25 Joa und koa bis­sal miad

Rheinische Post Goch - - FERNSEHEN AM SONNTAG - VON LES­LIE BROOK

In ih­rem Ju­bi­lä­ums­fall le­gen sich die Kom­mis­sa­re gleich­zei­tig mit der Münch­ner Schi­cke­ria und der Un­ter­welt an.

MÜN­CHEN Wer nach 25 Di­enst­jah­ren kurz vor sei­nem Ju­bi­lä­um steht, der will die ver­blei­ben­de Zeit in der Re­gel mög­lichst un­auf­fäl­lig und schnell hin­ter sich brin­gen. Nicht so die Münch­ner Kom­mis­sa­re Franz Leit­mayr (Udo Wacht­veitl) und Ivo Ba­tic (Mi­ros­lav Ne­mec). Statt sich über ei­nen Er­folg vor Ge­richt zu freu­en – nach dem Mord an ei­ner ru­mä­ni­schen Pro­sti­tu­ier­ten wird der Cou­sin ver­ur­teilt, ganz so wie es die Er­mitt­lun­gen sei­nes Part­ners Leit­mayr na­he­ge­legt hat­ten – be­schleicht Ba­tic ein ko­mi­sches Ge­fühl, und er fängt wie­der an, in den Ak­ten zu wüh­len. Leit­mayr, der über­zeugt ist, sorg­fäl­tig vor­ge­gan­gen zu sein, ist an­fangs ge­nervt von der Initia­ti­ve des Kol­le­gen. Was zu­nächst wie ein Rou­ti­ne­fall aus­sah, ist aber viel kom­pli­zier­ter. Die Po­li­zis­ten müs­sen fest­stel­len, dass sie bei den Er­mitt­lun­gen ge­schlampt ha­ben und des­halb der fal­sche Tä­ter im Ge­fäng­nis sitzt.

Man muss schon ein sehr ein­ge­spiel­tes Team sein, um dem Part­ner nicht krumm zu neh­men, dass er die ei­ge­nen Er­mitt­lun­gen an­zwei­felt. Letzt­lich ist es Leit­mayr, der ver­kün­det, dass der Fall wie­der ge­öff­net wer­den muss.

In ih­rem Ju­bi­lä­ums­fall, der den schö­nen und gleich­zei­tig neu­gie­rig ma­chen­den bay­ri­schen Ti­tel „Mia san jetz da wo’s weh tut“trägt, zeigt das Münch­ner Duo al­le sei­ne Stär­ken. Ein gu­tes Ge­spür, knall­har­te Er­mitt­lungs­me­tho­den, Zu­sam­men­ar­beit und Be­schei­den­heit – auf das Ju­bi­lä­um sto­ßen sie nur mit Es­pres­so aus Papp­be­chern an.

Von An­fang an wa­ren Ivo Ba­tic und Franz Leit­mayr et­was Be­son­de­res – zwei gleich­be­rech­tig­te jun­ge Haupt­kom­mis­sa­re, ei­ner aus Mün­chen, ei­ner mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, das war vor 25 Jah­ren voll­kom­men un­üb­lich. Ne­mec kam 1954 in Zagreb zur Welt. Nach ih­rem Start am 1. Ja­nu­ar 1991 mit dem Tier­schüt­zer-Fall „Ani­mals“ging das Mo­dell des Män­ner-Du­os im Kri­mi so­zu­sa­gen in Se­rie: Auch der Köln „Tat­ort“, der sechs Jah­re spä­ter eta­bliert wur­de, ist um ein sol­ches Team her­um kon­stru­iert.

Heute hal­ten die bei­den, die sich bei ih­rem ers­ten Tref­fen nicht ge­ra- de sym­pa­thisch ge­we­sen sein sol­len, meh­re­re Re­kor­de: Sie sind die „Tat­ort“-Kom­mis­sa­re mit den meis­ten Ein­sät­zen und im­mer­hin das dienst­äl­tes­te, am­tie­ren­de Män­nerGe­spann. Nach An­ga­ben des Baye­ri­schen Rund­funks sind seit Amts­an­tritt der bei­den Er­mitt­ler über 150 Men­schen im Münch­ner „Tat­ort“ge­stor­ben – das macht im Schnitt mehr als zwei To­te pro Fol­ge. Sie­ben As­sis­ten­ten, der lang­le­bigs­te un­ter ih­nen Michael Fitz als Car­lo Men­zin­ger, ha­ben sie da­bei ver­schlis­sen. Aktuell im Di­enst ist die Num­mer acht, Fer­di­nand Ho­fer als Kal­li.

Ei­ne fes­te Freun­din ha­ben bei­de nicht, vi­el­leicht ist auch das ein Grund für ih­re Be­liebt­heit. Das Pri­vat­le­ben spielt kei­ne so gro­ße Rol­le wie bei an­de­ren Teams, wo das teils ein Über­ge­wicht be­kommt. Ba­tic und Leit­mayr hat­ten in all den Jah­ren je­weils acht Lie­bes­ge­schich­ten: Ba­tic ei­ne Be­zie­hung und sie­ben Af­fä­ren, Leit­mayr drei Be­zie­hun­gen und fünf Af­fä­ren. Und es gab auch be­mer­kens­wer­te Gast­auf­trit­te – Rio Rei­ser, Ru­dolph Mos­ham­mer, Karl Moik und Die To­ten Ho­sen.

Die Ju­bi­lä­ums­fol­ge ist ab­so­lut se­hens­wert, ein durch und durch span­nend er­zähl­ter Fall, der kri­tisch mit der Münch­ner Schi­cke­ria und so­zia­len Pro­ble­men um­geht. Wer noch kein Fan der Münch­ner ist, soll­te es rasch wer­den – sonst ver­passt man was. Tut gar nicht weh. „Tat­ort: Mia san jetz da wo’s weh tut“, Das Ers­te, So., 20.15 Uhr

FO­TO: BR

Die Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sa­ren Ivo Ba­tic (Mi­ros­lav Ne­mec, li.) und Franz Leit­mayr (Udo Wacht­veitl) wi­ckeln ei­nen ab­ge­schlos­se­nen Fall neu auf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.