­mö­gens­ver­wal­ter dar­in, dass die Re­ge­lun­gen für Be­ra­tungs­pro­to­kol­le nicht nur ho­hen Auf­wand be­deu­ten, son­dern da­bei auch noch lü­cken­haft sind. Denn für Be­ra­tungs­ge­sprä­che, in de­nen es nicht um Wert­pa­pie­re geht, ist wei­ter­hin kein Be­ra­tungs­pro­to­koll vor­ge­schrie­ben. Die Be­ra­tung et­wa zu Ta- ges­geld­kon­ten oder un­ter­neh­me­ri­schen Be­tei­li­gun­gen muss nicht protokolliert wer­den.

„An­le­ger soll­ten da­bei durch­aus über den Tel­ler­rand hin­aus­bli­cken“, emp­fiehlt Micha­el Pin­ta­rel­li von der gleich- na­mi­gen Ver­mö­gens­be­ra­tung. „In­vest­ments in Kunst- oder Old­ti­mer die­nen der Di­ver­si­fi­zie­rung, und in un­si­che­ren Zei­ten kön­nen sie auch an­sehn­li­che Ren­di­ten brin­gen.“Pin­ta­rel­li rät au­ßer­dem da­zu, Bar­geld zu hal­ten, und ver­weist auf Grie­chen­land als Bei­spiel. Dort hat­ten die Ban­ken im Zu­ge der Kri­se zeit­wei­se ge­schlos­sen. „Wer Bar­geld hält, ist von sol­chen Ent­wick­lun­gen nicht be­trof­fen.“

„Mit den Be­ra­tungs­pro­to­kol­len wird den Kun­den et­was völ­lig Fal­sches sug­ge­riert“ „Wer Bar­geld

hält, ist von sol­chen Ent­wick­lun­gen nicht be­trof­fen“

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