Der Nor­ma­le ge­gen den Be­son­de­ren

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

Jür­gen Klopp kann mit Li­ver­pool das En­de der Amts­zeit sei­nes Kol­le­gen Jo­sé Mour­in­ho in Chel­sea be­sie­geln.

DÜSSELDORF/LONDON Der gro­ße Men­schen­ken­ner Jür­gen Klopp hat sei­nen Kol­le­gen ge­nau stu­diert und ei­ne we­sent­li­che Fest­stel­lung ge­trof­fen. „Jo­sé Mour­in­ho“, sagt der Trai­ner des FC Li­ver­pool, „kann ein net­ter Kerl sein.“Er weiß al­ler­dings auch, wann das ziem­lich aus­ge­schlos­sen ist. Des­halb sagt Klopp: „Er kann ein net­ter Kerl sein, wenn man nicht ge­ra­de Jour­na­list oder Schieds­rich­ter ist.“Denn die bei­den Grup­pen von Ne­ben­dar­stel­lern im Fuß­ball­ge­schäft ge­hö­ren zu den na­tür­li­chen Fein­den von Mour­in­ho, dem Coach des FC Chel­sea. Er pflegt die­ses Feind­bild.

Im Au­gen­blick hat er mal wie­der al­len Grund da­zu. Jour­na­lis­ten at­ta­ckie­ren ihn we­gen der er­staun­li­chen Ne­ga­tiv­se­rie, die das stol­ze Chel­sea auf Platz 15 der eng­li­schen Pre­mier Le­ague ab­stür­zen ließ. Und selbst­ver­ständ­lich tra­gen dar­an die bö­sen Schieds­rich­ter ei­ne ge­hö­ri­ge Mit­schuld.

Sich selbst hält Mour­in­ho nach wie vor für ziem­lich gut. „Ich bin der bes­te Trai­ner für die­se Mann­schaft“, er­klärt er so­gar, „wenn sie das an­ders se­hen, müs­sen sie mich feu­ern.“Vi­el­leicht tun „sie“, die Bos­se bei Chel­sea, das bald. Schon die heu­ti­ge Be­geg­nung mit dem FC Li­ver­pool mit dem deut­schen Kol­le­gen Klopp auf der Bank ist so et­was wie ein End­spiel für Mour­in­ho. Ei­ne Nie­der­la­ge könn­te den be­kannt fi­nanz­star­ken Klub­be­sit­zer Ro­man Abra­mo­witsch da­zu ver­an­las­sen, er­neut ein we­nig Geld für das Fort­kom­men des FC Chel­sea zu ver­bren­nen.

Teu­er wür­de ein vor­zei­ti­ger Ab­schied des Por­tu­gie­sen auf je­den Fall. Sein Ver­trag en­det erst 2019, und er soll jähr­lich das schö­ne Sümm­chen von 13,5 Mil­lio­nen Eu­ro über­wie­sen be­kom­men. Das macht ihn na­tür­lich zu­sätz­lich selbst­be­wusst.

Das ist ei­gent­lich gar nicht nö­tig, denn der eins­ti­ge Über­set­zer von Chef­coach Bob­by Rob­son bei Sporting Lissabon war im­mer von sei­nem gro­ßen Kön­nen über­zeugt. Auch das trug ihn zu zwei Cham­pi­ons-Le­ague-Ti­teln und acht na­tio­na­len Meis­ter­schaf­ten – die bis­her letz­te war die mit Chel­sea im ver­gan­ge­nen Som­mer. Das hat die ho­he Mei­nung, die er von sich selbst hat, noch ver­stärkt. Er sei ein „Be­son­de­rer“(a spe­cial one), hat er in ei­nem schö­nen Satz über sich ge­sagt.

Das war die Vor­la­ge für den nicht min­der sprach­be­gab­ten Öf­fent­lich­keits­ar­bei­ter Klopp. Si­cher nicht ganz zu­fäl­lig be­zeich­ne­te sich der ehe­ma­li­ge Dort­mun­der Meis­ter­trai­ner bei sei­ner Vor­stel­lung in Li­ver­pool An­fang des Mo­nats als „the nor­mal one“, Fans, Be­ra­ter und Mar­ke­ting­ab­tei­lung freu­ten sich glei­cher­ma­ßen. Und Klopp hat­te ein maß­ge­schnei­der­tes Image. Auch dar­um geht es ja bei Fi­gu­ren im öf­fent­li­chen Raum.

Mour­in­ho und Klopp sind sich be­wusst, dass sie im Thea­ter des Pro­fi­fuß­balls Rol­len spie­len. Mour­in­ho nimmt dank­bar die des Bö­se­wichts an, Klopp passt mit sei­nem Zahn­pas­ta-Werbe­lä­cheln ins Kli­schee des Gu­ten.

Tat­säch­lich gibt es durch­aus Ähn­lich­kei­ten zwi­schen den bei­den Haupt­dar­stel­lern an der Li­nie. Schieds­rich­ter ge­hö­ren eben­falls nicht zu Klopps bes­ten Freun­den. Sei­ne mit lei­den­schaft­li­cher Ges­tik und dra­ma­ti­schen Tän­zen un­ter­mal­ten Kom­men­ta­re zu den Ent­schei­dun­gen von Un­par­tei­ischen ge­hö­ren seit Jah­ren zum Un­ter­hal­tungs­pro­gramm in den Sta­di­en. Und Ge­sprä­che mit Jour­na­lis­ten er­freu­en den deut­schen Trai­ner nur so lan­ge, wie sie ihm die Stich­wor­te zu ga­lan­ten Vor­trä­gen lie­fern. In kri­ti­schen Si­tua­tio­nen be­nutzt Klopp läs­ti­ge Fra­ge­stel­ler sehr gern als Blitz­ab­lei­ter für die ei­ge­nen Lau­nen. Das ist dann nur noch für be­stimm­te Grup­pen un­ter­halt­sam, un­ter de­nen die sei­ner be­geis­ter­ten An­hän­ger die größ­te ist.

Bei den Spie­lern wie­der­um ist Mour­in­ho auf fast al­len sei­nen Sta­tio­nen eben­so be­liebt, wie es Klopp in Mainz und Dortmund war. Un­ver­ges­sen ist bis heu­te, wie Mar­co Ma­te­raz­zi sei­nem Coach beim Ab­schied von In­ter Mailand schluch­zend um den Hals fiel. Trä­nen gab es im Zu­sam­men­hang mit Ma­te­raz­zi al­len­falls bei des­sen Geg­nern. Denn Be­geg­nun­gen mit dem ita­lie­ni­schen Ei­sen­fuß ta­ten ein­fach weh.

FOTO: FIRO

Schö­ne Er­in­ne­rung für Jür­gen Klopp: Vor zwei­ein­halb Jah­ren be­zwang er mit Bo­rus­sia Dortmund Re­al Ma­drid (Trai­ner Jo­sé Mour­in­ho) mit 4:1.

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