Kreuz­feu­er

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Ko­mi­sche Fra­ge, fand ich, aber vi­el­leicht hat­te er Angst, ich woll­te ihm ei­nen Ab­ga­ben­be­scheid in die Hand drü­cken. „Nein“, sag­te ich. „Sie und ich wa­ren vo­ri­ge Wo­che auf der­sel­ben Din­ner­par­ty, bei Jack­son und Isa­bel­la War­ren. Ich ha­be ne­ben Ih­rer Frau ge­ses­sen.“

Er kam ein paar Schrit­te auf das Tor zu und sah mich mit zu­sam­men­ge­knif­fe­nen Au­gen an.

„Ja, aber was wol­len Sie von mir?“, frag­te er noch ein­mal.

„Ich wür­de mich gern mit Ih­nen über Rock Bank Li­mi­ted und das Geld, das Sie dort in Gi­bral­tar an­ge­legt ha­ben, un­ter­hal­ten.“„Das geht Sie nichts an“, sag­te er. Ich schwieg und war­te­te dar­auf, dass sei­ne Neu­gier die Ober­hand ge­wann.

„Wie­so wis­sen Sie über­haupt da­von?“, frag­te er wie vor­aus­zu­se­hen.

„Ich glau­be, es wä­re bes­ser, wenn wir uns dar­über im Haus un­ter­hal- ten, statt hier durchs Tor zu schrei­en, wo uns je­mand hö­ren könn­te. Fin­den Sie nicht auch?“

Er fand es of­fen­sicht­lich auch, denn er nahm ei­nen klei­nen schwar­zen Kas­ten aus der Ta­sche und drück­te ei­ne Tas­te. Das Tor öff­ne­te sich, wäh­rend ich wie­der zu Ians Wa­gen ging.

Ich park­te auf der Schot­ter­zu­fahrt vor der pseu­do­geor­gia­ni­schen Fas­sa­de sei­ner mo­der­nen Back­stein­villa.

„Kom­men Sie mit in mein Bü­ro“, sag­te Mar­tin To­le­ron und führ­te mich an der präch­ti­gen Ein­gangs­tür vor­bei zu ei­ner klei­ne­ren zwi­schen dem Haupt­haus und ei­nem aus-ge­dehn­ten Ga­ra­gen­block. Ich folg­te ihm in ei­nen gro­ßen, ei­chen­ge­tä­fel­ten Raum mit da­zu pas­sen­dem Schreib­tisch und Bü­cher­re­ga­len da­hin­ter.

„Neh­men Sie Platz“, sag­te er be­stimmt, in­dem er mir ei­nen der bei­den Ses­sel zu­wies, und zum ers­ten Mal spür­te ich et­was von dem Selbst­be­wusst­sein und der Ent­schlos­sen­heit, die ihm im Geschäftsleben si­cher zu­stat­ten ge­kom­men wa­ren. Ich nahm mir vor, Mar­tin To­le­ron als wert­vol­len Freund zu ge­win­nen, statt ihn mir zum Feind zu ma­chen.

„Wor­um geht’s?“Er setz­te sich in den an­de­ren Ses­sel und wand­te sich mit vor­ge­reck­tem Kinn zu mir.

„So­viel ich weiß, ha­ben Sie vor kur­zem als Hedge-Fonds-An­la­ge ei­nen gro­ßen Geld­be­trag an die Rock Bank Li­mi­ted auf Gi­bral­tar über­wie­sen.“

Ich mach­te ei­ne Pau­se, aber er schwieg. Er sah mich nur wei­ter mit un­freund­li­chen Au­gen an. Das war et­was ent­mu­ti­gend, und ich frag­te mich, ob es ein Feh­ler ge­we­sen war, ihn auf­zu­su­chen. Ob er nicht so­gar selbst die Fin­ger im Spiel hat­te. War ich nichts­ah­nend in die Höh­le des Lö­wen spa­ziert?

„Und ich ha­be Grund, an­zu­neh­men“, fuhr ich fort, „dass be­sag­ter In­vest­ment­fonds in Wirk­lich­keit gar nicht exis­tiert und dass Sie um Ihr Geld be­tro­gen wer­den sol­len.“Er sah mich wei­ter nur an. „War­um er­zäh­len Sie mir das?“, frag­te er schließ­lich und er­hob sich un­ver­mit­telt. „Was wol­len Sie von mir?“„Nichts“, sag­te ich. „Klar wol­len Sie et­was.“Er hat­te die Stim­me deut­lich er­ho­ben. „Wes­halb wä­ren Sie sonst hier? Sie ha­ben mir doch nicht bloß ei­ne schlech­te Nach­richt über­bracht, um die Scha­den­freu­de zu ge­nie­ßen. Sind Sie auf Geld aus?“

„Na­tür­lich nicht“, ver­tei­dig­te ich mich. „Ich bin hier, um Sie zu war­nen.“

„Und war­um das?“, frag­te er ag­gres­siv. „Wenn ich mein Geld, wie Sie be­haup­ten, schon in ei­nen Schein­fonds in­ves­tiert ha­be, kommt Ih­re War­nung doch zu spät.

(Fort­set­zung folgt)

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