Letz­te Ru­he für das Haus­tier

Rheinische Post Goch - - DIE TIERWELT - VON HOL­GER LODAHL

Wer jah­re­lang mit ei­nem Tier zu­sam­men­ge­lebt hat, möch­te es oft­mals auch bei­set­zen las­sen.

Ei­ne Kat­ze kann gut 15 Jah­re lang ih­rem Hal­ter den All­tag mit ih­rem Schnur­ren ver­schö­nern. So lan­ge we­deln oft auch Hun­de vor Freu­de mit ih­rem Schwanz, wenn Herr­chen oder Frau­chen nach Hau­se kommt. Kein Wun­der al­so, dass die­se Tie­re ih­ren Be­sit­zern viel be­deu­ten – dau­ert doch ei­ne Be­zie­hung zu ei­nem Tier manch­mal län­ger als ei­ne Ehe, Freund­schaft oder Nach­bar­schaft. Wenn lieb­ge­won­ne­ne Tie­re ster­ben, möch­ten ih­re Hal­ter Hund, Kat­ze und auch vie­len Klein­tie­ren die letz­te Eh­re er­wei­sen und so auch noch lan­ge nach der Be­stat­tung ei­nen Ort zum Trau­ern ha­ben. „Die­ses The­ma wird im­mer wich­ti­ger“, sagt Ga­b­rie­le Metz vom Bun­des­ver­band der Tier­be­stat­ter. Im­mer mehr Men­schen möch­ten sich für die Treue ih­res Tie­res be­dan­ken und es an­ge­mes­sen be­stat­ten, sagt sie.

Der Düs­sel­dor­fer Tier­fried­hof bie­tet solch ei­ne Mög­lich­keit. Ist das Tier zu Hau­se ge­stor­ben oder sah sich der Tier­arzt ge­zwun­gen, es ein­zu­schlä­fern, ho­len es die Mit­ar­bei­ter des Tier­fried­ho­fes ab. Der Trau­ern­de kann sich dann ent­schei­den, ob er das Tier be­er­di­gen las­sen möch­te oder ob es ver­brannt wer­den soll. In bei­den Fäl­len be­kom­men die Tie­re ei­ne Gr­ab­stät­te mit Gr­ab­stein. Die­se Stät­te wird vom Fried­hofs­per­so­nal pro­fes­sio­nell und kos­ten­pflich­tig ge­pflegt. Erst ein­mal für vier Jah­re. Vie­le Tier­freun­de möch­ten die Grä­ber aber über die­se Zeit hin­aus be­su­chen – auch, weil der Düs­sel­dor­fer Tier­fried­hof ein idyl­li­scher Platz ist, an dem man sich gut an den ver­stor­be­nen Be­glei­ter er­in­nern kann. Im Ein­gangs­be­reich des Tier­fried­hofs sorgt al­ter Baum­be­stand für ei­ne stim­mungs­vol­le, na­tür­li­che At­mo­sphä­re. Dem Be­su­cher bie­ten die in­di­vi­du­ell ge­stal­te­ten Gr­ab­stät­ten ih­rer Lieb­lin­ge ein fried­li­ches Bild.

„Kör­per­li­che Tier­be­stat­tun­gen sind ge­eig­net für Men­schen, die lan­ge Zeit die Ge­le­gen­heit ha­ben, das Gr­ab zu be­su­chen und auch zu pfle­gen“, sagt Ga­b­rie­le Metz. Das be­deu­te aber ei­nen gro­ßen Auf­wand und sei über­dies mit recht ho­hen Kos­ten ver­bun­den, so­dass die­se Art der Be­er­di­gung kein Mas­sen­phä­no­men ist. Der Trend, so sagt Metz, geht stark zur Kre­mie­rung.

Zum Bei­spiel bie­tet das Tier­kre­ma­to­ri­um In­fi­ni­tas in Wil­lich Feu­er­be­stat­tun­gen an. Die Pro­ze­dur sei sehr wür­de­voll, sagt In­ha­ber Vol­ker Klee. Es gibt ei­nen Ab­schieds­raum, in dem sich al­le Men­schen tref­fen, de­nen das Tier zu Leb­zei- ten et­was be­deu­tet hat oder die dem trau­ern­den Hal­ter bei­ste­hen möch­ten. Nach der Kre­mie­rung fül­len die Mit­ar­bei­ter die Asche des Tie­res in ei­ne Ur­ne, die es in vie­len ver­schie­de­nen De­signs und Ma­te­ria­len

Ga­b­rie­le Metz gibt. Man­che Ur­nen sind frost­be­stän­dig, weil Be­sit­zer sie in den Gar­ten stel­len möch­ten. An­de­re Va­ri­an­ten gibt es in Ke­ra­mik, in ver­schie­de­nen Far­ben und un­ter­schied­li­chen For­men, weil sie lan­ge Zeit in Wohn­zim­mern ste­hen. Vie­le Tier­be­sit­zer ge­hen nach dem Ab­le­ben von Hund oder Kat­ze ei­nen Mit­tel­weg, sagt Klee. Zwar möch­ten sie dem Tier ei­nen wür­de­vol­len Ab­schied ge­ben, Ur­ne und Asche aber nicht jah­re­lang zu Hau­se ha­ben. „Da­her ver­streu­en die Hal­ter die Asche ih­res Tie­res in der Na­tur“, sagt er. Als Plät­ze wäh­len sie oft die Or­te, an de­nen sie mit dem Tier gern ge­we­sen sind – am Rhein­ufer et­wa oder in Wäl­dern. Das ist le­gal und be­darf we­der ei­ner An­mel­dung bei Be­hör­den noch ei­ner Ge­neh­mi­gung, sagt Klee. An­de­re Tier­lieb­ha­ber tra­gen die Asche ih­rer Tie­re in Amu­let­ten am Kör­per.

Ga­b­rie­le Metz be­tont ei­nen wei­te­ren Vor­teil ei­ner Kre­mie­rung. „Der Tier­be­sit­zer ist nicht an ei­nen Ort ge­bun­den. Ent­schei­det sich ein Tier­freund, die Ur­ne mit der Asche mit nach Hau­se zu neh­men, kann sie auch je­den Um­zug mit­ma­chen – ob die Fa­mi­lie in ei­ne an­de­re Stadt zieht oder ein äl­te­rer Mensch in ein Al­ten­heim.“

Neu sei die Mög­lich­keit, ei­nen ver­stor­be­nen Men­schen und ein Tier in ei­nem ge­mein­sa­men Gr­ab zu be­stat­ten, sagt Ga­b­rie­le Metz. Sol­che Freund­schafts- und Fa­mi­li­en­grä­ber gibt es zur­zeit in Es­sen und in Rhein­land-Pfalz. Ei­ne mo­der­ne Va­ri­an­te der Ur­nen­be­stat­tung sei die Was­ser­ur­ne. Die Asche des Tie­res kommt in ei­ne Ur­ne, die was­ser­durch­läs­sig ist. Der Re­gen dringt ein und wäscht über meh­re­re Jah­re lang die Asche ins Erd­reich. So kann sich der Tier­be­sit­zer si­cher sein, dass Hund oder Kat­ze nach dem Tod eins wird mit der Na­tur.

„Das The­ma Tier­be­stat­tung wird im­mer wich­ti­ger“

Bun­des­ver­band der Tier­be­stat­ter

Wenn ein ge­lieb­tes Tier stirbt, hat sein Hal­ter un­ter­schied­li­che Mög­lich­kei­ten, es zu be­stat­ten.

FO­TOS: GA­B­RIE­LE METZ/ BUN­DES­VER­BAND DER TIER­BE­STAT­TER

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