Haus­halt Uedem feh­len 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST - VON AN­JA SETT­NIK

Der Ent­wurf des Haus­halts­plans für das Jahr 2016 sieht ei­nen Fehl­be­trag vor. Im Rat ver­kün­de­te Bür­ger­meis­ter Rai­ner We­ber, dass künf­tig wohl Kas­sen­kre­di­te in An­spruch ge­nom­men wer­den müs­sen. Aus­gleichs­rück­la­ge an­ge­grif­fen.

UEDEM Die er­käl­tungs­be­dingt brü­chi­ge Stim­me von Ue­dems Bür­ger­meis­ter Rai­ner We­ber pass­te gut zu dem, was er in der jüngs­ten Rats­sit­zung zu ver­kün­den hat­te: ei­ne deut­lich schlech­ter wer­den­de Fi­nanz­la­ge. We­ber brach­te den Ent­wurf des

Rai­ner We­ber Haus­halts­plans für das Jahr 2016 ein, nach­dem er zu­vor – ver­mut­lich zum letz­ten Mal für Jah­re – ei­nen Jah­res­über­schuss hat­te fest­stel­len kön­nen. Der be­zog sich al­ler­dings auf das Jahr 2013. 890 000 Eu­ro hat­ten der Aus­gleich­rück­lag zu­ge­führt wer­den kön­nen.

Die Si­tua­ti­on heu­te und mor­gen stellt sich we­ni­ger be­frie­di­gend dar: Das Jahr 2014 wer­de ei­nen Jah­res­fehl­be­trag von über 500 000 Eu­ro aus­wei­sen, aus dem lau­fen­den Jahr ver­ab­schie­det sich die Ge­mein­de mit ei­nem De­fi­zit von ei­ner knap­pen Mil­li­on Eu­ro. Un­ter an­de­rem sind es nicht er­ziel­te Er­trä­ge aus Grund­stücks­ver­käu­fen, die die Er­trags­la­ge schmä­lern. Wäh­rend die Ein­nah­men we­ni­ger wer­den, meh­ren sich die Aus­ga­ben – in Uedem wie in al­len an­de­ren Kom­mu­nen. Ins­be­son­de­re der so­zia­le Be­reich samt Flücht­lings­pro­ble­ma­tik macht er­heb­li­che Mehr­auf­wen­dun­gen nö­tig. Nur gut, dass zu­min­dest das Ge­wer­be­steu­er­auf­kom­men in Uedem noch gut aus­sieht: 4,3 statt er­war­te­ter 3,6 Mil­lio­nen Eu­ro wur­den im Jahr 2015 ein­ge­nom­men.

Der ers­te Satz We­bers zum Haus­halts­plan 2016 dürf­te den Ue­de­mern, die so et­was gar nicht ge­wohnt sind, übel auf­sto­ßen: „Der Haus­halt 2016 kann nicht aus­ge­gli­chen wer­den.“Ge­samt­auf­wen­dun- gen in Hö­he von rund 17,2 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen näm­lich Er­trä­ge von nur 15,6 Mil­lio­nen Eu­ro ge­gen­über, was ei­nen Fehl­be­trag von et­wa 1,6 Mil­lio­nen Eu­ro aus­macht. „Zur Her­bei­füh­rung des fik­ti­ven Haus­halts­aus­gleichs muss der vor­aus­sicht­li­che Fehl­be­trag der Aus­gleichs­rück­la­ge ent­nom­men wer- den.“Die je­doch trotz ei­ner Zu­füh­rung aus dem Jahr 2013 kei­nes­falls mehr be­son­ders gut da steht, denn die (noch nicht ganz ab­ge­schlos­se­nen) Jah­res­rech­nun­gen der Fol­ge­jah­re ha­ben nicht die Sub­stanz, die Rück­la­ge aus­zu­pols­tern. We­ber rech­net da­mit, dass sich bis 2019 er­heb­li­che Fehl­be­trä­ge sum­mie­ren und die Aus­gleichs­rück­la­ge schon 2018 nicht mehr aus­rei­chen wird, um das De­fi­zit aus­zu­glei­chen. Um zah­lungs­fä­hig zu blei­ben, müs­sen künf­tig wohl Kas­sen­kre­di­te in An­spruch ge­nom­men wer­den, was in Uedem bis­her im­mer ver­mie­den wer­den konn­te. Drei Mil­lio­nen Eu­ro sind für al­le Fäl­le als Höchst­be­trag der Kre­di­te für die Li­qui­di­täts­si­che­rung in den Haus­halts­plan ein­ge­tra­gen.

Ne­ga­tiv ist auch der Fi­nan­zie­rungs­sal­do aus In­ves­ti­ti­ons­tä­tig­keit; er be­trägt 3,24 Mil­lio­nen Eu­ro, die durch Kre­di­te aus­zu­glei­chen sind. Teu­re Po­si­tio­nen sind die ener­ge­ti­sche Sa­nie­rung und der bar­rie­re­freie Um­bau der Grund­schu­le (618 000 Eu­ro), der Kauf und die Er­rich­tung von Flücht­lings­un­ter­künf­ten (260 000 Eu­ro Rest­mit­tel­aus dem Vor­jahr, 320 000 im neu­en Haus­halts­plan) so­wie ein neu­es Feu­er­wehr­fahr­zeug. Hin­zu kom­men zahl­rei­che Ka­nal- und Stra­ßen­bau­ar­bei­ten.

Ob­wohl die Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men brö­ckeln, will Uedem fürs kom­men­de Jahr bei den nied­ri­gen He­be­sät­zen blei­ben: Grund­steu­er A 209 v.H., Grund­steu­er B 413 v.H., Ge­wer­be­steu­er 409 v.H. So hofft die Ge­mein­de für an­sied­lungs­wil­li­ge Un­ter­neh­men at­trak­tiv zu blei­ben. Das Land weist Uedem ins­ge­samt 1,42 Mil­lio­nen Eu­ro an Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen zu, die Kreis­um­la­ge in­klu­si­ve Ju­gend­amt und ÖPNV be­tra­gen 4,57 Mil­lio­nen Eu­ro. Ei­ne Mil­li­on Eu­ro für so­zia­le Leis­tun­gen und 1,3 Mil­lio­nen Um­la­gen an Zweck­ver­bän­de so­wie ei­ne Ge­wer­be­steu­er­um­la­ge von 672 000 Eu­ro müs­sen eben­falls auf­ge­bracht wer­den.

„Der Haus­halt 2016 kann nicht aus­ge­gli­chen

wer­den“

Bür­ger­meis­ter von Uedem

RP-ARCHIVFOTO: EVERS

Im Rat­haus stell­te Bür­ger­meis­ter Rai­ner We­ber den Haus­halts­ent­wurf vor. Auf­wen­dun­gen in Hö­he von rund 17,2 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen Ein­nah­men in Hö­he von 15,6 Mil­lio­nen Eu­ro ge­gen­über.

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