Neue Stadt­ach­se nimmt zu­neh­mend Gestalt an

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON ROLF MINDERJAHN

So­wohl neue ar­chi­tek­to­ni­sche Glanz­stü­cke als auch das al­te his­to­ri­sche Herz sind ur­ba­ne Hots­pots in Lüt­tich.

Der spek­ta­ku­lä­re Bau des mar­mor­wei­ßen TGV-Bahn­hofs Guil­le­mins war nur der An­fang. Nun hat er il­lus­tre Ge­sell­schaft be­kom­men, in Form des ge­schwun­ge­nen Turms des neu­en Fi­nanz­ge­bäu­des, „Tour Pa­ra­dis“ge­nannt, der mit sei­nem De­sign und sei­nen 136 Me­tern Hö­he wie ein klei­ner Bru­der des Burj Al Ar­ab Ho­tels in Du­bai wirkt. Da­zu ge­sellt sich das wal­lo­ni­sche De­sign Cen­ter, das im Ok­to­ber er­öff­net hat.

Die neue Stadt­ach­se, die San­tia­go Ca­lat­ra­va beim Ent­wurf des Bahn­hofs zum Teil mit kon­zi­piert hat, nimmt mehr und mehr Gestalt an. Sie ver­läuft vom Bahn­hof bis zur Mé­di­a­cité, dem fu­tu­ris­ti­schen Ein­kaufs­zen­trum, ei­nem Werk des Ar­chi­tek­ten Ron Arad, und ist da­bei, das Stadt­bild von Lüt­tich zu ver­än­dern.

In­mit­ten die­ses Bo­gens liegt der Parc de la Bo­ve­rie auf ei­ner Maas­in­sel, zwi­schen Bahn­hof, Fi­nanz­turm und Mé­di­a­cité. Et­was un­ter­halb der wun­der­schö­nen Brü­cke Pont de Fragnée ver­bin­det dem­nächst ei­ne ul­tra­mo­der­ne Fuß­gän­ger- und Rad­fah­rer­brü­cke die bei­den Ufer, nur we­ni­ge Mi­nu­ten vom Bahn­hof und sei­ner neu­en Es­pla­na­de ent­fernt. Die­se Brü­cke soll die Men­schen ein­la­den, die In­sel und den idyl­li­schen Park zu be­su­chen, in des­sen Zen­trum sich das zu­künf­ti­ge „La Bo­ve­rie“be­fin­det, ein Kunst- und Aus­stel­lungs­zen­trum.

Der Park, der zwi­schen der Maas und der Dé­ri­va­ti­on (Ka­nal par­al­lel zur Maas) liegt, ist ein ur­ba­nes Er­ho­lungs­ge­biet ge­ra­de auch für Fa­mi­li­en. Ein wun­der­ba­rer Ort für Spa­zier­gän­ge, im­mer in der Nä­he der Maas, die hier ih­re wohl idyl­lischs­te Sei­te zeigt. Das im­po­san­te Ge­bäu­de in Bo­ve­rie, das für die Welt­aus­stel­lung von 1905 er­rich­tet wur­de, wird in Lüt­tich ab dem Früh­jahr 2016 voll­kom­men re­stau­riert als kul­tu­rel­ler Leucht­turm wie ein klei­ner Lou­vre glän­zen.

In die­ses Pa­lais mit sei­nen ma­jes­tä­ti­schen Sä­len und ge­wal­ti­gen Säu­len zieht das Mu­se­um der Schö­nen Küns­te von Lüt­tich ein, er­wei­tert um ei­nen neu­en Be­reich für tem­po­rä­re Ausstellungen. Ins­ge­samt bie­tet es 4200 Qua­drat­me­ter Aus­stel­lungs­flä­che. Der re­nom­mier­te fran­zö­si­sche Ar­chi­tekt Ru­dy Ric­ciot­ti setz­te das Kon­zept um. Er er­lang­te vor al­lem durch Mu­se­ums­pro­jek­te Be­kannt­heit – so das Mu­se­um der Zi­vi­li­sa­tio­nen Eu­ro­pas und des Mit­tel­meers (Mu­cem) in Mar- seil­le oder auch die Ab­tei­lung für is­la­mi­sche Kunst im Lou­vre. Dem Ar­chi­tek­ten war es wich­tig, das Ge­samt­bild des Parks zu er­hal­ten, nur we­ni­ge Neue­run­gen an­zu­brin­gen und sich in ers­ter Li­nie auf die his­to­ri­schen Merk­ma­le des Ge­bäu­des zu kon­zen­trie­ren.

Das sicht­bars­te neue Ele­ment ist ein rund 1000 Qua­drat­me­ter gro­ßer Flü­gel­an­bau, der in Rich­tung Os­ten ein­ge­fügt ist und über das Ufer des Dé­ri­va­ti­on-Ka­nals ragt. „Bei Lüt­tich den­ke ich, dass La Bo­ve­rie ein be­son­ders ro­man­ti­sches Are­al ist. Ich hat­te sehr viel Ehr­furcht vor dem Ge­bäu­de, so wie man sei­ne Ah­nen ach­tet. Es herr­schen Zu­rück­hal­tung, Dis­kre­ti­on und Be­schei­den­heit vor“, so der Ar­chi­tekt.

Die Bau­ar­bei­ten En­de 2015 ab­ge­schlos­sen sein. Ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit ist die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Pa­ri­ser Lou­vre. So ist für je­des Jahr ei­ne gro­ße ge­mein­sa­me Aus­stel­lung ge­plant. Die ers­te da­von mit dem Ti­tel „En plein air“wird am 5. Mai 2016 star­ten, wenn das Mu­se­um of­fi­zi­ell er­öff­net.

wer­den

Zwei der be­rühm­tes­ten Lüt­ti­cher Kir­chen sind in die­sem Jahr 1000 Jah­re alt ge­wor­den – zum ei­nen die Stifts­kir­che Saint-Jac­ques. Das wohl schöns­te und feins­te der Lüt­ti­cher Got­tes­häu­ser gilt als das be­mer­kens­wer­tes­te Denk­mal der Spät­go­tik in Bel­gi­en im im­po­san­ten Flam­men­stil (1514 – 1538).

Zum an­de­ren Saint-Bar­t­hé­le­my mit dem ein­zig­ar­ti­gen Tauf­be­cken, ein Ju­wel maas­län­di­scher Gold­schmie­de-

Ru­dy Ric­ciot­ti kunst. Als Pen­dant zu Lüt­tichs tau­send­jäh­ri­ger Ar­chi­tek­tur ist das Vier­tel um den Bahn­hof und die Maas­in­sel mit sei­nen de­si­gnori­en­tier­ten und mo­der­nen Bau­ten ein wun­der­schö­ner Kon­trast. Ei­ni­ge Schand­fle­cken des Bahn­hofs­vier­tels wer­den dann auch ver­schwun­den sein. Schon jetzt er­kennt man die Ge­gend kaum wie­der. Lüt­tich ist ei­ne Rei­se wert. Wer mit dem Zug in den Ca­lat­ra­va-Bahn­hof ein­fährt, kann sich da­von schon bei der An­kunft über­zeu­gen.

Al­le tou­ris­ti­schen In­for­ma­tio­nen zu Lüt­tich:

„La Bo­ve­rie ist in Lüt­tich ein be­son­ders ro­man­ti­sches Are­al“

Ar­chi­tekt des Stadt­park-Mu­se­ums

www.lie­ge­tou­ris­me.be

FOTO: LAMB­DA PHO­TO­GRA­PHY

Auch reiz­voll: Lüt­tich bei Nacht – mit al­ten und neu­en Wahr­zei­chen der Stadt.

FOTO: MINDERJAHN

Der Bahn­hof Liè­ge-Guil­le­mins mit dem neu­en Turm „Tour Pa­ra­dis“im Hin­ter­grund.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.