Neu­er Fonds spie­gelt Gen­der-The­ma

Rheinische Post Goch - - EXTRA UNABHÄNGIGE - VON NI­CO­LE WILDBERGER

Die Ka­pi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft Am­pe­ga hat als ers­te ei­nen Fonds auf­ge­legt, der sich an dem neu­en Ger­man Gen­der In­dex der Bör­se Han­no­ver ori­en­tiert. An­la­ge­kri­te­ri­um ist al­so die Pa­ri­tät von Mann und Frau in den Füh­rungs­po­si­tio­nen.

Erst­mals kön­nen An­le­ger in Deutsch­land jetzt ei­nen Fonds kau­fen, der Ak­ti­en deut­scher Un­ter­neh­men um­fasst, die beim Füh­rungs­per­so­nal ei­ne ho­he Zahl von weib­li­chen Vor­stands- oder Auf­sichts­rats­mit­glie­dern ha­ben. Pre­mie­re war erst im April 2015. Da star­te­te die Bör­se Han­no­ver ih­ren neu­en Ger­man Gen­der In­dex. Er bil­det die 50 deut­schen Ti­tel ab, die sich bei der Un­ter­neh­mens­füh­rung durch ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zwi­schen weib­li­chen und männ­li­chen Füh­rungs­kräf­ten in Vor­stand und Auf­sichts­rat aus­zeich­nen. So zeigt er bör­sen­täg­lich die Wert­ent­wick­lung der Un­ter­neh­men, die dem Leit­bild ei­ner so ge­nann­ten ho­hen Gen­der-Di­ver­si­tät fol­gen.

Im glei­chen Mo­nat leg­te die Am­pe­ga In­vest­ment mit dem „Am­pe­ga Gen­derPlus Ak­ti­en­fonds“als ers­te Ka­pi­tal­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft ei­nen Pu­bli­kums­fonds auf, der die­sen In­dex als Grund­la­ge für das Port­fo­lio­ma­nage­ment hat. Aus dem ge­sam­ten In­dex der ak­tu­ell rund 50 Ti­tel ent­hält, in­ves­tiert der Fonds der­zeit in 37 da­von. „Wir se­hen die gro­ße Be­deu­tung des The­mas in der Öf­fent­lich­keit“, sagt Man­fred Kö­ber­lein, Ge­schäfts­füh­rer der Am­pe­ga In­vest­ment, und führt wei­ter aus: „Mit dem Fonds er- mög­li­chen wir es auch pri­va­ten In­ves­to­ren, der Idee ei­ner Gen­der-Pa­ri­tät in Füh­rungs­po­si­tio­nen zu fol­gen.“

Man­fred Kö­ber­lein und sein Team sind von die­sem An­satz über­zeugt und set­zen ent­spre­chend ho­he Er­war­tun­gen in den Fonds mit dem Al­lein­stel­lungs-merk­mal Gleich­ge­wich­tung der Ge­schlech­ter in Füh­rungs­po­si­tio­nen. Ent­spre­chend dem In­dex in­ves­tiert der Fonds rein in deut­sche Ak­ti­en. Für die kon­kre­te Ti­tel­aus­wahl ist vor al­lem die Di­vi­den­den­stär­ke der Ak­ti­en ein Aus­wahl­kri­te­ri­um.

Ge­nau­er ge­sagt: Ne­ben dem Gen­der-An­satz sind sechs Punk­te bei der Ti­tel­aus­wahl aus­schlag­ge­bend, um in den Fonds zu ge­lan­gen. Das sind zum ei­nen Di­vi­den­den­ren­di­te, Di­vi­den­den­wachs­tum, Di­vi­den­den­kon­ti­nui­tät so­wie Ge­winnsta­bi­li­tät, Pay­out Ra­tio (das ist der Quo­ti­ent aus Di­vi­den­de je Ak­tie und Ge­winn je Ak­tie) und Di­vi­dend Free Cash­flow Co­ver, kurz FCF Co­ver ge­nannt (sprich: wie oft kann die Di­vi­den­de aus dem frei­en Cash­flow ei­nes Un­ter­neh­mens be­zahlt wer­den, ver­fügt es al­so über ge­nü­gend Bar­re­ser­ven). Al­les in al­lem ver­folgt der Fonds da­mit gleich zwei Stra­te­gi­en: Nach­hal­tig­keit auf der Gen­der-Ebe­ne und Kon­ti­nui­tät bei den Di­vi­den­den­zah­lun­gen. So er­hal­ten die An­le­ger nach An­sicht von Man­fred Kö­ber­lein ein Wachs­tums­pro­dukt mit gleich­zei­tig sehr gu­ter Di­vi­den­den­ren­di­te.

Auf die Grün­de für die­sen In­vest­ment­an­satz an­ge­spro­chen, führt Man­fred Kö­ber­lein aus, dass der Gen­der-Di­ver­si­ty-An­satz ein bis­her kaum be­ach­te­tes Kri­te­ri­um ist, das aber durch­aus als Qua­li­täts­fil­ter die­nen kann. Schließ­lich ste­he in der wirt­schaft­li­chen Dis­kus­si­on der­zeit die Fra­ge im Raum, ob Un­ter­neh­men mit Frau­en und Män­nern in Füh­rungs­po­si­tio­nen nicht er­folg­rei­cher sei­en als sol­che, die aus­schließ­lich von Män­nern ge­lei­tet wür­den. Zwar las­se die Stu­di­en­la­ge der­zeit kei­ne ein­deu­ti­ge Aus­sa­ge zu, ei­ne Ten­denz zu bes­se­ren Er­geb­nis­sen von ge­mischt-ge­schlecht­li­chen Füh­rungs­eta­gen sei aber durch­aus zu er­ken­nen. So wie­sen re­nom­mier­te Stu­di­en wie bei­spiels­wei­se das „Re­se­arch In­sti­tu­te“der Cre­dit Suis­se und „Wo­men Mat­ter“von McKin­sey auf ei­nen welt­weit er­kenn­ba­ren Trend hin, nach dem ge­mischt-ge­schlecht­lich ge­führ­te Un­ter­neh­men mess­bar er­folg­rei­cher sind.

Laut der McKin­sey-Stu­die „Wo­men Mat­ter“sind männ­lich-weib­li­che Füh­rungs­teams und ih­re Un­ter­neh­men deut­lich er­folg­rei­cher bei Ge­winn­mar­ge und Un­ter­neh­men­sper­for­mance, was sich wie­der­um im Ak­ti­en­kurs po­si­tiv aus­wirkt. Die Stu­die be­sagt wei­ter­hin, dass Un­ter­neh­men mit ei­ner ho­hen Frau­en­quo­te in den Vor­stands­eta­gen die höchs­te Per­for­mance er­lang­ten.

Der wech­sel­sei­ti­ge und kom­ple­men­tä­re Füh­rungs­stil wird in der Stu­die als we­sent­li­che Ur­sa­che für die bes­se­re Per­for­mance an­ge­ge­ben. Die Fra­ge nach der Wir­kung von Frau­en in der Un­ter­neh­mens­füh­rung sei so­mit ei­ne ernst­haf­te Per­for­mance- (Ak­ti­en­kurs) und Ge­winn­mar­gen-Fra­ge (Di­vi­den­de) bei Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten. Nach Sicht von Man­fred Kö­ber­lein eig­net sich der Am­pe­ga Gen­derPlus Ak­ti­en­fonds be­son­ders als An­spar­plan zur lang­fris­ti­gen Ver­mö­gens­bil­dung.

FOTO: THINKSTOCK/BANANASTOCK

Das The­ma Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen ist nicht nur ge­sell­schafts­po­li­tisch re­le­vant. Stu­di­en le­gen na­he, dass Un­ter­neh­men mit ge­misch­ten Füh­rungs­teams bes­ser per­for­men.

FOTO: A. MÜLLER

Man­fred Kö­ber­lein von Am­pe­ga In­vest­ment

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