Der fei­ne Un­ter­schied

Rheinische Post Goch - - EXTRA UNABHÄNGIGE - VON MAT­THI­AS VON AR­NIM

An­la­ge­be­ra­ter, Ho­nor­ar­be­ra­ter oder (Un­ab­hän­gi­ger) Ver­mö­gens­ver­wal­ter? Für die Ver­mö­gens­an­la­ge bie­ten ver­schie­de­ne In­sti­tu­te und Ex­per­ten ger­ne ih­re Di­ens­te an. An­le­ger soll­ten die Un­ter­schie­de und An­for­de­rungs­pro­fi­le ken­nen.

An­la­ge­be­ra­ter

Auf­ga­be: An­la­ge­be­ra­ter ver­wal­ten das Ver­mö­gen ih­rer Kun­den nicht, son­dern ge­ben nur An­la­ge­emp­feh­lun­gen, je nach Ver­trag kön­nen sie auch Zu­griff auf das An­la­ge­kon­to von Kun­den ha­ben und das Port­fo­lio ak­tiv ma­na­gen. Sie ver­mit­teln De­pot­kon­ten und Fi­nanz­pro­duk­te und er­hal­ten da­für von den An­bie­tern Pro­vi­sio­nen.

An­spruch: Pro­fes­sio­nel­le An­la­ge­be­ra­ter set­zen sich mit ih­ren Kun­den zu­sam­men und er­ar­bei­ten mit ih­nen ei­ne Ver­mö­gens-Struk­tur, die auf die Si­cher­heits­be­dürf­nis­se des je­wei­li­gen Kun­den ein­geht und im Rah­men die­ses de­fi­nier­ten Ri­si­ko­pro­fils ei­nen op­ti­ma­len An­la­ge­er­folg bringt. Da­bei soll­ten An­la­ge­be­ra­ter im Ide­al­fall die kom­plet­te Pa­let­te von Wert­pa­pie­ren, Fi­nanz­pro­duk­ten und An­la­ge­klas­sen be­rück­sich­ti­gen kön­nen.

Be­son­de­re Her­aus­for­de­rung: Ein ein­zel­ner Be­ra­ter kann nie­mals Ex­per­te für al­le Fi­nanz­the­men sein. Gu­te An­la­ge­be­ra­ter grei­fen des­halb für wei­ter­füh­ren­de The­men auf ein Netz­werk an Ex­per­ten zu­rück. Ein Vor­teil ei­ni­ger gut ge­führ­ter An­la­ge­be­ra­tungs-Un­ter­neh­men ge­gen­über vie­len frei­en An­la­ge­be­ra­tern ist es, dass bei die­sen Un­ter­neh­men die Ex­per­ten für die ein­zel­nen The­men un­ter ei­nem Dach sit­zen.

Ho­nor­ar­be­ra­ter

Auf­ga­be: Ho­nor­ar­be­ra­ter ha­ben das iden­ti­sche An­for­de­rungs­pro­fil wie An­la­ge­be­ra­ter. Al­ler­dings un­ter­schei­det sich das Bu­si­ness­mo­dell, denn sie er­hal­ten von den Kun­den ein Ho­no­rar für ih­re Di­enst­leis­tung. Die Pro­vi­sio­nen der Emit­ten­ten lei­ten Ho­nor­ar­be­ra­ter an ih­re Kun­den wei­ter.

An­spruch: Ho­nor­ar­be­ra­ter punk­ten mit ih­rer Un­ab­hän­gig­keit von Fi­nanz­pro­duk­teAn­bie­tern. Sie ver­spre­chen ei­ne ob­jek­ti­ve, nur am An­la­ge­er­folg ori­en­tier­te Be­ra­tung. Ihr Ar­gu­ment: Sie ha­ben kei­nen Grund, dem Kun­den ein schlech­te­res Pro­dukt zu emp­feh­len, nur weil die Pro­vi­si­on ei­nes An­bie­ters sie da­zu ver­lei­ten könn­te.

Be­son­de­re Her­aus­for­de­rung: Un­ter dem Strich muss ei­ne Ho­nor­ar­be­ra­tung für An­le­ger nicht teu­rer sein als ei­ne klas­si­sche An­la­ge­be­ra­tung. Da der Kun­de am En­de des Be­ra­tungs­ge­sprächs oder je nach Ver­trag mo­nat­lich ei­ne Rech­nung prä­sen­tiert be­kommt, fühlt es sich je­doch für den Kun­den an­ders an.

Ver­mö­gens­ver­wal­ter

Auf­ga­be: Wie der Na­me es schon ver­rät, ver­wal­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter das Ver­mö­gen ih­rer Kun­den. Sie ha­ben Zu­griff auf das An­la­ge­kon­to ih­rer Kun­den und ma­na­gen de­ren Port­fo­lio ak­tiv. Grund­sätz­lich ist der Gang zum Ver­mö­gens­ver­wal­ter erst ab ei­ner be­stimm­ten Ver­mö­gens­sum­me sinn­voll, in der Re­gel ab ei­ner Sum­me von 500.000 Eu­ro oder ei­ner Mil­li­on Eu­ro, je nach An­bie­ter. Je nach Ver­mö­gens­struk­tur er­he­ben Ver­mö­gens­ver­wal­ter ei­ne Grund­ge­bühr und/oder leis­tungs­be­zo­ge­ne Ge­büh­ren, die sich am Auf­wand und dem Er­folg des Ver­mö­gens­ma­nage­ments ori­en­tie­ren. Ins­be­son­de­re Unabhängige Ver­mö­gens­ver­wal­ter – lei­ten Pro­vi­sio­nen und Kick­backs an ih­re Man­dan­ten wei­ter.

An­spruch: Ver­mö­gens­ver­wal­tung ba­siert auf Ver­trau­en. An­le­ger, die sich an ei­nen Ver­mö­gens­ver­wal­ter wen­den, be­spre­chen mit ihm ein­ma­lig und in der Fol­ge höchs­tens nur noch in ei­nem Jah­res­ge­spräch die grund­sätz­li­che An­la­ge­Stra­te­gie und über­las­sen an­sons­ten das Ta­ges­ge­schäft dem Ex­per­ten. Auch für Ver­mö­gens­ver­wal­ter gilt: Sie soll­ten im Ide­al­fall sämt­li­che An­la­ge­klas­sen be­rück­sich­ti­gen kön­nen.

Be­son­de­re Her­aus­for­de­rung: Die Ver­mö­gens­ver­wal­ter-Bran­che ist sehr viel­schich­tig. Ne­ben Ein-Per­so­nen-Un­ter­neh­men gibt es Part­ner-Zu­sam­men­schlüs­se, grö­ße­re Unabhängige Ver­wal­ter, ex­klu­si­ve Pri­vat­ban­ken und die so­ge­nann­ten Pri­va­te-Ban­kin­go­der We­alth-Ma­nage­men­tAb­tei­lun­gen der Groß­ban­ken. Je­der die­ser An­bie­ter bie­tet sei­nen Kun­den Vor- und Nach­tei­le. Ein wich­ti­ger Fak­tor: Zwi­schen Kun­den und Be­ra­ter muss die Che­mie stim­men.

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