32-Jäh­ri­ger ge­steht Mor­de an zwei Jun­gen

Rheinische Post Goch - - PANORAMA -

Der fest­ge­nom­me­ne Wach­mann leg­te ein um­fas­sen­des Ge­ständ­nis ab. Er gab zu, ne­ben dem klei­nen Flücht­lings­jun­gen Mo­ha­med auch den seit Mo­na­ten ver­miss­ten Eli­as se­xu­ell miss­braucht und ge­tö­tet zu ha­ben.

BERLIN (dpa) Der fürch­ter­li­che Ver­dacht be­stä­tigt sich schnell. Schon nach der Fest­nah­me ei­nes Ver­däch­ti­gen im Fall Mo­ha­med am Don­ners­tag frag­ten sich Po­li­zei und vie­le Bür­ger: Gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ver­schwin­den des klei­nen Flücht­lings­jun­gen in Berlin und des sechs­jäh­ri­gen Eli­as in Pots­dam? Ges­tern dann die Nach­richt von Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft: Der mut­maß­li­che Mör­der von Mo­ha­med hat in der Nacht ge­stan­den, auch Eli­as um­ge­bracht zu ha­ben.

Am Nach­mit­tag fand die Po­li­zei auf ei­nem Schre­ber­gar­ten­grund­stück, na­he Lu­cken­wal­de, das der Mann seit ei­nem Jahr ge­pach­tet hat, ei­ne wei­te­re Lei­che. Ob es sich da­bei wirk­lich um Eli­as han­delt, soll ei­ne Ob­duk­ti­on klä­ren. Das Er­geb­nis liegt wohl erst am Mon­tag vor. Der Ver­däch­ti­ge, der als Wach­mann in Bran­den­burg ar­bei­te­te, hat­te der Po­li­zei ei­ne Stel­le skiz­ziert, wo Eli­as ver­gra­ben sei.

Wei­te­re De­tails sorg­ten für Er­schüt­te­rung und Trau­er. Der mut­maß­li­che Mör­der sag­te aus, er ha­be nur Klei­dung und Plüsch­tie­re für die Flücht­lin­ge vor der An­lauf­stel­le in Berlin-Moabit spen­den wol­len. Er sei dann in dem Men­schen­ge­wim­mel von Hun­der­ten Flücht­lin­gen auf Mo­ha­med auf­merk­sam ge­wor­den und ha­be ihm ein Plüsch­tier ge­ge­ben. Der Jun­ge sei dann hin­ter ihm her­ge­lau­fen und mit zum Au­to ge­kom­men. Mo­ha­med wur­de nach Aus­sa­ge des Tä­ters noch am Abend und in der Nacht der Ent­füh­rung vom 1. Ok­to­ber im Ober­ge­schoss des El­tern­hau­ses in Kal­ten­born in Süd­bran­den­burg se­xu­ell miss­braucht. Das Kind ha­be „ge­quen­gelt und ge­mault“und weg ge­wollt, zi­tier­te Ober­staats­an­walt Micha­el von Ha­gen die Aus­sa­gen des Tä­ters. Aus Angst, ent­deckt zu wer­den, ha­be der Mann den Jun­gen dann mit ei­nem Gür­tel er­dros­selt. Die Lei­che de­po­nier­te er zu­nächst auf dem Dach­bo­den in ei­ner Wan­ne. Zwei bis drei Sä­cke Kat­zen­streu kipp­te er über den to­ten Kör­per, um Lei­chen­ge­ruch zu ver­mei­den.

Zu der Ent­füh­rung und dem Mord an Eli­as äu­ßer­te sich der 32-Jäh­ri­ge nach An­ga­ben der Staats­an­wäl­te bis­her noch nicht so aus­führ­lich. Er deu­te­te dem­nach nur an, dass er auch Eli­as sehr schnell nach der Ent­füh­rung ge­tö­tet ha­be.

Ei­nen Zu­sam­men­hang mit ei­nem drit­ten Fall sa­hen die ver­schie­de­nen Kri­mi­nal­po­li­zei­be­hör­den zu­nächst nicht: Am 2. Mai ver­schwand die fünf­jäh­ri­ge In­ga in ei­nem Wald bei Sten­dal in Sach­sen-An­halt. Bis­her ge­be es kei­ne Hin­wei­se auf ei­nen Zu­sam­men­hang mit den Ent­füh­run­gen der bei­den Jun­gen.

In Kal­ten­born, ei­nem Orts­teil von Nie­der­görs­dorf, dem Wohn­ort des Tä­ters, zeig­ten sich Be­woh­ner er­schüt­tert. „Ich kann das gar nicht fas­sen“, sagt ei­ne 22-Jäh­ri­ge, die di­rekt ge­gen­über des mut­maß­li­chen Dop­pel­mör­ders wohnt. „Das war im­mer ein ru­hi­ger und freund­li­cher Mensch.“Ein scheu­er Ein­zel­gän­ger sei der 32-Jäh­ri­ge ge­we­sen, sagt die Nach­ba­rin. „Er hat im­mer nachts ge­ar­bei­tet und hat­te, so­weit ich weiß, kaum so­zia­le Kon­tak­te. Er war meist zu Hau­se.“Abends sei er häu­fig mit sei­nen El­tern zum Es­sen ge­gan­gen. „Auf mich wirk­ten die im­mer wie ei­ne har­mo­ni­sche Fa­mi­lie“, er­in­nert sie sich.

In Pots­dam-Schlaatz, wo die Fa­mi­lie von Eli­as wohn­te, sagt ei­ne 30jäh­ri­ge Nach­ba­rin: „Ich bin sehr be­trof­fen. Ich ha­be selbst ei­nen Jun­gen im glei­chen Al­ter wie Eli­as. Im ver­gan­ge­nen Jahr ha­be ich ihn auf ei­nem Volks­fest mal fünf Mi­nu­ten aus den Au­gen ver­lo­ren, und das war ab­so­lu­ter Hor­ror.“

In Berlin be­gann un­ter­des­sen ei­ne Dis­kus­si­on dar­über, ob die mo­na­te­lan­gen chao­ti­schen Zu­stän­de vor der An­lauf­stel­le für Flücht­lin­ge im Stadt­teil Moabit ih­ren Teil zum Tod von Mo­ha­med bei­tru­gen. Der Tür­ki­sche Bund in Berlin-Bran­den­burg (TBB) sah die Lan­des­re­gie­rung in der Ver­ant­wor­tung: „Der Ber­li­ner Se­nat trägt mit sei­ner un­end­lich ver­lang­sam­ten Re­ak­ti­on auf die seit Mo­na­ten be­män­gel­ten chao­ti­schen Ver­hält­nis­se vor dem Lageso ei­ne Mit­schuld dar­an, dass die­ses Ver­bre­chen be­gan­gen wer­den konn­te.“Zu­vor hat­te die Grü­nen-Lan­des­vor­sit­zen­de Bet­ti­na Ja­rasch dem „Ta­ges­spie­gel“ge­sagt, die chao­ti­schen Zu­stän­de am Lageso hät­ten dem Tä­ter ei­ne Ent­füh­rung leicht ge­macht.

FOTO: DPA

In die­sem Schre­ber­gar­ten na­he Lu­cken­wal­de fan­den die Er­mitt­ler die Lei­che des ge­tö­te­ten Eli­as. Der Tä­ter, ein 32 Jah­re al­ter Wach­mann, hat dort seit ei­nem Jahr ei­ne Par­zel­le ge­pach­tet.

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