So schafft NRW wie­der Wachs­tum

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON A. HÖ­NING, M. PLÜCK UND G. WIN­TERS

Sechs Wirt­schafts­ex­per­ten sa­gen, wie die Re­gi­on an Rhein und Ruhr wie­der An­schluss ge­win­nen kann.

DÜSSELDORF Als die Be­hör­de IT.NRW jüngst die Zah­len für das Wirt­schafts­wachs­tum ver­öf­fent­lich­te, da muss­te in NRW so man­cher schlu­cken. Wäh­rend in al­len an­de­ren Bun­des­län­dern das Brut­to­in­lands­pro­dukt, al­so der Wert al­ler im ver­gan­ge­nen Jahr er­stell­ten Gü­ter und Di­enst­leis­tun­gen, ge­wach­sen war, sta­gnier­te der Wert in NRW. Wir ha­ben Ent­schei­der in der Re­gi­on ge­fragt, wie das Land an Rhein und Ruhr wie­der nach vor­ne kom­men kann. Ul­rich Leh­ner, Prä­si­dent der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Düsseldorf: „Maß­geb­lich für wei­te­res Wirt­schafts­wachs­tum ist ei­ne In­ves­ti­ti­on in erst­klas­si­ge Bil­dung und In­fra­struk­tur. Gleich­zei­tig gilt es, den Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­zess vor­an­zu­trei­ben und den Un­ter­neh­men Gestal­tungs­räu­me zu las­sen. Das heißt: we­ni­ger Bü­ro­kra­tie, ei­ne ver­läss­li­che Flä­chen- und Pla­nungs­po­li­tik, vor al­lem aber: ein klares Be­kennt­nis zur För­de­rung der In­dus­trie – denn vor al­lem die­ser Wirt­schafts­zweig si­chert nach­hal­ti­ges Wachs­tum.“ Gus­tav Horn, Lei­ter des In­sti­tuts für Ma­kro­öko­no­mie und Kon­junk­tur­for­schung: „NRW hat ein gro­ßes Wachs­tums­po­ten­zi­al, denn es hat vie­le Ar­beits­kräf­te, ei­ne ho­he Fle­xi­bi­li­tät und In­te­gra­ti­ons­kraft. Vie­le der hier be­hei­ma­te­ten In­dus­tri­en – et­wa die Ener­gie­bran­che – be­fin­den sich aber in ex­trem schwie­ri­gem Fahr­was­ser. Um NRW beim Wachs­tum vor­an­zu­brin­gen, sind des­halb drin­gend In­ves­ti­tio­nen nö­tig. Das Land soll­te vor­an­ge­hen und et­wa mehr für Bil­dung aus­ge­ben. Auch soll­te sich die Lan­des­re­gie­rung dar­um be­mü­hen, vie­le Flücht­lin­ge an­zu­sie­deln und ih­nen die Mög­lich­keit zu ge­ben, sich mit klei­nen Be­trie­ben selbst­stän­dig zu ma­chen. NRW beim Wachs­tum vor­an­zu­brin­gen, ist ei­ne Mit­tel- bis Lang­frist-Auf­ga­be. Das schafft man nicht in ei­nem Jahr.“ Andre­as Eh­lert, Prä­si­dent der Hand­werks­kam­mer Düsseldorf:

„Die öf­fent­li­che In­fra­struk­tur ist in kei­nem be­darfs­ge­rech­ten Zu­stand. Auch, weil bei Bau und Un­ter­halt zu we­nig auf Nach­hal­tig­keit ge­ach­tet wird. In der Ener­gie­po­li­tik wird das Land künst­lich und teu­er im Zeit­al­ter von Koh­le und Groß­an­la­gen gehalten, an­statt Ener­gie­ef­fi­zi­enz und de­zen­tra­le Ener­gie­ge­win­nung zu stär­ken. Ei­ne Bil­dungs­of­fen­si­ve müss­te dar­auf ab­stel­len, der ge­werb­li­chen Wirt­schaft die per­so­nel­len Ka­pa­zi­tä­ten durch strin­gen­te För­de­rung der be­ruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung zu si­chern und Un­ter­neh­mens­grün­dun­gen zu för­dern.“ Horst-Werner Mai­er-Hun­ke, Prä­si­dent der Lan­des­ver­ei­ni­gung der Un­ter­neh­mer­ver­bän­de NRW: „Seit sechs Jah­ren fällt NRW im­mer wei­ter zu­rück, jetzt herrscht so­gar Still­stand beim Wirt­schafts­wachs­tum, und NRW ist Schluss­licht in der Deutsch­land-Ta­bel­le. Die Lan­des­re­gie­rung muss schnells­tens für ei­ne neue Auf­bruch­stim­mung am Wirt­schafts­stand­ort NRW sor­gen. Die Po­li­tik muss al­les un­ter­las­sen, was die Wirt­schaft schwächt. Da­zu be­nö­tigt un­ser Land als ers­tes ei­nen wirt­schafts-, um­welt- und so­zi­al­po­li­ti­schen Re­gu­lie­rungs­stopp.

Vor al­lem müs­sen die Al­lein­gän­ge Nord­rhein-West­fa­lens beim Um­welt- und Kli­ma­schutz be­en­det wer­den. Über­dies braucht Nord­rhein-West­fa­len drin­gend ei­ne ent­schlos­se­ne In­fra­struk­tur-Of­fen­si­ve. Ver­kehrs­net­ze, Ver­kehrs­trä­ger so­wie die di­gi­ta­le In­fra­struk­tur des Lan­des müs­sen mas­siv aus­ge­baut wer­den. Nur so wird NRW wie­der nach vorn kom­men.“

„Da­mit NRW vor­an­kommt, brau­chen wir von der Po­li­tik ein klares Be­kennt­nis da­zu, dass wir ein Ener­gie- und In­dus­trie­land sind. Statt­des­sen be­kom­men wir in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den – ins­be­son­de­re von­sei­ten der Grü­nen – un­nö­ti­ges Stör­feu­er. Das war zu­letzt et­wa bei der en­er­gie­in­ten­si­ven Alu­mi­ni­um­in­dus­trie der Fall. Was die Fir­men, ins­be­son­de­re die­je­ni­gen der Grund­stoff­in­dus­trie, be­nö­ti­gen, sind Klar­heit und Si­cher­heit.“ Michael Breu­er, Prä­si­dent des Rhei­ni­schen Spar­kas­sen­und Gi­ro­ver­ban­des: „Bei der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in NRW muss man den Struk­tur­wan­del be­rück­sich­ti­gen, bei dem das Land be­acht­li­che Er­fol­ge er­zielt hat, der aber längst nicht ab­ge­schlos­sen ist. Die größ­ten ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen er­ge­ben sich si­cher aus den Fol­gen der Ener­gie­wen­de, die die gro­ßen Ener­gie­ver­sor­ger mit Sitz und Schwer­punkt in NRW zu be­wäl­ti­gen ha­ben. Für ei­ne er­folg­rei­che Zu­kunft brau­chen wir des­halb ei­nen star­ken Mit­tel­stand, viel­fäl­ti­ges Hand­werk und krea­ti­ves Un­ter­neh­mer­tum so­wie ein gu­tes Mit­ein­an­der von Ar­beit­ge­bern und Ar­beit­neh­mern. Al­le am Wirt­schafts- und Fi­nan­zie­rungs­pro­zess Be­tei­lig­ten sind auf­ge­for­dert, ge­ra­de für die­se Be­rei­che Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die wirt­schaft­li­che Dy­na­mik, In­no­va­ti­ons­kraft und Ri­si­ko­be­reit­schaft för­dern. Da­zu zäh­len auch ein kon­se­quen­ter Bü­ro­kra­tie­ab­bau und ein zü­gi­ger Aus­bau des Breit­band­net­zes. So kön­nen neue Ar­beits­plät­ze und Wirt­schafts­wachs­tum mög­lich ge­macht wer­den.“

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