Hal­lo­ween – der gru­se­li­ge Kar­ne­val

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON OLI­VER BURWIG

Die le­ben­de Lei­che ist das be­lieb­tes­te Hal­lo­ween-Ko­s­tüm. Hoch im Kurs sind auch Edel-Ver­klei­dun­gen.

DÜSSELDORF Über ka­tho­li­sche Iren ge­lang­te es vor mehr als ei­nem Jahr­hun­dert in die USA, durch Hol­ly­wood, Pub- und Pop­kul­tur vor rund 20 Jah­ren nach Deutsch­land. Hal­lo­ween, das heu­te ge­fei­ert wird, ist grell und gleich­zei­tig düs­ter, bringt zu­sam­men und schei­det die Geis­ter, er­freut Kin­der, Er­wach­se­ne und die Plas­tik­in­dus­trie. Es ist auch hier­zu­lan­de Tra­di­ti­on ge­wor­den und zeigt da­bei, dass Bräu­che sich ver­än­dern kön­nen.

„Die klas­si­schen Ko­s­tü­me ver­lie­ren an Be­deu­tung“, sagt Re­né Ge­org, In­ha­ber des Düs­sel­dor­fer „Par­ty-Dis­counts“. Seit Jah­ren be­stim­men Zom­bie-Ko­s­tü­me das Pro­gramm, und die müs­sen nicht im­mer von der Stan­ge kom­men: Die Leu­te sei­en „fan­ta­sie­vol­ler“ge­wor­den und wür­den vor al­lem Ein­zel­tei­le und Schmin­ke kau­fen, um sich ih­re ei­ge­nen Ko­s­tü­me zu­sam­men­zu­stel­len. An­de­re wol­len eher kunst­vol­le Ko­s­tü­me im Sti­le des me­xi­ka­ni­schen Na­tio­nal­fei­er­tags „Dia de los mu­er­tos“, dem „Tag der To­ten“: weiß ge­schmink­te Ge­sich­ter, To­ten­köp­fe und schwar­ze Lei­chen- ge­wän­der. „Auf den Par­tys sieht man aber, dass die meis­ten es blu­tig mö­gen“, sagt Ge­org.

Björn Lin­dert, Ge­schäfts­füh­rer der Ko­s­tüm­haus-Ket­te „Dei­ters“, sieht im­mer mehr Hin­wei­se dar­auf, wie viel­fäl­tig die Men­schen Hal­lo­ween fei­ern: „Es gibt mitt­ler­wei­le vie­le ed­le­re Ver­an­stal­tun­gen, für die sich die Men­schen teil­wei­se un­fass­bar auf­wen­di­ge Ko­s­tü­me zu­le­gen.“Zu der­ar­ti­gen An­läs­sen greift ein Groß­teil sei­ner Kun­den tief ins Porte­mon­naie und die Ko­s­tüm­kis­te: Für fal­sche Kon­takt­lin­sen, Kunst­blut, ver­schie­den­far­bi­ge Schmin­ke und so­gar Kom­bi­na­tio­nen aus ver­schie­de­nen Ko­s­tü­men be­zah­len ei- ni­ge bis zu 100 Eu­ro und mehr. „In Dis­cos gibt es aber na­tür­lich auch vie­le, de­nen es reicht, sich nur ein biss­chen zu ver­än­dern“, sagt Lin­dert. Die­se sei­en oft auch schon zu­frie­den, sich für 20 Eu­ro „güns­tig ein­zu­klei­den“– je nach­dem, wo sie hin­wol­len und was Hal­lo­ween für sie be­deu­tet: „Ei­ni­ge wol­len aus dem All­tag aus­bre­chen, sich in an­de­re Fi­gu­ren ver­wan­deln oder sich vi­el­leicht auch ein­mal hin­ter ei­ner Mas­ke ver­ste­cken.“

Vie­le Er­wach­se­ne und Ju­gend­li­che nut­zen den Abend vor Al­ler­hei­li­gen und ge­hen heu­te ver­klei­det auf Par­tys, wäh­rend Kin­der auf der Jagd nach Sü­ßig­kei­ten sind. Bei die­ser eben­falls aus den USA stam­men­den Tra­di­ti­on zie­hen sie in gru­se­li­gen Ko­s­tü­men um die Häu­ser und dro­hen an je­der Haus­tür: „Sü­ßes oder Sau­res!“Wer dann nichts Sü­ßes gibt, be­kommt „Sau­res“– näm­lich klei­ne Strei­che ge­spielt. Ga­b­rie­le Dafft, Volks­kun­de-Re­fe­ren­tin des Land­schafts­ver­ban­des Rhein­land, er­klärt sich die Be­liebt­heit über die Al­ters­grup­pen hin­weg so: „Hal­lo­ween ist wie ein Ruck­sack, aus dem man sich her­aus­neh­men kann, was man möch­te.“

FO­TOS: HANS-JÜR­GEN BAU­ER

An­net­te Gott­schalk (19) als Ske­lett­braut-He­xe.

Stu­dent Mar­cel Wald (29) in sei­nem blu­ti­gen Zom­bie-Morphsu­it.

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