Ab­bit­te für die Ul­tra-Be­we­gung

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Es wird Zeit für ein Ge­ständ­nis: Seit den Os­ter-Län­der­spie­len bin ich end­gül­tig ein An­hän­ger der Ul­tra-Be­we­gung. Bis vor ein paar Ta­gen fand ich das selbst un­vor­stell­bar, mal so ei­nen Satz über die Fuß­bal­lfans zu schrei­ben, die sich für das Ge­wis­sen und die Stim­mungs­ga­ran­ten ei­nes gan­zen Sports hal­ten. De­ren Ze­re­mo­ni­en­meis­ter (Vor­sän­ger nen­nen sie die) im Zaun vor der Kur­ve hän­gen und dort für dau­er­haf­ten Ge­sang sor­gen.

Dau­er­ge­sang und Sen­dungs­be­wusst­sein ha­ben mich im­mer ge­stört. Da­für leis­te ich nun in al­ler Öf­fent­lich­keit Ab­bit­te und wer­de wahr­schein­lich dem­nächst zu Fuß in ei­ne je­ner Ka­the­dra­len pil­gern, in de­nen das Ul­tra­tum be­son­ders blüht. Am bes­ten al­so nach Dort­mund.

Nach den Län­der­spie­len ist die Freu­de auf die Bun­des­li­ga und de­ren Fan­kul­tur groß. Fuß­ball oh­ne Krach macht ein­fach kei­nen Spaß.

Die­se grund­le­gen­de Neu­ori­en­tie­rung im Spät­herbst mei­nes furcht­bar lan­gen Fuß­ball­le­bens ver­dan­ke ich vor al­len Din­gen dem Län­der­spiel in Ber­lin, wäh­rend­des­sen noch we­ni­ger los war als sonst bei Län­der­spie­len. Aber nicht mal in Leipzig, wo im ver­gan­ge­nen Ok­to­ber der Gi­gant Ge­or­gi­en mit 2:1 vom Ra­sen ge­fegt wur­de, war es so lei­se wie im Olym­pia­sta­di­on, das schon we­gen sei­ner Na­zi-Ar­chi­tek­tur al­les an­de­re als ei­ne Spaß-Are­na ist. Man hör­te bis un­ters Dach, wenn ei­ner den Ball weg­schlug. Und nur weil die En­g­län­der ihr Lied­gut ab­spul­ten, hör­te man nicht je­den Stoß­seuf­zer der Trai­ner. Da­ge­gen ist je­des Re­gio­nal­li­ga-Spiel ei­ne oh­ren­be­täu­ben­de Ver­an­stal­tung.

Erst recht je­des Bun­des­li­ga-Spiel. Da ist es laut, und es gibt ei­ne re­gel- rech­te Fan­kul­tur – auch au­ßer­halb der Ul­tra­sze­ne. Die Laut­stär­ke im Sta­di­on ge­hört zum Fuß­ball-Erlebnis, und sie führt ganz ne­ben­bei zum viel­zi­tie­ren Heim­vor­teil, weil An­hän­ger der Heim­mann­schaft in der Re­gel in der Über­zahl sind.

Fuß­ball oh­ne Krach macht ein­fach kei­nen Spaß. Da könn­te man ja gleich zum Schach ge­hen – wo­mit nichts ge­gen die­sen eh­ren­wer­ten (Denk-)Sport ge­sagt sein soll. Aber noch mal sol­che Aben­de wie in Ber­lin oder Leipzig: Nö, schon die Aus­sicht macht Bauch­schmer­zen. Und die Adres­se der füh­ren­den Schach­klubs von Sach­sen und Ber­lin-Bran­den­burg ken­ne ich auch nicht. Vi­el­leicht kann da je­mand hel­fen.

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