Der ers­te Spar­gel ist schon da

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON TIM SPECKS

Ei­ne spe­zi­el­le An­bau-Tech­nik macht ei­ne frü­he Ern­te mög­lich.

GEL­DERN Ste­phan Kis­ters hat ei­ne Faust­re­gel. „So­bald man Lie­bes­paa­re im Park ent­deckt, kann man den ers­ten Spar­gel ern­ten“, sagt der Bau­er. Will hei­ßen: Sind die Tem­pe­ra­tu­ren früh­lings­haft warm, ist auch der ers­te Spar­gel be­reit zur Ern­te. Dass trotz des bis­her eher küh­len Früh­lings schon jetzt die ers­ten Spar­gel­ge­rich­te ser­viert wer­den kön­nen, liegt an ei­ner spe­zi­el­len An­bau-Tech­nik. Durch den An­bau in so­ge­nann­ten Mi­ni-Tun­neln kann die Spar­gel­ern­te, die frü­her meist Mit­te April be­gann, heute um bis zu drei Wo­chen eher star­ten.

Um mög­lichst fri­schen Spar­gel zu kau­fen, soll­ten Ver­brau­cher sich zu­nächst ein Bild vom Aus­se­hen der Stan­gen ma­chen. „Sie soll­ten weiß glän­zend und frei von mat­ten oder brau­nen Stel­len sein“, er­klärt Ralf Gro­ße Dank­bar, Spar­gel­be­ra­ter der Land­wirt­schafts­kam­mer NRW. Zu­dem soll­ten fri­sche Spar­gel­stan­gen quiet­schen, wenn man sie an­ein­an­der reibt. Da­mit das Ge­mü­se mög­lichst lan­ge frisch bleibt, emp­fiehlt der Ex­per­te, es in ein feuch­tes Tuch zu wi­ckeln und im Kühl­schrank zu la­gern. So bleibt er noch et­wa drei Ta­ge nach dem Kauf frisch.

Auf sei­nem Hof in Gel­dern-Wal­beck setzt Ste­phan Kis­ters beim An- bau auf die Tun­nel­tech­nik. „Über die schwar­ze Fo­lie auf den Däm­men, die man von klas­si­schen Spar­gel­fel­dern kennt, wird ei­ne zwei­te, trans­pa­ren­te Fo­lie ge­spannt“, er­klärt er. Durch die Son­nen­ein­strah­lung ent­steht zwi­schen den Fo­li­en ei­ne Art Treib­haus­ef­fekt – die Tem­pe­ra­tur steigt schnel­ler und der Spar­gel ist frü­her ern­ter­eif. Die Pflan­zen brau­chen ei­ne Tem­pe­ra­tur von et­wa zwölf Grad, um zu wach­sen. In den Mi­ni-Tun­neln wird die­ser Wert al­lein durch die Kraft der Son­ne er­reicht. So­mit ist Ste­phan Kis­ters nicht auf die Ab­wär­me aus Heiz­kraft­wer­ken an­ge­wie­sen, die vie­le an­de­re Bau­ern auf ih­re Fel­der lei­ten, um ein op­ti­ma­les Kli­ma für den Spar­gel­an­bau her­zu­stel­len. Mit sei­nem Fa­mi­li­en­be­trieb baut Kis­ters auf rund 15 Hekt­ar Acker­land Spar­gel an. In gu­ten Jah­ren ern­tet Kis­ters bis zu 75 Ton­nen wei­ßen und grü­nen Spar­gel.

Der Spar­gel­hof Kis­ters ist ei­ner von rund 410 Be­trie­ben in Nord­rhein-West­fa­len, auf de­nen Ge­mü­se­spar­gel an­ge­baut wird. Laut Land­wirt­schafts­kam­mer NRW wer­den lan­des­weit jähr­lich bis zu 17.500 Ton­nen ge­ern­tet. Das sind et­wa 20 Pro­zent der ge­samt­deut­schen Pro­duk­ti­on. Nach der Ern­te wer­den rund 70 Pro­zent des Ge­mü­ses auf Bau­ern­hö­fen ver­kauft. Et­wa zehn Pro­zent wer­den in Gast­stät­ten ser­viert, der Rest geht an Su­per­märk­te.

Ge­ern­tet wird der Spar­gel in Deutsch­land tra­di­tio­nell bis zum 24. Ju­ni, dem Jo­han­nis­tag. „Das liegt an der Ta­ges­län­ge“, er­klärt Ralf Gro­ße Dank­bar. Ab En­de Ju­ni wer­den die Ta­ge kür­zer, so dass die Pflan­zen im­mer we­ni­ger Son­nen­strah­len ab­be­kom­men. Um ih­nen aber noch mög­lichst viel Licht für die Re­ge­ne­ra­ti­on zu­kom­men zu las­sen, en­det die Ern­te mit dem Spar­gel­sil­ves­ter 24. Ju­ni. Wird die­ser Grund­satz nicht be­ach­tet, wer­den die Pflan­zen ge­schwächt. Das Er­geb­nis sind dann weit­aus dün­ne­re Stan­gen.

FO­TO: SEYB

Spar­gel­bau­er Ste­phan Kis­ters freut sich über die ers­ten Stan­gen.

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