Flücht­lings­kri­se: Ga­b­ri­el er­höht Druck auf Uni­on

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON JAN DREBES UND BIR­GIT MARSCHALL

Mor­gen tref­fen sich die Ko­ali­ti­ons­spit­zen in Berlin. SPD-Chef Ga­b­ri­el warnt Kanz­le­rin Mer­kel und CSU-Chef See­ho­fer da­vor, we­gen Streits in der Uni­on als Re­gie­rung hand­lungs­un­fä­hig zu wer­den.

BERLIN Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­b­ri­el hat sich mit deut­li­cher Kri­tik in den Uni­ons­zwist über den Kurs in der Flücht­lings­po­li­tik ein­ge­klinkt. Kurz vor dem Spit­zen­tref­fen am Sonn­tag drang der SPD-Vor­sit­zen­de auf ei­ne ra­sche Ei­ni­gung: „An­ge­sichts der gro­ßen Her­aus­for­de­rung un­se­res Lan­des we­gen der star­ken Zu­wan­de­rung von Flücht­lin­gen be­droht der Streit zwi­schen CDU und CSU in­zwi­schen die Hand­lungs­fä­hig­keit der Re­gie­rung“, sag­te Ga­b­ri­el „Spie­gel On­li­ne“. Die Form der ge­gen­sei­ti­gen Er­pres­sung und Be­schimp­fung sei „un­wür­dig und schlicht ver­ant­wor­tungs­los“, so der SPD-Chef.

Ga­b­ri­el be­zog sich da­mit auf ein Ul­ti­ma­tum zur Be­gren­zung des Zus­troms, das der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel bis mor­gen ge­stellt hat­te. Mer­kel hat­te aber er­klä­ren las­sen, ei­ne schnel­le Än­de­rung der La­ge sei nicht zu er­war­ten. Wäh­rend die SPD-Par­tei­vi­ze­vor­sit­zen­den Thors­ten Schä­fer-Güm­bel und Ralf Steg­ner die CSU als rea­li­täts­fern at­ta­ckier­ten, sag­te Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Pe­ter Alt­mai­er (CDU), der auch Flücht­lings­ko­or­di­na­tor der Re­gie­rung ist, er se­he kei­ne Kri­se der gro­ßen Ko­ali­ti­on.

Bei Vor­ge­sprä­chen zwi­schen Mer­kel und See­ho­fer heu­te und beim Drei­er­gip­fel mor­gen wird es auch um ei­ne Ei­ni­gung über die von der Uni­on ge­for­der­ten Tran­sit­zo­nen ge­hen. Die SPD steht auf der Brem­se und warnt vor „Haft­an­stal­ten“an den Gren­zen. Zu­dem wird er­war­tet, dass sich Mer­kel, Ga­b­ri­el und See­ho­fer auf ei­ne For­mu­lie­rung zur Be­gren­zung des Flücht­lings­zu­stroms und des Fa­mi­li­en­nach­zugs ei­ni­gen. Ge­lingt das nicht, steht See­ho­fer als Ge­schei­ter­ter da.

Die Bun­des­re­gie­rung will zu­dem den so­zia­len Woh­nungs­bau durch die ver­bil­lig­te Ab­ga­be wei­te­rer ei­ge­ner Im­mo­bi­li­en an die Kom­mu­nen an­kur­beln. Dies geht aus ei­ner Vor­la­ge des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums für den Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt.

Bis­her war die Ab­ga­be von Bun­des­im­mo­bi­li­en deut­lich un­ter dem Ver­kehrs­wert und oh­ne Bie­ter­ver­fah­ren an die Kom­mu­nen auf die ehe­mals mi­li­tä­risch ge­nutz­ten „Kon­ver­si­ons­flä­chen“des Bun­des be­schränkt. Jetzt „wird die ver­bil­li­gungs­fä­hi­ge Nut­zungs­art des so­zia­len Woh­nungs­baus über Kon­ver­si­ons­lie­gen­schaf­ten hin­aus auf den ge­sam­ten Lie­gen­schafts­be­stand der Bun­des­an­stalt für Im­mo­bi­li­en­auf­ga­ben er­wei­tert“, heißt es im Pa­pier.

Bis­lang soll­te der Ra­batt auf sol­che Im­mo­bi­li­en in den Haus­halts­jah­ren 2015 bis 2018 auf den Ge­samt­wert von 100 Mil­lio­nen Eu­ro ge­de­ckelt wer­den. Die­se De­cke­lung wer­de jetzt auf­ge­ho­ben, schreibt Staats­se­kre­tär Jens Spahn (CDU) an den Aus­schuss, der die Vor­la­ge nächs­te Wo­che bil­li­gen soll.

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