Di­gi­ta­li­sie­rung als Chan­ce für die Ver­mö­gens­ver­wal­ter

Rheinische Post Goch - - EXTRA UNABHÄNGIGE - VON PATRICK PE­TERS

Di­gi­ta­le Lö­sun­gen in der Ver­mö­gens­ver­wal­tung ent­wi­ckeln mehr und mehr Be­deu­tung im Markt. Der Ver­band un­ab­hän­gi­ger Ver­mö­gens­ver­wal­ter Deutsch­land (VuV) weist in­des dar­auf hin, dass Ver­mö­gens­ver­wal­ter sich mit den Vor­tei­len der Di­gi­ta­li­sie­rung aus­ein­an­der­set­zen soll­ten – et­wa hin­sicht­lich neu­er Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge.

Vir­tu­el­le Ver­mö­gens­ver­wal­tung ist kei­ne Be­dro­hung für unabhängige Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Das be­tont der Ver­band un­ab­hän­gi­ger Ver­mö­gens­ver­wal­ter Deutsch­land (VuV) vor dem Hin­ter­grund der im­mer stär­ker wer­den­den Dis­kus­si­on um di­gi­ta­le Lö­sun­gen in der Fi­nanz­in­dus­trie ge­ne­rell und der Geld­an­la­ge und Ver­mö­gens­ver­wal­tung im Spe­zi­el­len. Der Ver­band hat die The­ma­tik kürz­lich ak­tiv auf­ge­grif­fen und im Rah­men des jähr­li­chen VuV-Mar­ke­ting­s­emi­nars die sich er­ge­ben­den Chan­cen und Ri­si­ken für die Bran­che der Ver­mö­gens­ver­wal­ter her­aus­ge­ar­bei­tet.

Andre­as Grü­ne­wald, Vor­stands­vor­sit­zen­der des VuV, kommt zu ei­nem dif­fe­ren­zier­ten Ur­teil hin­sicht­lich der di­gi­ta­len Lö­sun­gen, die von Start-Ups und Kon­zer­nen glei­cher­ma­ßen ent­wi­ckelt wer­den: „Das er­heb­li­che Po­ten­zi­al von di­gi­ta­ler Fi­nanz­tech­no­lo­gie (Fin­tech) ist of­fen­kun­dig. Ei­ne Ge­fahr für die Ver­mö­gens­ver­wal­ter kann ich al­ler­dings nicht er­ken­nen. Ein zen­tra­les Ele­ment un­ab­hän­gi­ger Ver­mö­gens­ver­wal­tung sind die per­sön­li­che Nä­he zum Kun­den und das sich ent­wi­ckeln de Ver­trau­en. Die­ses Ver­trau­en ist nicht di­gi­ta­li­sier­bar. Grö­ße­re Pro­ble­me im künf­ti­gen Kampf um die Kun­den se­he ich da­her auf Sei­ten der an­ony­me­ren Ban­ken. Vie­le Kun­den kla­gen über die häu­fi­gen Wech­sel der Bank­be­ra­ter. In Be­rei­chen, in de­nen die wich­ti­ge Bin­dung zwi­schen Be­ra­ter und Kun­de fehlt, kön­nen sich Fin­tech-Un­ter­neh­men zu ei­ner ernst­zu­neh­men­den Al­ter­na­ti­ve ent­wi­ckeln.“

Ei­ne Ge­fahr durch vir­tu­el­le Ver­mö­gens­ver­wal­ter auf Ba­sis von Al­go­rith­men sieht der Ver­bands­prä­si­dent, der mit der FIVV AG in München selbst ei­ne unabhängige Ver­mö­gens­ver­wal­tung führt, nicht. Für den Er­folg wer­de ne­ben der Per­for­mance auch die Trans­pa­renz ent­schei­dend sein. Ab­zu­war­ten blei­be zu­dem ins­be­son­de­re, wie gut Al­go­rith­men bei Struk­tur­brü­chen, kom­ple­xen An­for­de­run­gen und in tur­bu­len­ten Markt­pha­sen funk­tio­nier­ten. „Fi­nanz­märk­te hal­ten sich nicht an Vor­ga­ben ma­the­ma­ti­scher Mo­del­le – Emo­tio­nen, Mo­ti­va­tio­nen und Her­den­trieb sind Schlag­wor­te, die es zu be­rück­sich­ti­gen gilt“, be­tont Grü­ne­wald. „Fi­nanz­märk­te sind so­zia­le Sys­te­me und so­mit in­ter­ak­tiv und re­fle­xiv.“

Die größ­te Schwach­stel­le di­gi­ta­ler Lö­sun­gen sieht Grü­ne­wald zu­sätz­lich in der man­gel­haf­ten Be­ra­tungs­leis­tung – und die­se ist ja die Kern­auf­ga­be der Un­ab­hän­gi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­ter und de­ren Ab­gren­zungs­merk­mal im Markt. „Im Vor­feld der Ver­mö­gens­ver­wal­tung be­darf es meh­re­rer, oft­mals sehr aus­führ­li­cher Ge­sprä­che zwi­schen Man­dant und Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Die kon­kre­te Ver­mö­gens­si­tua­ti­on, per­sön­li­che An­la­ge­zie­le, in­di­vi­du­el­le Ri­si­ko­be­reit­schaft und bis­he­ri­ge An­la­ge­er­fah­run­gen müs­sen sys­te­ma­tisch er­fasst wer­den. Im per­sön­li­chen Ge­spräch er­le­ben wir es öf­ters, dasss ich der Man­dant dies­be­züg­lich über- oder auch un­ter­schätzt. Au­ßer­dem wer­den ge­mein­sam das pas­sen­de Chan­ce-Ri­si­ko-Pro­fil so­wie die an­ge­dach­te Zu­sam­men­stel­lung und Aus­rich­tung der In­vest­ments be­spro­chen.“Dies ist bei ei­ner rein di­gi­ta­lem Lö­sung na­tür­lich – zu­min­dest in die­ser Tie­fe – nicht mög­lich.

Zu­dem wer­de der Man­dant um­fas­send über die Ri­si­ken und die ent­ste­hen­den Kos­ten auf­ge­klärt, be­vor al­le we­sent­li­chen Fak­to­ren in­klu­si­ve der in­di­vi­du­el­len An­la­ge­richt­li­ni­en schrift­lich fi­xiert und do­ku­men­tiert wür­den. „Die aus­führ­li­che Erst­be­ra­tung ist so­mit ein sehr kom­ple­xer und in­di­vi­du­el­ler Vor­gang, den die di­gi­ta­li­sier­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung nicht aus­rei­chend ab­bil­den kann. Ana­log zur Me­di­zin braucht es ei­ne um­fas­sen­de Ana­mne­se, treff­si­che­re Dia­gno­se und an­schlie­ßend ei­ne sach­ge­rech­te ,Be­hand­lung’ – und das im per­sön­li­chen, in­di­vi­du­el­len Aus­tausch.“

Den­noch weist der Ver­mö­gens­ver­wal­ter dar­auf hin, dass vir­tu­el­le Lö­sun­gen kei­nes­falls un­ter­schätzt wer­den dürf­ten – auch wenn sie noch in den Kin­der­schu­hen steck­ten. Die Mit­glie­der der Ver­ban­des müss­ten sich mit der Di­gi­ta­li­sie­rung zwin­gend aus­ein­an­der­set­zen, da die „di­gi­ta­le Re­vo­lu­ti­on“in vol­lem Gan­ge seie und sich nicht auf­hal­ten las­se.

Es sei aber wich­tig, die Di­gi­ta­li­sie­rung vor al­lem auch als Chan­ce zu be­grei­fen: „Al­len Ver­mö­gens­ver­wal­tern muss be­wusst sein, dass sich die An­for­de­run­gen ih­rer Kun­den ver­än­dern – et­wa hin­sicht­lich di­gi­ta­ler Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge. Wenn wir die neu­en Mög­lich­kei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung ge­zielt nut­zen, kön­nen wir un­ser Di­enst­leis­tungs­an­ge­bot er­wei­tern. Kom­mu­ni­ka­ti­on via Vi­deo-Chats, So­ci­al Me­dia und We­bi­na­re sind nur we­ni­ge Bei­spie­le für mög­li­che An­satz­punk­te, von de­nen un­se­re Kun­den pro­fi­tie­ren wer­den“, sagt Grü­ne­wald.

Die Kun­den kön­nen

von di­gi­ta­len Di­enst­leis­tun­gen der Ver­mö­gens­ver­wal­ter pro­fi­tie­ren

FOTO: VUV/KIRS­TEN BU­CHER

Andre­as Grü­ne­wald, Vor­stands­vor­sit­zen­der des Ver­ban­des un­ab­hän­gi­ger Ver­mö­gens­ver­wal­ter Deutsch­land (VuV).

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