Horn-Pot­pour­ri in der Stadt­hal­le Kle­ve

Rheinische Post Goch - - LOKALE KULTUR - VON BAR­BA­RA MÜHLENHOFF

KLE­VE „Und jetzt die Horn­grup­pe mal al­lei­ne“: in dem drit­ten Rei­hen­kon­zert „Le Ren­dez-vouz“brach­ten acht Hor­nis­ten des Sym­pho­nie­or­ches­ters des Baye­ri­schen Rund­funks ein rei­nes Horn-Pot­pour­ri in die Stadt­hal­le Kle­ve. Mit da­bei Ur­su­la Kep­ser, ge­bo­re­ne Kle­ve­rin, die ihr „Heim­spiel“ge­nie­ßen durf­te und in der Kon­zert­ein­füh­rung Re­de und Ant­wort stand.

Von der So­lo-Rol­le zum Ok­tettKlang bo­ten die acht Hor­nis­ten als „zwei Mal vier“Mu­si­ker ein schö­nes stimm­li­ches Gleich­ge­wicht. Bei den Hör­nern bie­tet sich das ge­ra­de­zu an, weil der zur Ver­fü­gung ste­hen­de Ton­um­fang so groß ist, dass ein weit auf­ge­fä­cher­ter mu­si­ka­li­schen Satz rea­li­siert wer­den kann. Ganz cha­rak­te­ris­tisch be­gann das Kon­zert mit Jagd­horn­klän­gen von Gioa­chi­no Ros­si­ni, ste­reo­phon be­schallt vom Vor­raum und der Büh­ne, wo­nach sich al­le zur Be­grü­ßung vor­ne ein­fan­den.

Ma­jes­tä­tisch dann das schot­ti­sche Volks­lied in Ker­ry Tur­ners „The­me and Va­ria­ti­ons“, in des­sen Va­ria­tio­nen sich das Su­chen in vir­tuo­sen Läu­fen und ein­ge­wor­fe­nen Klän­gen äu­ßer­te, sich aber al­le wie­der in der Grund­me­lo­die des Volks­lieds fan­den.

In der Fan­ta­sie über Wa­g­ners „Lo­hen­grin“(wie pas­send in der Schwanenstadt) konn­ten die Hor­nis­ten ih­re so­no­re Run­dung in an­ge­nehm ein­ge­dun­kel­tem Ton voll ent­fal­ten. Ob die Form­dra­ma­tur­gie die­ses Werks als ge­lun­gen zu be­zeich­nen ist oder nicht, sei da­hin­ge­stellt – in­des es hielt so vie­le Mög­lich­kei­ten leuch­ten­der Klan­gent­fal­tung be­reit, dass man al­lein der von den Hor­nis­ten ent­fal­te­ten klang­li­chen Strahl­kraft wil­lig er­lag.

Nach der Pau­se folg­ten die ein­zi­gen ori­gi­nal für Horn-En­sem­ble kom­po­nier­ten Aus­zü­ge aus Lou­is Dau­prats „Sex­tour op. 10“, ge­fäl­lig und leicht zu hö­ren. Ros­si­nis „La Dan­za“brach­te Freu­de im Ta­ran­tel­la-Rhyth­mus, als Über­lei­tung zu Mich­ail Glin­k­as sprit­zi­ger „Ou­ver- tü­re zu Rus­lan und Lud­mil­la“, in der die Mu­si­ker wahr­lich „glänz­ten“: kaum zu glau­ben, wie die­se ra­san­ten Läu­fe und drän­gen­de Dy­na­mik auf den Hör­ner zu meis­tern wa­ren. Zu Stan­ding Ova­tions riss John Wil­li­ams Os­car-ge­krön­te „Star Wars Sui­te“von den Stüh­len, ge­lun­gen ar­ran­giert von ei­nem der Hor­nis­ten, Fran­cois Bas­ti­an.

Die Film­mu­sik „Main Tit­le“mit der tri­um­pha­len Öff­nungs­fan­fa­re, das ro­man­ti­sche „Prin­cess Leia’s The­me“und „Thro­ne Room & End Tit­le“ent­fach­ten das rech­te Ki­noFee­ling. Nun blei­ben aber acht Hör­ner eben acht Hör­ner: ir­gend­wie to­tal „ehr­lich“wol­len sie nicht imi­tie­ren oder Mi­mi­kry be­trei­ben. Sie ver- kör­pern Ma­jes­tä­ti­sches, Ge­setz­tes, eben­so Vir­tuo­ses, ger­ne auch das Hal­la­li mit Glanz und Wucht.

Die ge­bo­te­ne Band­brei­te be­ein­druck­te un­ge­mein, und den­noch (oder ge­ra­de): es hat­te auch et­was Uni­for­mes. Spiel­tech­nisch ma­kel­los, dy­na­misch fein schat­tiert und auf höchs­tem Ni­veau be­ein­druck­te nicht nur das Blä­se­rok­tett, son­dern vor al­lem die Zu­ga­ben als Sch­man­kerl: die Star Wars „Can­ti­na Bar“und zum Ab­schluss Brahms „Gu­ten Abend, gut Nacht“, bei dem die Mu­si­ker ei­ner nach dem an­de­ren die Büh­ne ver­lie­ßen – bis auf den letz­ten Ton.

Den durf­te man mit nach Hau­se neh­men.

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