Ler­nen am an­de­ren En­de der Welt

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON EMI­LY SENF

Et­wa 20.000 Ju­gend­li­che ge­hen je­des Jahr für ei­nen Schü­ler­aus­tausch ins Aus­land. Be­lieb­tes­tes Land da­für sind nach wie vor die USA. Es kann aber auch be­rei­chernd sein, ei­nen Schü­ler in der ei­ge­nen Fa­mi­lie auf­zu­neh­men.

METT­MANN Wenn Lau­ra Rib­be­he­ge ans an­de­re En­de der Welt fliegt, nennt sie das „nach Hau­se kom­men“. In der aus­tra­li­schen Stadt Ho­bart hat die 19-Jäh­ri­ge ei­ne zwei­te Fa­mi­lie ge­fun­den. Beim Ehe­paar Cree­se, ih­rer Toch­ter Emi­ly und Hund Jack ver­brach­te sie in der zehn­ten Klas­se ein Aus­lands­jahr. Das hat sie für im­mer ver­än­dert, be­rich­tet die jun­ge Frau. „Die zehn Mo­na­te ga­ben mir die Chan­ce, mei­nen Ho­ri­zont zu er­wei­tern und über die ei­ge­nen Gren­zen hin­aus­zu­ge-

Al­ba Bru­gues (15) hen“, sagt sie. Und weil Aus­tra­li­en sie nicht los­ge­las­sen hat, ist die 19Jäh­ri­ge nach dem Abitur ein­fach noch ein­mal hin­ge­flo­gen.

Et­wa 20.000 deut­sche Schü­ler ge­hen je­des Jahr für ei­nen mehr­mo­na­ti­gen Auf­ent­halt ins Aus­land. Auf Platz eins der Wun­sch­lis­te ste­hen seit Jah­ren die USA. Al­lein der ge­mein­nüt­zi­ge Ver­ein AFS In­ter­kul­tu­rel­le Be­geg­nun­gen aus Hamburg schickt jähr­lich mehr als 400 Ju­gend­li­che in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Da­hin­ter folgt Ar­gen­ti­ni­en mit knapp 70 Schü­lern. Schluss­licht sind ost­eu­ro­päi­sche Län­der, Nach­bar­län­der wie die Nie­der­lan­de und Bel­gi­en so­wie Ägyp­ten und Süd­afri­ka mit je­weils nur ein bis zwei Aus­tausch­schü­lern. Im Auf­wärts­trend sind asia­ti­sche Staa­ten; im Pro­gramm­jahr 2014/15 zog es über den AFS un­ter an­de­rem 29 Schü­ler nach Chi­na, 15 nach Ma­lay­sia, 35 nach Thai­land und 22 nach Ja­pan.

Lau­ra Rib­be­he­ge aus dem eher be­schau­li­chen Mett­mann kam in Aus­tra­li­en in ei­nem an­de­ren Le­ben an. Mit der Fa­mi­lie wohn­te die 19Jäh­ri­ge auf ei­nem 20.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stück, nur zehn Mi­nu­ten vom Strand ent­fernt. In der Schu­le muss­te sie zwar ei­ne Uni­form tra­gen, da­für gab es aber kei­ne Haus­auf­ga­ben. Der­zeit wohnt sie wie­der bei ih­rer Gast­fa­mi­lie und ar­bei­tet in ei­nem Ho­tel.

Der Düs­sel­dor­fer Mo­ritz Bie­ber lebt seit Au­gust in Se­at­tle. Sechs Mo­na­te will der 15-Jäh­ri­ge blei­ben, sei­ne Sprach­kennt­nis­se ver­tie­fen und Freund­schaf­ten schlie­ßen. An­ders als vie­le an­de­re Aus­tausch­schü­ler lebt er nicht auf dem plat­ten Land, son­dern in ei­ner Groß­stadt.

Lau­ra Rib­be­he­ge (19) Die Schu­le ist 800 Me­ter ent­fernt. Mit der Fa­mi­lie un­ter­nimmt er Aus­flü­ge, und auch sport­lich ist er an­ge­kom­men: Er wur­de Fan des ört­li­chen Foot­ball-Teams „Se­at­tle Sea­hawks“. Bis­lang blieb Mo­ritz Bie­ber vom Heim­weh ver­schont: „Weih­nach­ten in den USA wird be­stimmt span­nend“, sagt er. Für das Land hat­te sich der Ju­gend­li­che ent­schie­den, weil er be­reits die Spra­che konn­te und im­mer schon mal da­hin ge­wollt hat­te. Va­ter Chris­toph Schro­eter un­ter­stützt sei­nen äl­tes­ten Sohn ger­ne. „Er sam­melt Er­fah­run­gen fürs Le­ben“, sagt er. Bil­lig ist das nicht. Der 44-Jäh­ri­ge zahlt knapp 8500 Eu­ro an ei­ne Aus­tausch­or­ga­ni­sa­ti­on, et­wa 300 Eu­ro für das Vi­sum so­wie mo­nat­lich 220 Eu­ro Ta­schen­geld an sei­nen Sohn. Der muss­te zu­vor ein Be­wer­bungs­ver­fah­ren durch­lau­fen und in ei­nem In­ter­view auf Eng­lisch be­ste­hen. „Ich hät­te nicht ge­dacht, dass das so auf­wen­dig ist“, sagt der Va­ter. Vic­to­ria Wil­lems (15) fliegt im Fe­bru­ar für ein Jahr nach Ala­jue­la in Cos­ta Ri­ca.

Al­ba Bru­gues (15) ist für ein Jahr aus Spa­ni­en in die Fa­mi­lie Wie­gers­ma nach

Bedburg-Hau am Nie­der­rhein ge­kom­men.

„Wenn man sich ein­mal an­ge­freun­det hat, sind

die Deut­schen treu“

Aus­tausch­schü­le­rin aus Spa­ni­en

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