Face­book to­le­riert Hass, aber kein Nackt­sein

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON HEN­NING BULKA UND KA­TRIN HAAS

DÜSSELDORF Das so­zia­le Netz­werk Face­book löscht im­mer wie­der Bil­der we­gen Nackt­heit, Hass­kom­men­ta­re wie bei­spiels­wei­se ge­gen Flücht­lin­ge al­ler­dings nicht. Dar­über will das Un­ter­neh­men auch nicht dis­ku­tie­ren, ge­schwei­ge denn sei­ne Richt­li­ni­en än­dern.

Der jüngs­te Fall: ei­ne Pro­test-Ak­ti­on des Ber­li­ner Fo­to­gra­fen Ol­li Wald­hau­er. Der hat ein Foto ge­pos­tet, auf dem ei­ne bar­bu­si­ge Frau und ein Mann mit Sei­ten­schei­tel zu se­hen sind. Der Mann hält ein Schild mit dem Schrift­zug: „Kauft nicht bei Ka­na­ken!“Da­mit woll­te der Fo­to­graf of­fen­bar pro­vo­zie­ren – und er­ziel­te die er­war­te­te Wir­kung: Das Foto wur­de von Face­book we­gen Nackt­heit ge­sperrt, nicht aber we­gen des be­wusst ras­sis­ti­schen Kom­men­tars.

Face­book löscht re­gel­mä­ßig Fo­tos von nack­ten Men­schen, weil die­se ge­gen die Stan­dards ver­sto­ßen. Auch Face­book-Nut­zer, die das be­trof­fe­ne Foto ver­brei­tet ha­ben, wur­den an­schlie­ßend ge­sperrt – we­gen ei­nes Ver­sto­ßes ge­gen die Ge­mein­schafts­stan­dards. Nach­dem auch zwei Bei­trä­ge von RP On­li­ne zu die­sem The­ma in­klu­si­ve des be­tref­fen- den Fo­tos ge­löscht wur­den, hat RP On­li­ne das Foto be­ar­bei­tet und ei­nen Text­block über den Bu­sen ge­legt. So müss­te es den Richt­li­ni­en von Face­book ent­spre­chen. Doch auch die­ses Bild wur­de ge­löscht.

Ei­ne Face­book-Spre­che­rin er­klär­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, das Un­ter­neh­men ver­ste­he, dass es ge­ra­de in Deutsch­land gro­ßer Kri­tik aus­ge­setzt sei. Face­book ha­be über­haupt kein Pro­blem mit der Ak­ti­on, „wenn dies da­zu bei­trägt, dass das The­ma Frem­den­feind­lich­keit in der Ge­sell­schaft dis­ku­tiert wird – auch auf Face­book“. Das Un­ter­neh­men wer­de es nicht zu­las­sen, dass ei­ne klei­ne Zahl von Nut­zern Face­book als Sprach­rohr für Hass und Ras­sis­mus miss­brau­che. „Da­her möch­ten wir, statt die­ses Foto und das The­ma Brüs­te auf Face­book zu dis­ku­tie­ren, lie­ber auf die Din­ge hin­wei­sen, die Face­book tut, um da­ge­gen zu hal­ten – ge­gen den Hass und ge­gen Frem­den­feind­lich­keit.“

Am En­de bleibt die Er­kennt­nis: Face­book ist kei­ne de­mo­kra­ti­sche Dis­kus­si­ons­platt­form, son­dern ein (auch noch bör­sen­no­tier­tes) Un­ter­neh­men, das selbst über die In­hal­te sei­ner Platt­form be­stim­men kann. Das darf man als Nut­zer eben nicht ver­ges­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.